Das Potenzial der KI für kreative Zerstörung

Künstliche Intelligenz treibt massive Investitionen im Tech-Sektor: Hyperscaler planen 2026 bis zu 700 Mrd. US-Dollar. Das könnte das reale BIP-Wachstum deutlich über Trend heben. Doch was passiert, wenn KI-Investitionen hinter den Erwartungen bleiben? Ein Szenariovergleich zu Wachstum, Rendite und Risiken. PGIM | 12.02.2026 10:18 Uhr
Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income / © e-fundresearch.com / PGIM
Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income / © e-fundresearch.com / PGIM

Die Schwere der jüngsten Belastungen im gesamten Softwaresektor verdeutlicht das Potenzial der KI für kreative Zerstörung. Dabei werden sich Gewinner und Verlierer aus den historischen Investitionen inklusive des Ausbaus der Infrastruktur ergeben. Allein im Jahr 2026 sollen die Investitionen der Hyperscaler voraussichtlich um 60% auf 650 bis 700 Mrd. US-Dollar steigen. In einer stark vereinfachten Analyse könnten diese Investitionen 2,0 bis 2,5% des BIP ausmachen oder 1 Prozentpunkt zum realen BIP beitragen. Dies könnte ausreichen, um das reale BIP-Wachstum in diesem Jahr über den Trend hinauszutreiben, möglicherweise auf 2,5%.

Die Entwicklungen im Softwarebereich veranlassen uns jedoch auch, ein Szenario in Betracht zu ziehen, in dem die KI-Investitionen hinter den Erwartungen zurückbleiben und die Wirtschaft möglicherweise auf ein „durchwachsenes” Wachstum von etwa 1,2% zusteuert. Bei Investitionen in Höhe von 485 Mrd. USD in diesem Jahr,  also einer Wachstumsrate von 14% und einem geringeren Anteil am BIP, würde dies zu einem Beitrag von 0,16 Prozentpunkten zum realen BIP-Wachstum führen. Dies wären etwa 80 Basispunkte weniger als im Szenario mit einem Beitrag von 1 Prozentpunkt.

Am stärksten gefährdet könnten die spekulativen KI-Unternehmen mit potenziellen Investitionsausgaben von 100 bis 120 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 sein, da sie von den Fremd- und Eigenkapitalmärkten abhängig sind und eine Finanzierungslücke gleichbedeutend mit stornierten GPU-Bestellungen wäre.

Angesichts der enormen Investitionen der acht größten KI-Anbieter ist es auch sinnvoll, Szenarien für die Kapitalrendite zu untersuchen. So belaufen sich beispielsweise die potenziellen Einnahmen, die erforderlich sind, um eine Rendite von 10% auf die prognostizierten Investitionen für zwei Jahre zu erzielen, auf fast 750 Mrd. USD pro Jahr, wenn man eine Bruttomarge von 30% und eine Abschreibungsrate von 10% zugrunde legt. Grob geschätzt würde dieser Umsatz im Wesentlichen dem Jahresumsatz eines weiteren Amazons entsprechen.  

Von Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income

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