Gerichtliche Aufhebung der US-Zölle: Brasilien, China, Indien und Kanada könnten zu den Gewinnern zählen

Die Neuordnung des US-Zollsystems nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs könnte Inflation und Zinsen leicht dämpfen und der Fed zusätzlichen Spielraum geben. Ökonomen erwarten nur begrenzte Wachstumseffekte, sehen jedoch anhaltende Unsicherheit und unterschiedliche Auswirkungen auf wichtige Handelspartner. PGIM | 25.02.2026 11:47 Uhr
Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income / © e-fundresearch.com / PGIM
Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income / © e-fundresearch.com / PGIM

Das US-Zollsystem steht vor seiner nächsten Phase, nachdem der Oberste Gerichtshof die auf dem IEEPA basierenden Abgaben aufgehoben hat. Diese Abgaben wirkten sich auf US-Importe im Wert von 1,5 Billionen Dollar und 70% der Zolleinnahmen aus. Die Ersetzung von etwa 80% dieser Zölle durch einen globalen Zollsatz von 15% gemäß Abschnitt 122 durch die Regierung könnte eine vorübergehende Übergangslösung für 150 Tage sein – die zufällig bis zu den Zwischenwahlen im November läuft, bevor sie durch Zölle gemäß Abschnitt 232 oder 301 ersetzt werden. 

Die Änderung des Zolltarifs könnte marginale wirtschaftliche Auswirkungen haben und zu einem Rückgang der Inflation um 10 bis 20 Basispunkte führen. Dies würde der Fed mehr Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik verschaffen und einen ähnlichen Wachstumsschub ermöglichen. Durch die Zollsubstitution dürften die Einnahmen des US-Bundeshaushalts voraussichtlich jährlich um 30 Mrd. USD sinken. Der fiskalische Druck am Ende der Zinskurve könnte jedoch durch den möglichen Rückgang der Inflation ausgeglichen werden. Die längste wirtschaftliche Auswirkung wird jedoch die mit den Zöllen verbundende Unsicherheit sein, da sich die Situation wahrscheinlich über die kommenden Quartale und Jahre hinweg weiterentwickeln wird. 

Trotz der marginalen Auswirkungen auf die US-Wirtschaft könnten die Verteilungseffekte bedeutender sein. Zu den „Gewinnern” der aufgehobenen Zölle könnten beispielsweise Brasilien, China, Indien und Kanada zählen, während Großbritannien, Japan, Korea und Singapur marginale Zollerhöhungen erfahren könnten. Das ist jedoch noch nicht das Ende für die Handelspartner der USA, da die Zölle, welche die nunmehr aktuellen Zollsätze zum Jahresende ersetzen werden, längerfristige Auswirkungen haben dürften. 

Aus Marktperspektive betrachtet sind die Zinsen zwar kürzlich aufgrund von Spekulationen über Zölle und den Iran gestiegen, doch liegen die Zinssätze und Kreditspreads weiterhin auf dem Niveau von 2022. Angesichts des relativ stabilen wirtschaftlichen Umfelds und der nach wie vor erheblichen Liquiditätsreserven sehen wir Potenzial für stabile bis niedrigere Zinsen und eine möglicherweise stärkere Risikobereitschaft, sobald die derzeitige Marktunsicherheit nachlässt.   

Von Daleep Singh, Chief Global Economist und Head of Global Macroeconomic Research bei PGIM Fixed Income

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