Märkte 2026: Volle Kraft voraus – mit offenen Augen

Alles scheint gut zu werden. Aber genau dann muss man vorsichtig sein. Neuberger | 16.01.2026 15:10 Uhr
Jeff Blazek, CFA, Co-CIO, Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman / © e-fundresearch.com / Neuberger Berman
Jeff Blazek, CFA, Co-CIO, Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman / © e-fundresearch.com / Neuberger Berman

Nach den hohen Gewinnen im letzten Jahr scheint es Anfang 2026 genauso weiterzugehen. Die Unternehmensgewinne steigen kräftig, die Weltkonjunktur macht Fortschritte, die meisten Notenbanken senken die Zinsen, und selbst Schocks wie der US-Angriff auf das Ölförderland Venezuela ließen die Märkte weitgehend kalt. In Jahren mit einem knapperen Ölangebot hätte er vielleicht eine starke Aktienmarktkorrektur ausgelöst. Heute ist so ein Ereignis aber kaum mehr als eine Fußnote, denn die weltweiten Förderreservekapazitäten sind groß und die Energiemärkte befinden sich weitgehend im Gleichgewicht.

Unsere Botschaft ist daher klar: Volle Kraft voraus, aber mit offenen Augen. Wir glauben noch immer, dass Anleger Risiken eingehen sollten. Das schreiben wir schon seit einiger Zeit. Konjunkturdaten, Gewinnmeldungen und Notenbankentscheidungen haben das bestätigt. „Volle Kraft voraus“ heißt aber nicht „Augen zu und durch“. Man sollte zuversichtlich bleiben, ohne die Risken aus den Augen zu verlieren. Und man sollte Portfoliorisiken nur diszipliniert eingehen.

Etwas mehr Risiko

Für Anleger war 2025 ein Jahr voller Unsicherheitsfaktoren, von denen sie sich ein Bild machen mussten: Zölle und Probleme im Welthandel, Zweifel am KI-Boom und ständige weltpolitische Unruhe. Aber risikobehafteten Wertpapieren schadete das kaum, und die jüngsten Ereignisse waren keine Ausnahme. Die Auswirkungen auf die Märkte hielten sich in Grenzen. Wir halten das nicht für übertriebene Sorglosigkeit.

Die stabilen Aktienmärkte haben nämlich eine fundamentale Basis. US-Aktien haben 2025 vor allem wegen steigender Gewinne und nicht wegen höherer Bewertungen zugelegt. Entscheidend war, dass die Unternehmen mehr verdienten.

Hinzu kamen die Geld- und Fiskalpolitik. Beide stützen die Konjunktur, real wie nominal. Wie wir in unserem Jahresausblick Solving for 2026 geschrieben haben, unterscheiden sich Fiskalpolitik, Industriepolitik sowie KI-Einsatz von Land zu Land. Inflation und Geldpolitik sind daher ebenfalls nicht überall gleich.

Das führte zu unterschiedlichen Entwicklungen, doch scheint das Wachstum generell zuzunehmen. Die Inflation ist weitgehend unter Kontrolle, und in den meisten wichtigen Ländern wird die Geldpolitik allmählich gelockert.

Daher meinen wir schon länger, dass Anleger wieder Risiken eingehen sollten. Unser Asset Allocation Committee (AAC) ist seit dem 2. Quartal 2025 in Aktien übergewichtet. Ab diesem Quartal sind Emerging-Market-Aktien ebenfalls übergewichtet, neben den schon lange bestehenden Übergewichtungen von Emerging-Market-Anleihen und Währungen. Außerdem sind wir in US-Anleihen leicht untergewichtet und für Private Capital und Rohstoffe insgesamt optimistisch. Diese Assetklassen können von Marktverzerrungen profitieren und vor Verlusten schützen.

Was könnte falsch laufen?

Wir sind zwar optimistisch, sehen aber auch Risiken. Wir achten nicht nur auf neue weltpolitische Krisen und mögliche Schwierigkeiten durch die divergierende Geld- und Fiskalpolitik großer Länder, sondern auch genau auf die Basis des derzeitigen Optimismus. Hier ist unserer Ansicht nach vor allem dreierlei wichtig:

  • Konsum: Insgesamt bleibt der Konsum stabil, außer vielleicht bei hoch verschuldeten oder einkommensschwächeren Verbrauchern. Der Arbeitsmarktbericht war letzte Woche uneinheitlich, sprach aber eher für ein leichtes Beschäftigungswachstum mit niedrigerer Arbeitslosigkeit. Bei einem deutlich schwächeren Arbeitsmarkt oder fallenden Reallöhnen mit der Folge eines wesentlich niedrigeren Konsums könnten Zweifel am optimistischen Gewinnausblick aufkommen. Er ist aber die Grundlage der derzeitigen Aktienbewertungen.
  • Kreditbedingungen: Der Kreditmarkt macht keine Probleme, und Unternehmen haben weiter Zugang zu Kapital. Eine plötzliche Spreadausweitung durch mehr Zahlungsausfälle, sektorspezifische Probleme oder strengere Kreditstandards der Banken könnte aber ansonsten beherrschbare Schocks verstärken und Volatilität zu einem Dauerzustand machen. Zurzeit erwarten unsere Anleihenexperten für die nächsten zwei Jahre nur wenige Ausfälle. Sie achten aber genau darauf, ob sich die Unternehmen höher verschulden und mehr Fremdkapital aufnehmen, als es Renditen und Spreads zurzeit abbilden.
  • KI-Ausgaben: Viele KI-Marktführer und Infrastrukturanbieter sind etabliert und rentabel. Wer aber mehr externes Kapital benötigt, könnte bei Finanzierungsengpässen Probleme bekommen. Dann könnten wiederum Zweifel am Wachstums- und Innovationspotenzial aufkommen. Wenn sich Anleger in großem Stil aus Wachstumstiteln mit langer Duration zurückziehen, setzt sich KI nicht so schnell durch. Hinzu kommt das wachsende Risiko, dass der große Fremdkapitalbedarf für KI-Investitionen das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage am Kreditmarkt stört. Kredite könnten dann knapp werden.

Jede dieser drei Entwicklungen kann bewirken, dass die Märkte Schocks nicht mehr so leicht verarbeiten können. Noch schwieriger würde es, wenn die Inflation wieder stiege oder China einen überraschend starken Abschwung erlebte.

Volle Kraft voraus, aber mit Bedacht

Bei einem solchen Umfeld sollte man vorsichtig sein. In der Spannung zwischen Risiken und Stabilität sehen wir aber auch eine Chance. Einstweilen nimmt das Wachstum zu, Unternehmensgewinne und Unternehmensfinanzen sind weiter stabil, Geld- und Fiskalpolitik sind durchweg expansiv. Zwischenfälle wie in Venezuela haben eher gezeigt, dass die Wirtschaft mit Schocks zurechtkommen kann. Systemische Krisen lösten sie bislang nicht aus. All das spricht unserer Ansicht nach weiter für Zuversicht. „Volle Kraft voraus“ ja, aber mit Selektivität und Vorsicht.

Von Jeff Blazek, CFA, Co-CIO, Multi-Asset Strategies bei Neuberger Berman

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.