Erwartungen an die kommende EZB-Sitzung:
„Wir erwarten, dass die EZB ihre Leitzinsen auf ihrer Sitzung am Donnerstag unverändert lässt. Seit ihrer letzten Zinssenkung im Juni haben sich die wirtschaftliche Entwicklung und die Inflationslage nicht ausreichend verändert, um eine Anpassung der Geldpolitik zu rechtfertigen. Diverse EZB-Verantwortliche erklärten vergangene Woche, der Rat müsse genau beobachten, wie sich die Spannungen im Nahen Osten auf die Energiepreise auswirken. Notenbankpräsidentin Christine Lagarde betonte, die Währungshüter würden dafür sorgen, dass der Krieg im Iran der Eurozone nicht dieselbe Inflationsbelastung verursacht wie einst die russische Invasion in der Ukraine.
Daher rechnen wir damit, dass die EZB ihre Rhetorik von der ‚guten Positionierung‘ aufgeben und einen klaren Zeitplan festlegen wird: Sollten die Ölpreise über einen längeren Zeitraum – etwa mehr als zwei Monate – auf einem sehr hohen Niveau von möglicherweise über 100 US-Dollar je Barrel verharren, dürfte sie zu einer restriktiveren Geldpolitik übergehen. Tatsächlich würden einige Wochen mit Energiepreisen auf dem aktuell erhöhten Niveau die Gesamtinflation lediglich auf rund 3 Prozent und die Kerninflation auf etwa 2,5 Prozent treiben – Werte, die eine Zinserhöhung noch nicht rechtfertigen.“
Prognosen für die weitere Renditeentwicklung:
„Wir gehen nicht von einem Wirtschafts- und Marktszenario wie im Jahr 2022 aus: Die Eurozone leidet unter keinen Energieengpässen und importiert nur sehr wenig über die Straße von Hormus. Wir sehen keinerlei Anzeichen für Versorgungsunterbrechungen. Der Anstieg der Inflation dürfte daher begrenzt bleiben. Darüber hinaus ist dieser Konflikt für alle Beteiligten mit hohen Kosten verbunden – für den Iran ebenso wie für Israel und die USA. Wir gehen daher davon aus, dass der Anstieg der Anleiherenditen zum Stillstand kommen wird. Ein neues Szenario mit mehr als zwei EZB-Zinserhöhungen wäre erforderlich, damit die deutschen Anleiherenditen über die 3 Prozentmarke steigen.“
Positionierung im Anleihebereich:
„Ende Februar hielten wir eine neutrale Duration, die eine Untergewichtung an den Enden der Zinskurve mit einer Übergewichtung im mittleren Laufzeitenbereich verband – eine sogenannte ‚Bullet‘-Position. In den vergangenen Tagen haben wir beschlossen, die Duration zu erhöhen. Dies erfolgte in erster Linie durch den Ausbau mittlerer Laufzeiten, begleitet von Käufen am kurzen Ende. Umgesetzt wurde dies durch den Kauf von Staatsanleihen, darunter auch italienische Papiere – das Land gehört zu den am stärksten von den gestiegenen Ölpreisen betroffenen europäischen Ländern, da es vergleichsweise viele fossile Brennstoffe verbraucht.“
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