Zwar ist die Schuldenquote in den Schwellenländern in den letzten fünf bis zehn Jahren im Durchschnitt gestiegen. Dieser Anstieg fiel jedoch deutlich geringer aus und die Quote blieb auf einem wesentlich geringeren Niveau. Die Leistungsbilanzen der aufstrebenden Volkswirtschaften sind nach wie vor weitgehend solide und die Wachstumsraten liegen weiterhin um 1,5 bis 2 Prozent über denen der Industrieländer. Das ermöglicht es ihnen, aus eventuellen Schuldenproblemen herauszuwachsen. Die Inflation war aufgrund früherer Energiepreisspitzen eine Herausforderung. Die Zentralbanken in den Schwellenländern haben aber durch eine Straffung der Geldpolitik entgegengewirkt – und zwar zu einem früheren Zeitpunkt als die US-Notenbank oder die Europäische Zentralbank.
Dadurch ließen sich eine nennenswerte Abwertung der Währungen verhindern und negative Rückkopplungsschleifen in den lokalen Renditekurven vermeiden. Der jüngste Inflationsanstieg infolge der Sperrung der Straße von Hormus hat bei vielen Schwellenländerzentralbanken zu einer etwas restriktiveren Haltung beigetragen. Es gab Zinserhöhungen in Ländern wie Indonesien und Kolumbien sowie in Volkswirtschaften wie Südkorea und der Tschechischen Republik, wo ein solcher Schritt bereits eingepreist war. Der Wachstumskurs ist davon jedoch nicht allzu sehr beeinträchtigt worden.
Hohe Realrenditen sprechen für Lokalwährungsanleihen
Die Realrenditen in den Schwellenländern sind derzeit auf dem höchsten Niveau seit zehn Jahren, wohingegen die Realrenditen in Industrieländern auf einem durchschnittlichen Level verharren. Die Auffassung, dass der US-Dollar weiterhin überbewertet ist, trägt zur Attraktivität der Schwellenländerwährungen bei: Sie haben sich zwar von den zuvor beobachteten Abschlägen erholt, ihren fairen Wert jedoch noch nicht erreicht.
Ein Grund hierfür ist die Unterbewertung des chinesischen Renminbi, wodurch die asiatischen Währungen relativ günstig bleiben. Sollten die Renditen in den USA gleichzeitig weiter steigen, würde der vergleichsweise geringe Renditeabstand zwischen Schwellenländer- und US-Anleihen sicherlich für Aufwärtsdruck auf die Renditen von Lokalwährungsanleihen sorgen.
Zinserhöhungen in den USA würden zudem den US-Dollar stärken – wenn auch nur vorübergehend –, was sich negativ auf die Währungen der Schwellenländer auswirken würde. Dieser Effekt dürfte unserer Ansicht nach jedoch begrenzt sein, da die Argumente für Carry-Geschäfte mit Schwellenländerwährungen angesichts erhöhter Realrenditen weiterhin stark sind. Die Stärke der Rohstoffmärkte sorgt zudem für Rückenwind bei vielen Rohstoffproduzenten, bei denen es sich häufig um Schwellenländer handelt. Der Bedarf wird in den Industrieländern insbesondere aufgrund der Nachfrage aus KI-bezogenen Branchen hoch bleiben.
Landeswährungen gewinnen an Attraktivität
Investments in Landeswährungen reagieren kurzfristig empfindlicher auf geopolitische Risiken und entwickeln sich tendenziell im Gleichlauf mit der Stimmung rund um den Irankonflikt. Ein Grund dafür ist, dass es im Lokalwährungsuniversum mehr Energieimporteure gibt als im Hartwährungsuniversum. Angesichts der aktuell sehr engen Kreditspreads erkennen Anleger jedoch zunehmend den Wert von Landeswährungen gegenüber Hartwährungen und sind bereit, in diesem Bereich zu investieren.
Ein weiterer Aspekt ist das Segment der Frontier Markets, das sich inzwischen auch für Lokalwährungsanleihen öffnet. Dadurch wird das gesamte Lokalwährungsuniversum attraktiver und ähnelt in seiner Zusammensetzung immer stärker dem Hartwährungsuniversum. Der Schwerpunkt dieser Kategorie liegt auf afrikanischen Ländern, sie umfasst aber auch Chancen in Lateinamerika und Asien. Zudem erhöht die Aufnahme großer lokaler Märkte wie Indien in wichtige Referenzindizes die Attraktivität von Lokalwährungsanlagen zusätzlich.
Von Rob Drijkoningen, Global Co-Head Emerging Markets Debt, Neuberger
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