Barbe zu…
… der weiteren geldpolitischen Entwicklung in der Eurozone:
„Wir gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen vorsorglich neu justiert, solange keine Lösung für die Wiederöffnung der Straße von Hormus in Sicht ist. Die Energiepreise haben das Niveau erreicht, das im Negativszenario der Währungshüter vorgesehen ist – was eine Zinserhöhung in dieser Woche rechtfertigt. Nach Ansicht der EZB machen anhaltend erhöhte Energiepreise eine gewisse indirekte Ausbreitung der Inflation unvermeidlich.
Vorerst hat sich die Kerninflation stabilisiert, da die Inflationsrate im Dienstleistungssektor im Jahresvergleich zurückgegangen ist. Das deutet darauf hin, dass die schwache Konjunktur und die hohen Zinsen den Konsum und den Immobilienmarkt belasten. Darüber hinaus zeigt der Lohnindikator für die Eurozone keine Anzeichen für Zweitrundeneffekte. Wir kommen daher zu dem Schluss, dass nach einer Zinserhöhung in dieser Woche eine Pause nötig ist. Denn das Wachstum ist weiterhin gefährdet, wie die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Halbjahr zeigt: Die Erholung war hauptsächlich auf die Exporte zurückzuführen, während die Investitionsausgaben das Wachstum belasteten und der Konsum schwach blieb.“
… der Gefahr einer zu aggressiven EZB:
„Es besteht das Risiko, dass die EZB zu aggressiv auf einen externen Angebotsschock reagiert, den sie nicht kontrollieren kann. Die US-Notenbank Federal Reserve und die Bank of England haben davon Abstand genommen, zumal der Anstieg der Anleiherenditen bereits eine restriktive Wirkung entfaltet: Er bremst die Kreditnachfrage und damit auch die Investitionsausgaben, den Immobilienmarkt und den Konsum.
Die Kerninflation ist weniger stark gestiegen als erwartet. Das unterstreicht das Risiko einer Rückkehr zum Nullwachstum. Es wird interessant sein, die Analyse der EZB zu den ersten Anzeichen steigender Arbeitslosigkeit zu hören – ein Risiko, das durch die Entwicklung der KI noch verstärkt wird.“
… den Perspektiven für die Renditen und die Zinskurve bei Bundesanleihen:
„Steigende Renditen sind ein globales Phänomen, von dem Japan, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich gleichermaßen betroffen sind. Angetrieben wird diese Entwicklung durch ein großes Angebot an Anleihen sowie eine anhaltend höhere Inflation. Im August verstärkte sich der Abwärtsdruck auf den Anleihemarkt der Eurozone unter anderem aufgrund staatlicher Anleiheemissionsprogramme, die über den Sommer hinweg umfangreich blieben. Dieser Kursrückgang beschleunigte sich parallel zu einem erneuten Anstieg der Öl- und Gaspreise. Tatsächlich wurde der im August beobachtete Anstieg der Anleiherenditen in erster Linie von den Inflationserwartungen getrieben. Dies führte zu einem parallelen Anstieg der Renditen und signalisierte, dass die Anleiherenditen aufgrund der anhaltend höheren Inflation in den kommenden Jahren über der 3-Prozent-Marke bleiben dürften.
Angesichts unserer Prognose eines Inflationshöhepunkts bei etwa 3,5 Prozent und der Tatsache, dass der Großteil der Anleiheemissionen in der Eurozone bereits hinter uns liegt, rechnen wir bis zum Jahresende mit einer Erholung des Anleihemarktes. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen dürfte wieder auf 3 Prozent zurückkehren. In diesem Inflationsszenario erwarten wir eine Outperformance am langen Ende der Zinskurve.“
… den Chancen, die der europäische Anleihemarkt für Investoren bietet:
„Zum ersten Mal seit langer Zeit bevorzugen wir wieder Staatsanleihen aus der Eurozone. Dafür sprechen ihr geringes Risiko – gestützt durch die äußerst restriktive Geldpolitik der EZB –, die historisch hohen Renditen sowie das weiterhin hohe Sparvermögen. Da ein großer Teil davon derzeit in kurzfristigen Anlageprodukten investiert ist, besteht Spielraum, die Duration der Portfolios zu verlängern und von den attraktiven Renditen von Staatsanleihen zu profitieren.
Wir sind der Ansicht, dass die aktuellen Renditen von Staatsanleihen – die auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren liegen – eine Anlagechance darstellen. Die restriktive Geldpolitik der EZB bietet im Gegensatz zur Politik vieler anderer Zentralbanken Schutz vor Inflationsrisiken. Insbesondere führt die Form der Zinskurve dazu, dass eine längere Duration gegenüber dem Geldmarkt im Zeitverlauf einen positiven Carry bietet. Das haben wir seit 2010 nicht mehr gesehen.“
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