Angesichts des enttäuschenden Arbeitsmarktberichts vom vergangenen Freitag wartete der Markt mit angehaltenem Atem auf die US-VPI-Daten, um die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed am 17. September einzuschätzen.
Vor der Bekanntgabe lag die Schwelle für den Kern-Verbraucherpreisindex bei 0,25 %: Ein höherer Wert hätte bedeutet, dass die Fed höchstwahrscheinlich Maßnahmen ergreifen müsste, bei einem niedrigeren Wert hätte die Fed geduldig bleiben können. Läge der Wert über 0,25 %, hätte die Jahresvergleichszahl bei 2,502 % gelegen, was für diejenigen, die – wie Vorsitzender Warsh – auf die Stelle links vom Komma achten, auf 3 % aufgerundet worden wäre.
Wie sich herausstellte, lag der Kern-Verbraucherpreisindex für Juli bei 0,22 %, was im Jahresvergleich einer Rate von 2,47 % entspricht – oder, für diejenigen, die nur auf eine signifikante Stelle achten, abgerundet auf 2 %. Der Gesamt-VPI fiel mit 0,07 % noch moderater aus, wies jedoch aufgrund der jüngsten höheren Energiekosten eine deutlich höhere Jahresrate von 3,4 % auf.
Einer der am genauesten unter die Lupe genommenen Bestandteile des Verbraucherpreisindex, die OER (Owner’s Equivalent Rent, äquivalente Eigentümermiete), blieb mit 0,26 % moderat, was einem Wert von 3,22 % im Jahresvergleich entspricht. Der Wohnungsmarkt bleibt einer der größten Lichtblicke im Kampf der Fed gegen die Gesamtinflation. Wir gehen davon aus, dass sich dies in den kommenden Monaten fortsetzen wird, da die Hypothekenzinsen hartnäckig bei rund 6,7 % verharren.
Zu den interessanteren Details des Berichts zählten unter anderem ein Rückgang bei den Kfz-Versicherungen um -0,3 % – nach einem Rückgang von 2,0 % im Juni –, da sich die hohen Versicherungsprämienerhöhungen nach Corona weiter normalisierten, sowie ein Rückgang bei Kopfsalat um 16,4 % aufgrund der mangelnden Nachfrage nach Salat infolge des jüngsten Ausbruchs von Cyclospora bei Eisbergsalat.
Insgesamt sind diese Daten eine positive Nachricht für die Märkte. Sie führten zu einer Erholung der Anleihekurse über die gesamte Zinskurve hinweg und ließen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Fed im September auf unter 40 % sinken. Vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts am vergangenen Freitag lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch bei nahezu 100 %.
Nun warten wir zwei Wochen auf die Konferenz der Federal Reserve Bank von Kansas City in Jackson Hole, um zu sehen, ob Präsident Warsh bereit ist, seine Karten auf den Tisch zu legen. Angesichts seiner Abneigung gegen Forward Guidance rechnen die Anleger nur mit spärlichen Hinweisen. Allerdings können die Marktteilnehmer nun beruhigt in ihren Spätsommerurlaub gehen, da sie darauf vertrauen können, dass Präsident Warsh die Wirtschaft fest im Griff hat.
Von John Kerschner, Global Head of Securitized Products & Portfolio Manager, Janus Henderson Investors
Weitere beliebte Meldungen: