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Generali Investments Ökonom: Neue EZB-Strategie bestärkt zurückhaltende Zinspolitik

Die Angst vor einer langanhaltenden Stagnation und das Bestreben eine Lösung für die aktuelle ungleiche Verteilung zu finden, läuten in der Fiskal- und Geldpolitik eine neue Ära ein. Generali Investments | 03.09.2021 09:06 Uhr
Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Die neue Strategie der EZB stärkt die Orientierung über ihre zukünftige Zinspolitik, erweitert ihr geldpolitisches Instrumentarium und macht die Geldpolitik ökologischer. Vor allem die Finanzierungskonditionen beeinflussen im Niedriginflationsumfeld die Geldpolitik der EZB. „Wir entwickeln einen Indikator der Finanzierungskonditionen und kommen zu dem Ergebnis, dass die Finanzierungskonditionen eine zunehmende Bedeutung für die Geldpolitik haben“, resümiert Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments. Dazu gehören auch die Staatsanleihe-Spreads innerhalb der EWU und die Laufzeitprämie. „Indirekt unterstützt dies die Tragbarkeit der Staatsverschuldung.“

Die EZB ist zu einem symmetrischen Inflationsziel übergegangen und hat ihre Analysen und ihr geldpolitisches Instrumentarium erweitert. Auch wenn die Inflationsaussichten in der Zeit nach Covid-19 unsicherer werden, stellt die Inflation laut der Experten von Generali Investments  immer noch eine weit entfernte Bedrohung dar. Auf Grund der Konjunkturzyklen halten sie negative Zinssätze allerdings noch für einige Zeit  notwendig.

Zu den Inflationserwartungen sagt Martin Wolburg: „Wir rechnen mit einem Wert von 1,5 Prozent bis 2,0 Prozent und erwarten mittelfristig nur einen verhaltenen Aufwärtstrend bei der Gesamtinflationsrate wie auch bei der zugrunde liegenden Inflationsrate. Unserer Meinung nach hat die EZB Spielraum, um mit der ersten Leitzinserhöhung bis nach 2024 zu warten und so zur Fortdauer eines Umfelds mit niedrigen Renditen beizutragen.“

Gleichzeitig sieht der Experte mehr Raum für Innovationen in der stärkeren ökologischen Ausrichtung der Geldpolitik: „Der Schwerpunkt wird dabei auf dem Anleihemarkt liegen. Der Klimawandel wird in Konjunkturprognosen und Stresstests einfließen. Die EZB will ihre Marktneutralität in Bezug auf ihr Ankaufprogramm  im Unternehmenssektors („CSPP“) bis 2022 aufgeben und Klimarisiken in ihr Rahmenwerk für Sicherheiten aufnehmen. Wir sehen zum Beispiel gute Chancen für nachhaltige langfristige Refinanzierungsgeschäfte, kurz TLTROs.“

Zukünftig erwarten die Experten von Generali Investments, dass die EZB angesichts der angespannten öffentlichen Finanzlage und der Spätfolgen der Covid-19-Pandemie zu einer Verschlechterung der Kreditsituation führen werden.

Martin Wolburg fügt hinzu: „Das Hauptrisiko ist ein extern verursachter Inflationsanstieg. Eine höhere und länger anhaltende Inflation in den USA könnte auf die Eurozone übergreifen, oder die Inflationsaussichten könnten durch mehrere angebotsseitige Schocks nachhaltig verändert werden. Zudem könnte einer Preisblase bei Wohnimmobilien irgendwann nicht mehr nur durch makroprudenzielle Maßnahmen entgegengewirkt werden, sondern sie könnte auch strengere Finanzierungskonditionen erforderlich machen.

In der anhaltenden Unterstützung durch die Geldpolitik sehen wir einen Segen für risikobehaftete Vermögenswerte, die dadurch aber einem größeren Risiko aus dem möglicherweise folgenden Renditeanstieg ausgesetzt sind.“

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