Der Herbst ist geprägt von politischen Unwägbarkeiten: Frankreichs neuer Premierminister Lecornu kämpft ums politische Überleben, und die Spannungen zwischen den USA und China verschärfen sich. Vergangene Woche wurde in letzter Minute ein Aufschub vereinbart. Durch den Shutdown der US-Regierung werden politischen Entscheidungsträgern und Investoren weiterhin wichtige US-Daten vorenthalten. Dennoch überwinden die Märkte diese Sorgen.
Das Risiko teilweiser Rückschläge ist gestiegen. Die Gewinne der globalen Aktienmärkte von rund 35% seit ihren Tiefstständen im April konzentrieren sich stark auf ein zunehmend zirkuläres KI-Ökosystem. Im Bereich von Private Credit zeigten sich vereinzelte Anzeichen von Stress.
Dennoch scheinen die wirtschaftlichen Fundamentaldaten eine höhere Risikobereitschaft der Anleger zu begünstigen. Die USA steuern zwar auf eine Konjunkturabkühlung zu, nicht aber auf eine Rezession. Die Einkaufsmanagerindizes sowie die Daten von Ifo, ESI und ZEW für den Euroraum deuten auf eine Verbesserung der Dynamik hin. China scheint auf dem besten Weg zu sein, den Rückgang der Exporte in die USA um 27% gegenüber dem Vorjahresmonat September zu überstehen. Die inflationären Auswirkungen der US-Zölle bleiben geringer als befürchtet. Eine solide Gewinnsaison stützt weiterhin die gestiegenen Bewertungen, während die Risikopositionierung am Markt moderat bleibt.
Wie wir in unseren Market Perspectives für November darlegen, spricht dieses Umfeld derzeit weiterhin für eine moderate Übergewichtung von Aktien. Wir behalten eine kurze Duration bei Euro-Anleihen bei, wobei die Risiken für die Renditen von Bundesanleihen nach oben tendieren. Angesichts der robusten Risikoprämien bevorzugen wir weiterhin Euro-Investment-Grade-Anleihen, da die Fundamentaldaten gut und die Nachfrage solide sind. Wir rechnen in Kürze mit einer erneuten Schwäche des US-Dollars.
Von Dr. Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments
Weitere beliebte Meldungen: