Notenbankausblick: Welche Signale senden Fed und EZB?

Fed und EZB stehen vor geldpolitischen Entscheidungen in einem unsicheren Umfeld. Während die US-Notenbank ihre Zinsen vorerst unverändert lassen dürfte, richtet sich der Blick auf mögliche Hinweise zur weiteren Zinspolitik. Auch die EZB agiert vorsichtig: Inflationsrisiken bleiben im Fokus, zugleich sprechen schwächere Konjunkturdaten gegen übereilte Zinserhöhungen. Entscheidend wird, wie beide Notenbanken geopolitische Risiken, Preisentwicklung und Wachstumsaussichten in den kommenden Monaten gewichten. Generali Investments | 28.04.2026 09:42 Uhr
Martin Wolburg und Paolo Zanghieri, Senior Economists bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Martin Wolburg und Paolo Zanghieri, Senior Economists bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Fed-Sitzung: Märkte warten auf Signale zur weiteren Zinspolitik

Da von der US-Notenbank (Fed) erwartet wird, die Zinsen auf ihrer Sitzung am Mittwoch unverändert zu belassen, richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf mögliche Hinweise zur künftigen Geldpolitik, entweder im Statement der Notenbank oder in der möglicherweise letzten Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell nach der Sitzung. Im Fokus steht dabei, wie die Fed ihre Risikoeinschätzung seit dem Treffen Mitte März angepasst hat. Damals hatte das FOMC auf gestiegene Inflationsrisiken und zunehmende Wachstumsgefahren hingewiesen vor allem als Reaktion auf den Konflikt zwischen den USA bzw. Israel und dem Iran.

Die jüngste Entspannung der Lage hat die Wahrscheinlichkeit von Negativszenarien gesenkt, die aggressivere Zinssenkungen zur Stützung der Wirtschaft erforderlich gemacht hätten. Unser Basisszenario sieht nach wie vor eine Zinssenkung in diesem Jahr vor, voraussichtlich im Dezember. 

Der Schritt des Justizministeriums, das Verfahren gegen Powell fallenzulassen, dürfte die Bestätigung von Kevin Warsh durch den Senat beschleunigen und ihm den Weg ebnen, bereits ab Juni den Vorsitz des FOMC-Treffens zu übernehmen.

Keine Eile, aber auch keine Nachlässigkeit: EZB beobachtet Inflationsrisiken

Präsidentin Lagarde signalisierte im März, dass selbst eine kurze Inflationsüberschreitung eine vorsichtige Leitzinserhöhung rechtfertigen könnte, im Sinne von Glaubwürdigkeit und Erwartungssteuerung. Seitdem haben sich die Äußerungen aus dem EZB-Rat ausgewogener angehört: kein Aktionismus, weiterhin in Abhängigkeit von der Datenlage entscheiden und Zweitrundeneffekte im Blick behalten. Die Preissetzungsindikatoren haben sich gefestigt, jedoch nicht in einem Ausmaß, das auf eine Verbreiterung des zugrunde liegenden Inflationsdrucks hindeutet, und das Lohnwachstum dürfte verhalten bleiben. Die schwächeren Einkaufsmanagerindizes vom April deuten unterdessen auf eine gedämpfte Konjunktur hin, was gegen höhere Zinsen spricht. Wir sehen nur begrenzten fundamentalen Bedarf für eine Zinsanhebung, wenngleich die EZB anhand ihrer post-pandemischen Erfahrung zu einer entschlosseneren Haltung neigen könnte. Am Donnerstag dürfte der Iran-Krieg das bestimmende Risikothema sein, während eine kleine „Versicherungserhöhung" im Juni voraussichtlich weiterhin zur Debatte stehen wird, mit dem Ziel, die Zinsen an das obere Ende des neutralen Bereichs heranzuführen.

Von Martin Wolburg und Paolo Zanghieri, Senior Economists bei Generali Investments

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