Die Fed tritt bald in ihre Blackout-Phase vor dem Treffen am 09. und 10. Dezember ein, die Unklarheit über ihre nächsten Schritte bleibt daher hoch. Die Oktober-Protokolle zeigen eine klare Spaltung: Ein Teil der Mitglieder betont den schwächeren Arbeitsmarkt, ein anderer Teil die hartnäckige Inflation. Das Fehlen der Arbeitsmarkt- und Preisdaten für Oktober verschärft diesen Konflikt. Jüngste Äußerungen des NY-Fed-Präsidenten Williams, die auf „Spielraum für weitere Anpassungen” der Zinsen hindeuten, haben die Markterwartungen für eine Zinssenkung im Dezember von 30% auf 60% steigen lassen.
Wir sehen die Chancen für eine Senkung im Dezember bei 50/50. Die Fed könnte angesichts begrenzter neuer Daten bis Januar warten und zugleich eine Lockerungspolitik signalisieren.
Zudem wirkt der Markt für das kommende Jahr zu optimistisch. Die Erwartungen für vier Zinssenkungen beruhen auf der Hoffnung auf eine schnelle Disinflation. Wir rechnen bis zum nächsten Sommer mit einer Lockerung von nur 50 Basispunkten. Q4 dürfte an Tempo verlieren, doch Steuersenkungen dürften die Nachfrage Anfang 2026 stützen und einen schnellen Rückgang der Dienstleistungsinflation verhindern.
Im Ergebnis bleibt unser Ausblick konstruktiv, aber aufgrund der sich abzeichnenden Schwächen am Arbeitsmarkt bestehen weiterhin Abwärtsrisiken. Sollte sich die Beschäftigungslage deutlich verschlechtern, lässt die derzeitige leicht restriktive Haltung der Fed reichlich Spielraum für Konjunkturmaßnahmen.
Von Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments
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