Seit der Senkung des Leitzinses auf 2,0% im Juni sieht sich die EZB in einer „guten Position“ – doch die Märkte spekulieren weiterhin darüber, ob eine unter dem Ziel liegende Inflation im Jahr 2026 eine weitere Senkung auslösen könnte. Bei der Sitzung am 18. Dezember sieht sich der EZB-Rat jedoch einer überraschend widerstandsfähigen Wirtschaft gegenüber sowie einer Inflation, die höher ist als erwartet. Die jüngsten Indikatoren deuten auf eine anhaltende Erholung hin und Präsidentin Lagarde deutete an, dass die Wachstumsprognosen von 1,2%/1,0%/1,3% für 2025/26/27 möglicherweise angehoben werden. Zusammen mit den Äußerungen von EZB-Mitglied Schnabel, dass die nächste geldpolitische Maßnahme eine Anhebung sein könnte, haben die Märkte nun begonnen, höhere Leitzinsen für 2026 einzupreisen.
Allerdings werden stark disinflationäre Energiepreise im ersten Quartal 2026 und ein nachlassendes Lohnwachstum während des gesamten Jahres die jährliche Inflation unter dem Zielwert halten. Auch die Aufwertung des Euro und die Umleitung chinesischer Exporte nach Europa werden disinflationär wirken. In ihren Kommentaren haben die Mitglieder des EZB-Rats wiederholt erklärt, dass sie die Inflationsvolatilität ignorieren werden. Und die bis 2028 verlängerten Makroprognosen werden unserer Ansicht nach wahrscheinlich keine anhaltende Unterschreitung der Inflationsziele zeigen.
Wir gehen daher davon aus, dass die EZB den Leitzins weiterhin als „guten Platz” in der Mitte des neutralen geldpolitischen Spektrums ansieht. Wir stimmen dem zu und erwarten, dass die EZB jetzt erst einmal in den Winterschlaf geht.
Von Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments
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