Staatsanleihen bieten erneut keine ausreichende Diversifikation

Die positive Korrelation von Aktien und Staatsanleihen stellt die klassische Diversifikation zunehmend infrage. Warum geopolitische Risiken, Inflationssorgen und steigende Realrenditen das Marktumfeld prägen und weshalb Unternehmensanleihen derzeit robuster wirken. Generali Investments | 23.03.2026 16:41 Uhr
Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Die rollierende 30-Monats-Korrelation zwischen den monatlichen Gesamtrenditeindizes des S&P und der US-Staatsanleihen ist seit mehr als drei Jahren positiv – meist über +0,5. Von einer Aktien-Anleihen-Diversifikation kann also kaum die Rede sein. Die Korrelation tendiert ins Negative, wenn ein zyklisches und/oder risikoorientiertes Umfeld vorherrscht, dreht jedoch häufig ins Positive, wenn die Geldpolitik in den Vordergrund rückt. Derzeit belastet die Angst vor einem durch den Iran ausgelösten stagflationären Schock sowohl Aktien als auch Anleihen. Innerhalb von nur drei Wochen haben sich die Markterwartungen von der Erwartung einer EZB-Zinssenkungen von mehr als zehn Basispunkten im Jahr 2026 auf nun +77 Basispunkte verschoben, wie in der Grafik zu sehen ist. Ebenso hat sich die implizite Fed-Preisgestaltung für 2026 von -60 Basispunkten auf +10 Basispunkte gedreht. Besorgniserregend ist dabei, dass die realen 10-Jahres-Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen (TIPS) schneller gestiegen sind als die Inflationserwartungen. Dies bestärkt uns in unserer seit Langem vertretenen Überzeugung, dass der Anstieg der Staatsverschuldung den Status von Staatsanleihen als sicherer Hafen beschädigt hat. Dies könnte teilweise erklären, warum sich Unternehmensanleihen derzeit als relativ widerstandsfähig erweisen.

In den kommenden Wochen werden viele Vermögenswerte entsprechend der Kriegsentwicklung gehandelt werden. Beispielsweise könnte man in einem Deeskalationsszenario USD-Gewinne und Verluste bei zyklischen Anlagen abbauen. Dennoch sehen wir keinen Anlass, unsere defensive Durationsposition rasch aufzugeben, es sei denn, die Straße von Hormus öffnet sich wieder vollständig. Der Krieg hat einen Angebotsschock ausgelöst, der den Inflationsausblick gefährdet und das nicht nur über Energiepreise. Man denke auch an Düngemittel, Agrarrohstoffe und Lebensmittelpreise. Außerdem gilt: Auch wenn KI langfristig deflationär wirken wird (Produktivitätsgewinne), ist der aktuelle „RAMageddon“ vorerst inflationär.

Von Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments

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