Die Kreditmärkte haben den ölpreisgetriebenen Schock mit begrenzten Verwerfungen absorbiert. Die Spreads im Investment-Grade-Bereich sind auf den niedrigen bis mittleren 80-Basispunkte-Bereich zurückgegangen und die High-Yield-Spreads auf unter 300 Basispunkte. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Märkte keine anhaltenden makroökonomischen oder inflationären Folgewirkungen einpreisen.
Anders als noch im April vergangenen Jahres gab es keinen nennenswerten Veräußerungsdruck und kaum Anreize für Investoren, ihr Risiko zu reduzieren. Die weiterhin hohen Gesamtrenditen stützen die Nachfrage und stärken das Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der Unternehmensbilanzen. Auf dem aktuellen Niveau signalisieren die Spreads, dass die Wachstumsrisiken beherrschbar sind und der Carry ein wirksamer Puffer gegen Volatilität bleibt. Unser Basisszenario sieht eine Rückkehr zu einem von renditeorientierten Käufern geprägten Regime sowie eine moderate weitere Spreadeinengung vor, ohne die Notwendigkeit einer breiten defensiven Positionierung.
Die Sektorallokation sehen wir daher eher selektiv als defensiv. Im Finanzsektor bleiben wir vorsichtig: Banken halten wir neutral und Versicherungen untergewichtet, was die anhaltende Underperformance gegenüber Nicht-Finanzwerten sowie die Anfälligkeit für vertrauensgetriebenen Stress aus Engagements in Privatmarktanlagen widerspiegelt. Wir bauen weiter Positionen in defensiven Telekommunikations- und Versorgungsunternehmen auf, um das Portfoliorisiko zu stabilisieren und bekräftigen unsere Präferenz für iTraxx Subordinated Financials als bevorzugtes Absicherungs- und Relative-Value-Instrument im aktuellen Umfeld.
Von Elisa Belgacem, Senior Credit Strategist bei Generali Investments
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