Bond-Vigilanten drohen, die Party zu beenden

Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments, analysiert, wie Iran-Krieg und KI-Boom die Inflationsrisiken prägen. Warum steigende Ölpreise, höhere US-Renditen und robuste Kreditmärkte Anleger vor neue Herausforderungen stellen. Generali Investments | 18.05.2026 14:19 Uhr
Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Gegenwind aufgrund des Iran-Krieges trifft auf Rückenwind dank des KI-Booms: Wir haben bereits neulich argumentiert, dass das kein gutes Umfeld für Anleihen ist. Den KI-Boom betrachten wir als positiven Angebotsschock, der langfristig zur Eindämmung der Inflation beitragen könnte. Vorerst erzeugt er jedoch einen befeuernden Nachfrageschock, nicht zuletzt über die Preise für Speicherchips. Dies wiederum verstärkt die Effekte des Iran-Krieges – nämlich eines negativen Angebotsschocks, der die Energie-, Lebensmittel- und Industriegüterinflation antreibt.

Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen haben die Marke von 5,0% überschritten und nähern sich den Höchstständen von 2023 und 2025. Kurzfristig dürften die Renditen im Gleichklang mit den Ölpreisen schwanken; jedes Signal einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus würde stabilisierend wirken und den Abwärtstrend stoppen.

Die jüngste Verkaufswelle ist jedoch nicht allein auf den Ölpreis zurückzuführen, vielmehr sind die Gründe für die Inflation vielschichtig. Zwar mögen die realen 10-Jahres-Renditen der USA, die knapp über 2% liegen, zunehmend attraktiv wirken, doch sie befinden sich nach wie vor in der Mitte der 3-Jahres-Spanne (1,50% bis 2,50%). Die langfristigen Inflationserwartungen (Break-evens) sowie die Forward-Swaps haben zuletzt zugelegt, spiegeln die Inflationsrisiken jedoch möglicherweise ebenso wenig vollständig wider wie die wachsenden Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Zentralbanken (die Rede von EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel ist in diesem Zusammenhang äußerst lesenswert).

Auf dem aktuellen Niveau sind wir versucht, unsere defensive Duration-Position (insbesondere in EUR) zu neutralisieren, tendieren jedoch vorerst weiterhin zu steigenden US-Renditen. Taktisch haben wir Aktien auf Neutral zurückgestuft. Wir gehen weiterhin von einer gewissen Widerstandsfähigkeit im Kreditbereich aus (Übergewichtung), da steigende Investitionen die Weltwirtschaft am Laufen halten und die hohen „Yield to Worst“-Renditen die Nachfrage stützen.

Von Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments

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