Die Risikomärkte zeigen sich nach wie vor widerstandsfähig. Aktien befinden sich nahe ihres Allzeithochs und Credit Spreads bleiben eng, obwohl die Makrorisiken zunehmen und die Märkte akzeptieren, dass die Straße von Hormus bis Ende Juni nicht wieder geöffnet wird (Wahrscheinlichkeit einer Wiederöffnung bei ca. 20 %, gegenüber noch 80 % im April). Besonders auffällig ist die Entwicklung beim Öl. Brent (Dez. 26) hat sich seit Mitte März weitgehend seitwärts bewegt, trotz der deutlich gesunkenen Erwartungen an eine Wiedereröffnung. Die Märkte haben weiteres Aufwärtspotenzial beim Öl nicht eingepreist, obwohl die Risiken einer anhaltenden Störung gestiegen sind.
Von den Zinsen kommen vorsichtigere Signale. Die Renditen bleiben erhöht und folgen dem Ölpreis, was auf anhaltende Inflationsrisiken und geopolitische Spannungen hindeutet. Seit April hat sich eine deutliche Entkopplung herausgebildet: Anleihen spiegeln Inflations- und Fiskalrisiken wider, während Aktien und Credit auf einen günstigen Ausgang setzen.
In unserem Basisszenario würde eine vergleichsweise rasche Wiedereröffnung diese Einschätzung bestätigen. Geringere Energierisiken würden den Inflationsdruck dämpfen und eine weitere geldpolitische Straffung begrenzen, sodass Risikoanlagen stabil bleiben könnten.
Das Risikoszenario ist deutlich störungsanfälliger: Eine bis in den Sommer andauernde Schließung würde die Inflation neu entfachen, die Renditen weiter nach oben treiben und die Finanzierungsbedingungen verschärfen. Die aktuelle Konstellation (geschlossene Meerenge, gedämpfte Ölpreise, starke Risikomärkte) wäre dann nicht mehr haltbar. Sollten sich die Risiken materialisieren, würden Aktien und Credit wieder mit den Zinsen korrelieren, voraussichtlich über schwächere Risikoanlagen und nicht über sinkende Renditen.
Von Dr. Florian Späte, Senior Bond Strategist bei Generali Investments
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