Starmer tritt zurück: Kaum Überraschung, aber größere finanzpolitische Fragen stehen bevor

Der Rücktritt von Keir Starmer markiert den Beginn eines kontrollierten Machtwechsels bei Labour. Andy Burnham gilt als Favorit für das Amt des Premierministers. Für britische Märkte dürfte nun entscheidend sein, wie viel fiskalpolitischer Spielraum seine Agenda tatsächlich lässt. Generali Investments | 23.06.2026 08:04 Uhr
Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments
Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments / © e-fundresearch.com / Generali Investments

Premierminister Keir Starmer gab seinen Rücktritt bekannt, nachdem er das Vertrauen der Labour-Abgeordneten verloren hat. Gemäß seinem vorgelegten Zeitplan beginnt die Nominierungsphase am 9. Juli und endet Mitte Juli. Spätestens bei der Wiederaufnahme der Parlamentssitzungen am 1. September soll ein neuer Parteivorsitzender im Amt sein. Dies gleicht daher eher dem Beginn eines kontrollierten Führungswechsels bei Labour als einem regelrechten politischen Schock. Sollte Andy Burnham keine ernstzunehmende Konkurrenz haben, könnte er bereits Mitte Juli das Amt des Premierministers übernehmen.

Burnham setzt in politischer Hinsicht auf ein stärker interventionistisches und regional ausgerichtetes Regierungsmodell. Dabei stehen Dezentralisierung, Entlastung bei den Lebenshaltungskosten, industrielle Erneuerung sowie eine stärkere öffentliche Kontrolle in Bereichen wie Wohnungswesen, Verkehr und Versorgungsunternehmen im Vordergrund. Dennoch bleibt der fiskalische Spielraum eng begrenzt. Sein Versprechen, Labours Fiskalregeln einzuhalten, deutet darauf hin, dass für die Märkte die Umsetzung und nicht die Ideologie die entscheidende Frage sein dürfte.

Die ersten Reaktionen an den Märkten fielen verhalten aus. Die Renditen britischer Staatsanleihen blieben weitgehend unverändert und auch britische Aktien reagierten nur verhalten. Der stärker auf den Binnenmarkt ausgerichtete FTSE 250 blieb hinter dem weitgehend stabilen FTSE 100 zurück. Das Pfund Sterling verzeichnete sogar leichte Kursgewinne, nachdem Wes Streeting Burnhams Kandidatur unterstützt hatte – aus Erleichterung darüber, dass ein langwieriger Führungsstreit vermieden werden kann und eine kurze Übergangsphase bis Mitte Juli wahrscheinlicher wird. Dies könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass der eher linksgerichtete Burnham Kompromisse mit dem Lager der Mitte eingeht. Eine größere Bewährungsprobe für die Märkte könnte noch bevorstehen, sobald Burnhams Kabinettsauswahl und die finanzpolitischen Pläne für den Herbst klarer werden.

Von Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments

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