Die europäischen Kreditmärkte zeigen weiterhin eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und verkraften die jüngsten geopolitischen Spannungen sowie Ölpreisschwankungen mit minimalen Auswirkungen. Die Spreads im Investment-Grade-Segment bleiben mit rund 75 Basispunkten stabil, während sich die Spreads im High-Yield-Segment mit etwa 270 Basispunkten auf einem ähnlichen Niveau halten – ein Zeichen für begrenzte makroökonomische Ausstrahlungseffekte und eine nach wie vor robuste Risikobereitschaft der Anleger.
Das Umfeld bleibt günstig für eine konstruktive Allokation in Unternehmensanleihen. Bei All-in-Renditen im europäischen Investment-Grade-Segment von rund 3,4% dominiert der Carry in einem Umfeld mit niedrigem Beta weiterhin die Renditedynamik im Vergleich zu Staatsanleihen. Der relativ geringe Beitrag der Spreads – mittlerweile weniger als ein Fünftel der Gesamtrendite – verstärkt das „Rates-Plus“-Profil von vorrangigen Investment-Grade-Anleihen und bietet gleichzeitig ein sinnvolles Polster gegen eine moderate Ausweitung der Spreads oder Zinsvolatilität.
Vor diesem Hintergrund wird das Anlegerverhalten zunehmend selektiver. Da vorrangige Investment-Grade-Anleihen eher wie Duration gehandelt werden, fließt Kapital in Marktsegmente mit höherem Carry. Finanzwerte, nachrangige Schuldtitel und High-Yield-Anleihen zeichnen sich durch ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Verhältnis aus, gestützt durch eine stärkere Ertragsgenerierung und eine höhere Spread-Komponente.
Gleichzeitig bieten die technischen Faktoren weiterhin einen starken Anker. Während der Spielraum für eine weitere Spread-Verengung begrenzt erscheint und diese nur schrittweise erfolgen dürfte, begünstigt das allgemeine Umfeld weiterhin eine durch Carry getriebene Wertentwicklung. Das untermauert unsere Präferenz für Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen.
Von Elisa Belgacem, Senior Credit Strategist bei Generali Investments
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