Auf ihrer Oktobersitzung hat die Fed ihre Leitzinsen wie erwartet zum zweiten Mal in Folge um 25 Basispunkte auf 4,0% gesenkt (Obergrenze für die Federal Funds). Erwartungsgemäß hat nur der Trump-Vertraute Miran für einen großen Zinsschritt votiert. Überraschend stimmte gleichzeitig ein FOMC-Mitglied für unveränderte Zinsen. Auf ihrer Sitzung diagnostizierte die Notenbank zwar weiterhin eine geringe Dynamik der Beschäftigungsentwicklung, laut Fed-Chair Powell sei aber umstritten, inwiefern diese Verlangsamung auf eine schwächere Konjunktur oder auf die restriktive Migrations- und Zollpolitik der Trump-Administration zurückgeht. Und mit Blick auf die Inflation seien die Preissteigerungen durch die Importzölle klar erkennbar. Deshalb sei eine schrittweise Senkung der Zinsen in Richtung des neutralen Niveaus - welches die Fed im Bereich von 3% verortet - angebracht. Laut Powell hält das FOMC eine weitere Zinssenkung bereits im Dezember aber – überraschend deutlich – für „alles andere als eine ausgemachte Sache“. Im Vergleich zur Septembersitzung äußerte sich Chair Powell damit weniger überzeugt, dass rasche Zinsschritte angebracht sind.
Aussichten für Anleger
Die Fed schenkt den konjunkturellen Abwärtsrisiken auch im Oktober mehr Beachtung als den Aufwärtsrisiken für die Preisentwicklung. Das ist vertretbar. Denn der Leitzins liegt nach wie vor in leicht restriktivem Terrain, die Geldpolitik steht mit Blick auf Konjunktur und Inflation also nach wie vor auf der Bremse. Für die kommenden Monate sind weitere moderate Zinssenkungen angebracht, das Etappenziel sollte im Bereich von 3,5% liegen. Stärkere Senkungen sind aber nur dann angebracht, wenn die Wirtschaft in eine Rezession fällt. Danach sieht es bisher nicht aus. Vielmehr deuten aktuelle Daten an, dass die geringere Beschäftigungsdynamik und der bisher nur moderate Anstieg der Inflation auch darauf zurückzuführen ist, dass Unternehmen die höheren Importkosten durch eine Senkung der Personalkosten kompensieren. Die Abschwächung am Arbeitsmarkt wäre dann kein konjunkturelles Problem, auf das die Geldpolitik reagieren sollte. Insofern und angesichts der weiterhin sehr erratischen Politik der Trump-Administration ist die vorsichtigere Kommunikation von Powell zu begrüßen.
Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz
Weitere beliebte Meldungen: