FED-Sitzung: Entschlossen vorsichtig

Auf ihrer Dezembersitzung hat die FED die Obergrenze für den Leitzins – wie erwartet – erneut um 25 Basispunkte auf 3,75% gesenkt. Die Notenbank reagiert damit zum dritten Mal in Folge auf den schwächeren Beschäftigungsaufbau und die gestiegenen konjunkturellen Risiken. Die Entscheidung fiel mit drei Gegenstimmen. Damit hat sich die Anzahl abweichender Meinungen zur letzten Sitzung um eine weitere Stimme erhöht. Gleichzeitig haben die FED-Mitglieder ihre Zinserwartungen (Dot-Plot) für 2026 und auch die Folgejahre nicht verändert. Chair Powell äußerte sich wie bei der letzten Zinsentscheidung vorsichtig zum Ausblick und verwies auf die kommenden Daten als entscheidend dafür, ob und wie weit die Zinsen im ersten Halbjahr noch gesenkt werden sollten. Das ist richtig. Und auch in den kommenden Monaten sollten die Ratsmitglieder sparsam mit Zinssignalen umgehen, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. Eyb & Wallwitz | 11.12.2025 09:11 Uhr
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © PrivateMarkets360 / Eyb & Wallwitz
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Auf ihrer Dezembersitzung hat die FED ihre Leitzinsen wie erwartet zum dritten Mal in Folge um 25 Basispunkte auf 3,75% gesenkt (Obergrenze für die Federal Funds). Von den 12 Stimmen votieren 9 für den Schritt. Ein Mitglied stimmte für eine größere Zinssenkung, zwei Mitglieder stimmten für eine Zinspause. Damit hat sich die Anzahl abweichender Meinungen zur letzten Sitzung um eine Stimme erhöht. Gleichzeitig haben die FED-Mitglieder ihre Zinserwartungen für 2026 und auch die Folgejahre nicht verändert (Dot-Plot). Für das kommende Jahr sehen die Projektionen weiterhin nur einen weiteren Zinsschritt. Auch das neutrale Niveau sieht das FOMC unverändert bei 3%. Die Wachstumsprognose für 2026 wurde dagegen von 1,8 auf 2,3% angehoben. Die Inflationsprognose wurde um 0,2 auf 2,4% gesenkt. Laut Chair Powell reagiert die FED mit ihrer Zinssenkung in Richtung des neutralen Niveaus auf den schwächeren Beschäftigungsaufbau, die gestiegene Arbeitslosenquote und die erhöhten konjunkturellen Risiken. Mit Blick auf den Konsum gab sich Powell aber weniger skeptisch als zuletzt und diagnostizierte keine deutliche Schwäche. Die erhöhte Inflation sei vor allem Folge der Zollpolitik der Trump-Regierung. Hier dürfte laut Powell der maximale Effekt im ersten Quartal erreicht sein. Bis auf Weiteres sollten die Leitzinsen deshalb etwas über dem eigentlichen Zielkorridor gehalten werden.

Aussichten für Anleger

Die FED hat ihren Leitzins erneut gesenkt. Trotz einer Inflation von 3%, einem enormen Defizit im Handel und im Staatshaushalt, Aktienkursen nahe der Allzeithochs und gewaltigen Investitionsvolumina der großen Tech-Konzerne. Die Entscheidung war umstritten, ist aber gut begründbar als Versicherung gegen die gestiegenen Risiken am Arbeitsmarkt und eine ausgeprägtere Konsumschwäche. Positiv ist zudem, dass sich die FED mit Blick auf die kommenden Monate nicht festgelegt und ihre Zinsprojektionen nicht verändert hat und die Zinserwartungen damit im Rahmen hält. Denn die Schwäche am Arbeitsmarkt seit April ist nur zum Teil nachfragebedingt. Es besteht deshalb 2026 nicht nur das Risiko, dass die FED zu langsam lockert. Sondern auch, dass die Zinsen zu weit und schnell gesenkt werden und die Nachfrage (wie 2021) über das durch die Trumpsche Wirtschaftspolitik ausgebremste Angebot (an Arbeitskräften und Kapazitäten) hinaus stimuliert wird. Das würde die Inflationsrisiken wieder anheizen. Genauso wie ein Vertrauensverlust durch eine Politisierung der FED. US-Staatsanleihen und der Dollar wären die ersten Opfer. Deshalb sollten die Ratsmitglieder auch in den kommenden Monaten sparsam mit Zinssignalen umgehen und dem Druck aus dem Weißen Haus sowie eines möglichen Trump-nahen Nachfolgers von Chair Powell trotzen.

Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz

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