US-Arbeitsmarkt: Robuste Zahlen und eine Sorge

Der US-Arbeitsmarkt hat im Mai 172.000 Stellen aufgebaut und damit erneut positiv überrascht. Gleichzeitig blieben Erwerbsquote und Arbeitslosenquote stabil und sprechen für eine robuste US-Konjunktur. Nach Sektoren hat sich die K-förmige Entwicklung fortgesetzt. Die personennahen Dienstleistungen und der öffentliche Sektor kompensieren, was der Technologiebereich und der Finanzsektor verlieren. Die Fed sollte die Daten zum Anlass nehmen, den Fokus stärker auf die erhöhten Inflationsrisiken zu richten, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. Eyb & Wallwitz | 08.06.2026 08:35 Uhr
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz

Laut offiziellem Arbeitsmarktbericht stieg die Beschäftigung in den USA im Mai um 172.000 Stellen, nach 179.000 im April. Zudem wurden die Vormonate deutlich nach oben revidiert. Das signalisiert, dass der Arbeitsmarkt in den Frühjahrsmonaten robuster war als zunächst ausgewiesen. Interessanter als die Gesamtzahl ist erneut die Sektorstruktur. Den mit Abstand größten Beitrag leistete die personennahen Dienstleistungen und insbesondere die Freizeitwirtschaft (+70.000). Erneut zulegen konnte auch erneut der Gesundheitssektor (+35.000) sowie der kommunale Sektor (+55.000). Dagegen verlor der Technologiebereich abermals Stellen. Auch der Finanzsektor schwächelt zunehmend: Mit einem Minus von 22.000 im Mai rückt er zunehmend in den Vordergrund. Das Arbeitsangebot hat sich im Mai kaum verändert. Die Erwerbsquote verharrt bei 61,8%, die Arbeitslosenquote stabil bei 4,3%. Die Lohndynamik war ebenso wenig verändert. Die Stundenlöhne stiegen zum Vormonat um 0,3% und im Jahresvergleich um 3,4%.

Aussichten für Anleger

Die Mai-Daten zum US-Arbeitsmarkt sind positiv ausgefallen und sprechen klar gegen eine unmittelbar bevorstehende konjunkturelle Eintrübung. Gleichzeitig wirkt die restriktivere Migrationspolitik auf der Angebotsseite als nachhaltiger Belastungsfaktor. In Kombination mit den Zollkosten und den erhöhten Energiepreisen durch den Irankrieg gibt es dadurch wenig Spielraum für Zinssenkungen der Fed. Vielmehr sprechen die Daten für einen – auch im Vergleich zu Europa – restriktiveren Kurs der Geldpolitik. Der Blick unter die Oberfläche zeigt auch am Arbeitsmarkt eine zunehmend K-förmige Entwicklung. Der deutliche Beschäftigungsaufbau in Gastronomie, Pflege und Kommunalverwaltung kompensiert, was der Technologiebereich und der Finanzsektor verlieren. Das ist zum Teil auch demografisch getrieben. Allerdings sind diese neuen Stellen strukturell weniger produktiv als die Stellen, die durch die KI-getriebene Automatisierung verloren gehen. Dieser Prozess wird sich wohl weiter beschleunigen und wird früher oder später zu einem Thema für die Politik.

Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz

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