In der laufenden Berichtssaison haben Banken weltweit positiv überrascht und zum Teil Rekordergebnisse präsentiert. Aus Investorensicht ist es sinnvoll, die Gewinnentwicklung im Bankensektor differenziert zu betrachten. Eine Bank mit großem Investmentbanking-Arm profitiert im aktuellen Umfeld deutlich von hoher Kapitalmarktvolatilität im Handelsgeschäft sowie vom spezifischen Finanzierungsbedarf und der erhöhten M&A-/IPO-Aktivität. Banken mit ausgeprägtem Kreditvergabe-Fokus profitieren dagegen von einem hohen Zinsniveau sowie einer steilen Zinskurve. Aktuell würden wir letzteren den Vorzug geben. Allerdings sind Anlagen in Bankaktien und -Anleihen nur dann sinnvoll, wenn das ökonomische Umfeld stabil bleibt. Japanische Banken sind aufgrund ihrer Größe und der lokalen Marktdynamik interessant. In Europa sind Banken aus der Peripherie oder mit über mehrere Geschäftsbereiche diversifizierter Aufstellung einen Blick wert, ebenso die großen US-Banken.
Regionale Differenzierung ist wichtig
Japan ist aus Zinseinkommenssicht aussichtsreich, da die Bank of Japan die Zinsen am kurzen Ende relativ niedrig belässt, während Sorgen um die Staatsfinanzen sowie die Normalisierung der BoJ-Politik die Renditen am langen Ende stark nach oben treiben und somit die Kurve versteilern.
Die Entwicklung in Europa ist etwas nuancierter: Das erreichte Zinsniveau wirkt über das Repricing der Kreditbücher weiterhin positiv, wobei die Dauer dieses Effekts fraglich ist. Ferner ist die Steilheit der Zinskurve sehr relevant: Entscheidend ist dabei, woraus sie sich speist. Die aktuelle Versteilung geht von einem festen kurzen Ende bei gleichzeitig durch Fiskalsorgen getriebenen langen Renditen aus und wirkt damit margenstützend; verlagerte sie sich künftig auf ein fallendes kurzes Ende, kehrte sich dieser Effekt kurzfristig eher um. Die entscheidende Frage in Europa ist jedoch die Einlagenseite auf Ebene der einzelnen Bank – sprich, wie stark sich die Verzinsung der Einlagen relativ zum Kreditbuch anpasst. Französische Banken sind hier durch regulierte, staatlich gesetzte Sparzinsen benachteiligt, während spanische und italienische Banken profitieren, da weniger Relativ-Wettbewerb um Einlagen besteht und sie diese nicht so schnell an die EZB-Leitzinsen anpassen müssen. Viele Banken können ihr Zinseinkommen zudem über gesundes Kreditwachstum gut steuern.
In den USA ist die Einlagendynamik stärker vom Wettbewerb geprägt, der trotz kräftigen Kreditwachstums auf die Zinsmargen drückt. Es lohnt sich hier, über eine bedeutende Größe zu verfügen, um nicht zu stark von lokalem Wettbewerb abhängig zu sein.
Insgesamt dürfte die Regulatorik zusätzlich unterstützend wirken: Sowohl in den USA als auch in Europa zeichnet sich eine Entlastung bei den Leverage-Ratio-Anforderungen und Kapitalpuffern ab, die den Banken zusätzliche Bilanzkapazität verschafft. In den USA erleichtert die rekalibrierte Leverage Ratio zudem das Halten von Staatsanleihen und die Intermediation im Treasury-Markt, was in höheren Erträgen münden kann.
Bankenanleihen bleiben interessant
Mit Blick von der Anleiheseite bleiben Banken weiterhin interessant, da sie fundamental so solide aufgestellt sind wie seit Jahren nicht mehr. Die Profitabilität hat sich stark verbessert, die Kapitalisierungsmetriken sind solide, und Asset-Qualität sowie Risikovorsorgetendenzen sind nicht besorgniserregend. Dabei bieten Senior-Bankanleihen weiterhin einen interessanten Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen oder ähnlich gerateten Unternehmensanleihen bei moderaten Laufzeiten. Nachranganleihen bzw. AT1-Papiere können angesichts der soliden Bilanzen ebenfalls interessant sein; allerdings sind die Renditeniveaus hier relativ zu den historischen Niveaus bereits sehr niedrig, was sie insbesondere im Falle von Kapitalmarktverwerfungen anfällig macht.
Von John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz
Über den Autor: John Petersen, CFA arbeitet seit 2023 als Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz. Er ist auf die fundamentale Anleihenselektion- und allokation spezialisiert und verantwortet als Co-Manager den Phaidros Funds Kairos Anleihen sowie individuelle Kundenmandate. Zuvor war Herr Petersen von 2019 bis 2022 bei der MEAG Munich ERGO Asset Management GmbH (MEAG) und von 2022 bis 2023 bei der Helaba Invest im Bereich Credit jeweils als Portfoliomanager tätig. Herr Petersen besitzt einen Master of Science in Financial Analysis von der Jönköping International Business School in Schweden. Zudem ist er CFA Charterholder.
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