Eyb & Wallwitz Ausblick 2026: Unter Spannung in eine K-förmige Welt

Die Weltwirtschaft zeigt sich robust, doch die Konjunktur bleibt von K-förmigen Entwicklungen geprägt. In den USA stützen Investitionen in Hochtechnologie das Wachstum, während Konsum und Arbeitsmarkt unter Druck stehen. Europa profitiert von günstigen Finanzierungskonditionen, doch das Reformfenster schließt sich. China richtet sich stärker auf Konsum aus, ohne den Wachstumspfad zu verlassen. Für Anleger bedeutet das: Chancen nutzen, Risiken streuen – und die K-Form von Wirtschaft und Finanzmarkt im Blick behalten, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. Eyb & Wallwitz | 16.12.2025 11:30 Uhr
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz

Die Weltwirtschaft geht mit einer bemerkenswerten Resilienz ins Jahr 2026. Doch die ökonomischen Spannungen zwischen den USA und China sind enorm und die Konjunktur bleibt von K-förmigen Entwicklungen geprägt. In den USA dürfte das Wachstum real erneut bei rund 2% liegen. Das Fundament des Wachstums ist aber schmaler geworden: Konsum und Arbeitsmarkt stehen unter Druck, die restriktive Migrations- und Handelspolitik erhöht die Kosten, und die Fed hat nur begrenzten Spielraum für eine deutliche Lockerung der Finanzierungskonditionen, denn die Inflation verharrt deutlich über dem Ziel. Stützend wirken Investitionen in Hochtechnologie und steuerliche Anreize, doch die Schere zwischen Gewinner- und Verlierersektoren öffnet sich wohl weiter. Effizienzsteigerungen und Preissetzungsmacht bleiben entscheidend, was den Einsatz von KI entlang der Wertschöpfungsketten zusätzlich beschleunigt.

In Europa zeichnet sich ein moderater Aufschwung ab: Das Wachstum dürfte gut 1% betragen, getragen von günstigen Finanzierungskonditionen und staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Allerdings bleibt der notwendige sektorale Wandel hin zu wachstumsstärkeren Bereichen schleppend, während traditionelle Industrien durch hohe Kosten und globalen Wettbewerbsdruck weiter belastet werden. Das Reformfenster schließt sich im Vorfeld richtungsweisender Wahlen 2027 zunehmend.

China setzt seine strategische Neuausrichtung behutsam aber beharrlich fort: Der Fokus verschiebt sich von Industrie- und Exportsubventionen hin zum privaten Konsum. Das Wachstum dürfte sich auf etwa 4,5% verlangsamen, ohne dass ein konjunktureller Absturz droht. Gewinner dieser Entwicklung sind vor allem Technologie- und Konsumplattformen, während die Margen in der Industrie unter Druck bleiben.

Ausbau der Barbell-Strategie 

Das Börsenjahr 2026 wird von der Neuausrichtung der globalen Kapitalströme und wirtschaftspolitischen Impulsen geprägt sein. Die K-förmigen Entwicklungen erfordern eine differenzierte Allokation: Auf der Aktienseite bietet sich eine weitere Schärfung der Barbell-Strategie an – eine Kombination aus offensiven Wachstumstrends wie KI, Automatisierung, Industrie-Software und Cybersicherheit sowie defensiven Segmenten, etwa im Gesundheitsbereich. Hohe Bewertungen, insbesondere im Technologiesektor, erhöhen das Rückschlagpotenzial, weshalb die Gewinnentwicklung stärker über die Richtung des Marktes entscheidet. Bei Anleihen bleibt das Umfeld herausfordernd, aber chancenreich: Attraktive Renditeniveaus und steilere Kurven eröffnen Rolldown-Potenzial, wobei eine Umschichtung von langlaufenden Staatsanleihen in Unternehmensanleihen mit solidem Carry-Profil sinnvoll erscheint. 

Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz

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