Eyb & Wallwitz Asset Allokation: Ausbau der Barbell-Strategie
Der Eyb & Wallwitz Ausblick für 2026 skizziert eine ausgewogene Asset-Allokation zwischen Aktien und Anleihen. Wachstumschancen in Digitalisierung, Automatisierung und KI stehen defensiven Sektoren gegenüber. Regionale Unterschiede, attraktive Anleiherenditen und eine aktive Barbell-Strategie prägen die Portfoliosteuerung.
Eyb & Wallwitz
| 27.01.2026 14:13 Uhr
Auf der Aktienseite passt ein Ausbau unserer Barbell-Strategie – einer Mischung aus offensiven Wachstumstrends im digitalen Bereich und defensiven Trends in der Gesundheit und dem Konsum – zur skizzierten K-förmigen Entwicklung der Konjunktur.
Vor allem in den USA bleiben Big Data und KI zentrale Treiber steigender Produktivität, wovon insbesondere Automatisierung, Industriesoftware, Cybersicherheit und E-Commerce profitieren. Hohe Bewertungen, besonders im Halbleitersegment, erhöhen allerdings das Rückschlagpotenzial, sodass 2026 verstärkt die Gewinnentwicklung über die Richtung des Marktes entscheidet. Der US-Markt bleibt aufgrund seiner Innovationskraft aber ein Kernbestandteil der strategischen Allokation.
In Europa bleibt das Bild verhaltener. Der fiskalische Impuls, primär durch Deutschland getrieben, kann die schwache private Nachfrage nur teilweise ausgleichen, wodurch die Region anfällig für externe Schocks bleibt. Zudem haben gerade die Aktienmärkte eine Verbesserung der Konjunkturaussichten zu einem erheblichen Teil bereits eingepreist. Sektorale Chancen ergeben sich dennoch: Die Sektoren Automatisierung und Infrastruktur profitieren von einer Re-Industrialisierung und Investitionsstaus, während der Bereich Energie aufgrund einer steigenden Elektrifizierungs- und Rechenzentrumsnachfrage ab 2026 wieder attraktiver wird. Auch in China sollten positive Impulse durch starke Exporte und eine zunehmende wirtschaftspolitische Ausrichtung hin zu Konsum- und Technologiesektoren den lokalen Aktienmarkt weiter stützen.
„Auf der Aktienseite passt ein Ausbau unserer Barbell-Strategie – einer Mischung aus offensiven Wachstumstrends im digitalen Bereich und defensiven Trends in der Gesundheit und dem Konsum – zur skizzierten K-förmigen Entwicklung der Konjunktur.“- John Petersen
Unter den defensiven Sektoren bleibt der Konsumbereich durch die divergierenden regionalen Dynamiken für Investoren herausfordernd, belastet durch steigende Produktionskosten, nachlassende Markentreue und nur begrenzte Nachfrageimpulse. Auch der Gesundheitssektor sieht sich einigen Herausforderungen ausgesetzt, welche besonders in den USA in Preissetzungsinterventionen kulminieren. Gleichwohl ist der Sektor mit Qualitätsunternehmen gespickt, welche mittlerweile sehr attraktiv bewertet sind. Bei diesen Qualitätsunternehmen bevorzugen wir Titel mit hoher Resilienz und Innovationsbezug, während Geschäftsmodelle mit strukturellem Margendruck und hoher Verschuldung untergewichtet bleiben sollten.
Anleihen: „Let it carry and roll“
Das Umfeld für Anleihen wird im Jahr 2026 erneut herausfordernd, aber zunehmend chancenreich sein. Die Renditeniveaus bleiben trotz niedriger Risikoprämien attraktiv, und durch die mittlerweile wieder steileren Renditekurven rückt das Rolldown-Potenzial stärker in den Fokus. Nachdem 2025 bereits ein sehr volatiles Jahr für Staatsanleihen mit strukturell steigenden Laufzeitenprämien war, gehen wir davon aus, dass dieser Trend aufgrund der anhaltend hohen Emissionsvolumina von Ländern wie Deutschland anhalten dürfte. Dies spricht dafür, Staatsanleihen mit langen Laufzeiten in defensive Investment Grade-Unternehmensanleihen mit attraktivem Carry- sowie Rolldown-Profil zu tauschen. Sollte sich die EZB entscheiden, weitere monetäre Impulse über eine Senkung des Leitzinses zu setzen, würde dieses Segment zusätzlich profitieren. Angesichts der niedrigen Risikoprämien bleibt eine umsichtige Selektion aber essenziell, wobei sich insbesondere im High Yield-Bereich mit zunehmender Dispersion besondere Gelegenheiten ergeben werden. Der Carry bleibt vor allem am kurzen Ende äußerst interessant. Die Kreditqualität ist in nahezu allen Marktsegmenten gut. Zwar könnten aktionärsfreundlichere Praktiken 2026 zunehmen, was marginal auf Kreditrisikoprämien lasten könnte. Jedoch sollte dies nicht zu negativen Erträgen führen. Unser Fokus liegt dabei stark auf dem Euro-Raum, da die Renditen in den USA aufgrund der überraschend positiven US-Treasury-Performance im Jahr 2025 niedrig erscheinen und zudem das Wechselkursrisiko überwiegt.
Strategische Asset Allokation – Umsichtig ins neue Jahr
Im Portfoliokontext erscheint angesichts der weiterhin attraktiven Renditeniveaus auf der Anleihenseite und der hohen Bewertungen in vielen Teilen des Aktienmarktes eine ausgeglichene Allokation zum Jahresstart sinnvoll, auch um die Flexibilität zu wahren, bei attraktiven Opportunitäten auf der Aktienseite agieren zu können. Die Diversifizierung in Regionen außerhalb der USA und Europas bleibt wichtig, da sich auch dort auf der Anleihen- wie auf der Aktienseite spannende Gelegenheiten innerhalb der genannten Wachstumstrends bieten. Und eine regionale Streuung ist zudem das Mittel der Wahl zur Absicherung der gestiegenen Wechselkursrisiken im Portfoliokontext.
Unser insgesamt konstruktives Bild bestärkt uns auf der Aktienseite in der Allokation offensiver Wachstumstrends in den Bereichen Automatisierung, Industrie-Software, Cybersicherheit und E-Commerce. Gleichwohl wirkt das Rendite-/Risikoprofil aufgrund der hohen Bewertungsniveaus zunehmend asymmetrisch, weshalb wir eine Schärfung unserer Barbell-Strategie durch die Aufstockung zyklusarmer und defensiverer Wachstumstrends, etwa im Gesundheitssektor, als sinnvoll erachten.
„Im Portfoliokontext erscheint angesichts der weiterhin attraktiven Renditeniveaus auf der Anleihenseite und der hohen Bewertungen in vielen Teilen des Aktienmarktes eine ausgeglichene Allokation zum Jahresstart sinnvoll, auch um die Flexibilität zu wahren, bei attraktiven Opportunitäten auf der Aktienseite agieren zu können.“ - Dr. Johannes Mayr
Dies gilt auch langfristig, da eine ausgewogene Mischung dieser offensiven und defensiven Segmente über die vergangenen 20 Jahre den Gesamtmarkt mit Blick auf Rendite und Risiko schlägt und damit klar für eine aktive Steuerung der Allokation spricht. Dies zeigen beispielsweise die strukturell höhere Performance sowie Sharpe-Ratios eines 60/40 MSCI World Tech/MSCI World Healthcare Portfolios im Vergleich zum Gesamtmarkt.
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