Eyb & Wallwitz Chefsvolkswirt: Iran-Krieg schockt die deutschen Haushalte

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im März wie erwartet spürbar gestiegen – ein abruptes Ende der vorangegangenen Entspannungsphase. Die jährliche Inflationsrate legte um 0,8 Prozentpunkte auf 2,7% zu. Der sprunghafte Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge des Angriffs auf den Iran hat die Energiepreise für die Haushalte unmittelbar in die Höhe getrieben. Bei Gütern und Dienstleistungen fiel der Preiseffekt bislang begrenzt aus. Für die EZB sind die Märzdaten aus Deutschland dennoch ein Warnschuss. Entscheidend für eine geldpolitische Reaktion wird sein, ob sich die Inflationserwartungen der Unternehmen und Haushalte im Euro-Raum aus ihrer Verankerung lösen. Bislang ist davon noch wenig zu sehen. Das Risiko steigt aber mit der Dauer des Krieges – und damit wächst der Zielkonflikt für die EZB, meint Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. Eyb & Wallwitz | 31.03.2026 09:09 Uhr
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz

Die Inflationsrate in Deutschland ist im März auf 2,7% gestiegen, nach 1,9% im Februar. Zum Vormonat ergibt sich ein kräftiger Preisanstieg um 1,1%. Damit endet die seit März 2024 dauernde Phase einer Inflation nahe dem 2%-Ziel der EZB abrupt. Haupttreiber war der Energiesektor: Der Iran-Krieg hat die Öl- und Gaspreise in Europa massiv verteuert, jeweils um etwa 70%. Das überträgt sich in Deutschland unmittelbar in einen deutlichen Anstieg der Energiepreise für die Haushalte, die zum Vorjahr um 7,2% gestiegen sind. Die Kerninflation – also die Teuerung von Gütern und Dienstleistungen – blieb dagegen stabil bei 2,5%. Hier werden sich die Auswirkungen der Krise erst mittelbar entlang der Wertschöpfungskette zeigen: Höhere Energiepreise verteuern Transport, Produktion und schließlich die Konsumgüter. Mit zunehmender Dauer des Konflikts steigt zudem das Risiko von Zweitrundeneffekten auch bei Dienstleistungen, insbesondere über den Arbeitsmarkt. Dabei sind die mittelfristigen Inflationserwartungen der entscheidende Faktor – und damit auch der zentrale Anker für die Geldpolitik. Die EZB wird ihre Zinspolitik dann anpassen, wenn sich diese Erwartungen spürbar nach oben bewegen. Bislang ist davon noch wenig zu sehen. Doch mit anhaltend hohen Energiepreisen wächst dieses Risiko. Philosophisch gesprochen: Inflation beginnt zwar oft an der Zapfsäule – und gefährlich wird sie, wenn aus teurem Sprit teure Erwartungen werden.

Aussichten für Anleger

Die Märzdaten zeigen, wie direkt geopolitische Schocks auf die deutsche Volkswirtschaft durchschlagen. Für die Haushalte bedeutet dies zunächst einen spürbaren Kaufkraftverlust – Energie wirkt wie eine Steuer, die den Konsum an anderer Stelle bremst. Für die Politik ist die Versuchung groß, kurzfristig gegenzusteuern. Doch Maßnahmen wie Preisdeckel oder Tankrabatte lindern Symptome, ohne die Ursache zu beheben – und bergen die Gefahr, notwendige Anpassungen zu verzögern. Nachhaltiger wäre es, die Angebotsseite zu stärken und die Energieabhängigkeit weiter zu reduzieren. Auch für die Geldpolitik verschärft sich der Zielkonflikt: Einerseits dämpft der Energiepreisschock die Konjunktur, andererseits steigen die Inflationsrisiken. Solange die Inflationserwartungen verankert bleiben, dürfte die EZB abwarten. Lösen sie sich jedoch, könnte ein erneuter Straffungskurs notwendig werden. Für Anleger bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll. Kurzfristig erhöhen Energiepreisschocks die Volatilität, mittelfristig entscheiden die Inflationserwartungen über den Kurs der Märkte.

Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz

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