Die Inflationsrate in Deutschland ist im März auf 2,7% gestiegen, nach 1,9% im Februar. Zum Vormonat ergibt sich ein kräftiger Preisanstieg um 1,1%. Damit endet die seit März 2024 dauernde Phase einer Inflation nahe dem 2%-Ziel der EZB abrupt. Haupttreiber war der Energiesektor: Der Iran-Krieg hat die Öl- und Gaspreise in Europa massiv verteuert, jeweils um etwa 70%. Das überträgt sich in Deutschland unmittelbar in einen deutlichen Anstieg der Energiepreise für die Haushalte, die zum Vorjahr um 7,2% gestiegen sind. Die Kerninflation – also die Teuerung von Gütern und Dienstleistungen – blieb dagegen stabil bei 2,5%. Hier werden sich die Auswirkungen der Krise erst mittelbar entlang der Wertschöpfungskette zeigen: Höhere Energiepreise verteuern Transport, Produktion und schließlich die Konsumgüter. Mit zunehmender Dauer des Konflikts steigt zudem das Risiko von Zweitrundeneffekten auch bei Dienstleistungen, insbesondere über den Arbeitsmarkt. Dabei sind die mittelfristigen Inflationserwartungen der entscheidende Faktor – und damit auch der zentrale Anker für die Geldpolitik. Die EZB wird ihre Zinspolitik dann anpassen, wenn sich diese Erwartungen spürbar nach oben bewegen. Bislang ist davon noch wenig zu sehen. Doch mit anhaltend hohen Energiepreisen wächst dieses Risiko. Philosophisch gesprochen: Inflation beginnt zwar oft an der Zapfsäule – und gefährlich wird sie, wenn aus teurem Sprit teure Erwartungen werden.
Aussichten für Anleger
Die Märzdaten zeigen, wie direkt geopolitische Schocks auf die deutsche Volkswirtschaft durchschlagen. Für die Haushalte bedeutet dies zunächst einen spürbaren Kaufkraftverlust – Energie wirkt wie eine Steuer, die den Konsum an anderer Stelle bremst. Für die Politik ist die Versuchung groß, kurzfristig gegenzusteuern. Doch Maßnahmen wie Preisdeckel oder Tankrabatte lindern Symptome, ohne die Ursache zu beheben – und bergen die Gefahr, notwendige Anpassungen zu verzögern. Nachhaltiger wäre es, die Angebotsseite zu stärken und die Energieabhängigkeit weiter zu reduzieren. Auch für die Geldpolitik verschärft sich der Zielkonflikt: Einerseits dämpft der Energiepreisschock die Konjunktur, andererseits steigen die Inflationsrisiken. Solange die Inflationserwartungen verankert bleiben, dürfte die EZB abwarten. Lösen sie sich jedoch, könnte ein erneuter Straffungskurs notwendig werden. Für Anleger bleibt das Umfeld damit anspruchsvoll. Kurzfristig erhöhen Energiepreisschocks die Volatilität, mittelfristig entscheiden die Inflationserwartungen über den Kurs der Märkte.
Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz
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