Euro-Konjunkturdaten: Stabilisierung ist noch kein Aufschwung

Die Stimmung der Unternehmen im Euro-Raum hat sich im Juni nach dem Rücksetzer im Vormonat stabilisiert. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Gesamtwirtschaft stieg von 48,5 auf 49,5 Punkte. Damit bleiben die Zweifel an der erwarteten Belebung der Konjunktur in Europa zwar bestehen, das Momentum hat sich aber zumindest etwas verbessert. Für Deutschland bleibt das Bild dagegen mau. Insgesamt sprechen die Daten gegen weitere Zinsanhebungen durch die EZB, erklärt Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz. Eyb & Wallwitz | 23.06.2026 10:58 Uhr
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz
Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz

Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft im Euro-Raum lag im Juni weiter unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Er signalisiert damit den dritten Rückgang der privaten Wirtschaftsaktivität in Folge, wenn auch in abgeschwächter Form. Die Stimmung bei den Dienstleistern hat sich von 47,7 auf 48,9 Punkte verbessert, bleibt aber im kontraktiven Bereich. Der Index für die Industrie gab von 51,6 auf 51,3 Punkte nach. Gleichzeitig fielen die Auftragseingänge im Euro-Raum den vierten Monat in Folge. Die bessere Zahl ist also noch kein belastbarer Aufschwung, sondern eher eine Stabilisierung an der Nulllinie.

Unter den beiden größten Volkswirtschaften bleibt die Lage angespannt. In Frankreich hat sich der Index für die Gesamtwirtschaft von 44,9 auf 47,6 Punkte erholt. In Deutschland hat sich die Stimmung dagegen weiter eingetrübt. Der Index fiel von 48,8 auf 48,0 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2024. Besonders schwach war der Dienstleistungssektor mit 46,8 Punkten, während die Industrie im Expansionsbereich blieb.

Erfreulich ist, dass der Preis- und Kostendruck im Juni nachließ. Die Einkaufspreise stiegen so langsam wie seit Februar nicht mehr, auch die Verkaufspreise legten weniger stark zu. Das hilft der EZB, die konjunkturelle Schwäche ernster zu nehmen. Zugleich bleibt die Entspannung fragil. Lieferzeiten in der Industrie haben sich weiter verlängert. Europa bekommt damit etwas weniger Inflationsdruck, aber noch keinen eigenständigen Wachstumsschub.

Aussichten für Anleger

Für Anleger bestätigen die Juni-Daten zur Unternehmensstimmung das Bild einer asymmetrischen Weltwirtschaft. In den USA bleiben Wachstum und Inflation erhöht. In Europa fehlt dagegen weiter die konjunkturelle Dynamik, und der Preisdruck dürfte sich ohne neuerlichen Energiepreisanstieg schrittweise abschwächen. Das spricht gegen weitere Zinsanhebungen durch die EZB. Vor allem aber leidet Europa an strukturellen Herausforderungen. Dies gilt insbesondere für Deutschland. Und bei aller Wichtigkeit von Sozialreformen und einer Senkung der Energie- und Arbeitskosten besteht die zentrale wirtschaftspolitische Herausforderung darin, mehr Schumpeter zu wagen: Innovation, Unternehmertum und kreative Zerstörung zuzulassen, um überkommene Strukturen zu erneuern. Nur so lässt sich die Wachstumsschwäche nachhaltig überwinden.

Von Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz

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