Berichtssaison: Positive Überraschungen, doch die Hürden steigen

Die jüngste Berichtssaison ist deutlich besser ausgefallen als erwartet. In den USA erreichten Umsatz- und Gewinnwachstum im zweiten Quartal außergewöhnlich hohe Werte, auch Europa zeigte eine starke Ergebnisentwicklung. Gleichzeitig wird sichtbar, dass der Aufschwung nicht aus einer breit angelegten Makrodynamik entsteht, sondern aus einzelnen Sektoren und Geschäftsmodellen gespeist wird. Warum es für Anleger entscheidend sein wird, zwischen strukturellen Gewinnern, Bewertungsrisiken und neuen Belastungsfaktoren genau zu unterscheiden, erklären Ingo Koczwara und John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz. Eyb & Wallwitz | 14.08.2026 12:04 Uhr
Ingo Koczwara und John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz
Ingo Koczwara und John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz / © e-fundresearch.com / Eyb & Wallwitz

Die laufende Berichtssaison hat an den Aktienmärkten für deutliche Impulse gesorgt. Im S&P 500 lag das Umsatzwachstum im zweiten Quartal bei 15 Prozent, das Ergebniswachstum bei 25 Prozent. Damit war es das beste zweite Quartal seit dem ersten Quartal 2021, als die Zahlen noch stark von Basiseffekten nach der Pandemie geprägt waren. Auch in Europa fiel die Entwicklung robust aus: Über die Breite der Unternehmen wurde ein Ergebniswachstum von 23 Prozent berichtet.

Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Höhe der Gewinne, sondern auch die Breite der positiven Revisionen. Nach einem bereits starken ersten Quartal fiel auch das zweite Quartal deutlich besser aus, als es zuvor erwartet worden war. Gleichwohl ist die Entwicklung kein Ausdruck eines klassischen globalen Booms. Das Konsumentenvertrauen in den USA bleibt verhalten, Europa zeigt ebenfalls keine breite konjunkturelle Dynamik, und China kommt seit Jahren nur schleppend voran. Die starke Marktentwicklung ist daher eher Ausdruck eines Sonderzyklus.

KI bleibt Wachstumstreiber, aber nicht ohne Bewertungsrisiken

Ein wesentlicher Treiber bleibt der Technologiesektor. Besonders Halbleiterunternehmen lieferten erneut außergewöhnlich starke Zahlen; in den USA lag das Umsatzwachstum in diesem Bereich bei 77 Prozent. Gleichzeitig nähren inzwischen auch andere Bereiche die positive Gewinnentwicklung. Der Energiesektor profitierte vom hohen Ölpreis, und auch Segmente, deren Kursentwicklung in diesem Jahr enttäuscht hatte, berichteten solide Zahlen.

Bei vielen Titeln mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz zeigt sich allerdings auch, dass hohe operative Dynamik nicht automatisch weiter steigende Kurse bedeutet. Die Erwartungen sind in Teilen des Marktes bereits sehr ambitioniert. Unternehmen rund um Software, bei denen seit Ende vergangenen Jahres die Sorge vor kurzfristiger Disruption durch KI-Modelle dominierte, konnten zuletzt wieder deutlich aufholen. Beispiele aus diesem Bereich zeigen, dass der Markt nicht nur die offensichtlichen KI-Gewinner honoriert, sondern auch in zurückgebliebenen Qualitätswerten wieder Chancen erkennt.

Hohe Investitionen belasten den Anleihemarkt

Die hohe Investitionsdynamik der großen Technologieunternehmen hat inzwischen auch am Anleihemarkt spürbare Folgen. Die Hyperscaler liefern zwar weiterhin sehr gute Quartalszahlen, zugleich wurden die erwarteten Investitionsvolumina erneut angehoben. Zur Finanzierung des KI-Trends werden derzeit außergewöhnlich große Emissionsvolumina begeben. Das führt dazu, dass selbst sehr solide Schuldner Konzessionen zahlen müssen, um neue Anleihen am Markt zu platzieren.

Ein Beispiel dafür ist Alphabet. Das Unternehmen brachte zuletzt Anleihen im Volumen von 25 Milliarden US-Dollar an den Markt. Obwohl Alphabet über eine sehr hohe Kreditqualität verfügt, sorgte die Emission auch im europäischen Markt für spürbare Spreadausweitungen. Für Anleiheinvestoren stellt sich damit zunehmend die Frage, wie lange diese Emissionswelle anhält und ab welchem Punkt die Märkte die zusätzlichen Volumina nur noch gegen höhere Risikoprämien aufnehmen.

Inflationsrisiken bleiben präsent

Auch die Inflationsseite bleibt für die Märkte relevant. Noch dominieren vor allem Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus die Inflationserwartungen. Höhere Energiepreise wirken als Grundlage vieler Inputkosten in der Produktion und prägen damit den Blick auf die weitere Preisentwicklung. In den USA kommt hinzu, dass die Wirtschaft stark dienstleistungsorientiert ist. Entsprechend bleibt abzuwarten, wie sich der Preisdruck in diesem Bereich entwickelt.

Am langen Ende des Anleihemarkts war zuletzt wieder ein stärkerer Aufwärtsdruck bei den Renditen zu beobachten. Dazu tragen gestiegene Inflationserwartungen ebenso bei wie eine gewisse Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs. Für Aktien- und Anleihemärkte bleibt damit entscheidend, ob die starken Unternehmensgewinne ausreichen, um höhere Finanzierungskosten und anhaltende Inflationssorgen zu kompensieren.

Aussichten für Anleger

Für Anleger spricht die aktuelle Marktphase für eine selektive Vorgehensweise. Die sehr starke Berichtssaison bestätigt zwar, dass einzelne Unternehmen und Sektoren weiterhin erhebliches Wachstum erzielen können. Gleichzeitig laufen wichtige Basiseffekte perspektivisch aus. Im Energiesektor dürfte die starke Entwicklung des laufenden Jahres im kommenden Jahr schwer zu wiederholen sein. Auch bei Halbleitern stellt sich die Frage, ob der aktuelle Zyklus noch längere Zeit anhält oder sich die historisch typischen Schweinezyklen wieder durchsetzen.

Gerade deshalb entstehen Chancen vor allem in der zweiten Reihe. Durch die starke Fokussierung des Marktes auf wenige große Gewinner und das Thema Künstliche Intelligenz sind in anderen Bereichen Bewertungsverzerrungen entstanden. Solide Geschäftsmodelle können dort zu attraktiveren Preisen verfügbar sein. Dazu zählen etwa einzelne Unternehmen aus dem Bereich E-Commerce, die trotz zuvor schwacher Kursentwicklung operativ überzeugen konnten.

Die zentrale Botschaft lautet daher: Die Märkte bieten weiterhin Chancen, aber nicht mehr pauschal. Hohe Gewinnqualität, tragfähige Geschäftsmodelle und realistische Bewertungen werden wichtiger. Gleichzeitig müssen Anleger die Finanzierung des KI-Investitionszyklus, die Entwicklung der Risikoprämien am Anleihemarkt und die Inflationserwartungen genau im Blick behalten. In einem Umfeld, das von außergewöhnlichen Gewinnerwartungen und steigenden Kapitalmarktanforderungen geprägt ist, bleibt aktives Stockpicking entscheidend.

Von Ingo Koczwara und John Petersen, Portfoliomanager bei Eyb & Wallwitz

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.