Eine stärkere Corporate Governance, eine veränderte Einstellung zur Inflation und eine robuste Reaktion auf die sich wandelnden geopolitischen Rahmenbedingungen deuten darauf hin, dass Japan endgültig mit jenem Wirtschaftsregime bricht, das seine verlorenen Jahrzehnte geprägt hat. Zusammen mit den anhaltenden Konjunkturmaßnahmen verändern diese Entwicklungen die japanische Wirtschaft, wobei die Binnennachfrage zu einem wichtigeren Wachstumsmotor wird. Wie in anderen Industrieländern haben die umfangreichen Fiskalprogramme und die Inflationssorgen zu einem starken Aufwärtsdruck auf die Anleiherenditen geführt. Da die Zentralbank die Normalisierung der Geldpolitik bislang nur sehr langsam vorangetrieben hat, war der Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen am langen Ende der Zinskurve am stärksten ausgeprägt. Die jüngste Kommunikation von Regierungsvertretern und Vertretern der BoJ deutet jedoch darauf hin, dass eine Beschleunigung der geldpolitischen Normalisierung bevorsteht.
Deutlich höhere langfristige Anleiherenditen sind auch in den USA ein Thema, wo das Finanzministerium kürzlich eine erhebliche Ausweitung seiner regelmäßigen Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen angekündigt hat, um die Finanzierungskosten zu senken. Die Fed hingegen hat beschlossen, ihre Wertpapierkäufe, die im Rahmen ihres Reservemanagements durchgeführt werden, hauptsächlich auf Schatzwechsel statt auf Kuponanleihen zu konzentrieren, um eine Lockerung der Finanzierungsbedingungen zu verhindern. Damit scheinen die beiden Institutionen unterschiedliche Ziele zu verfolgen.
Schließlich hat Kevin Warshs Rede in Jackson Hole die Sorgen darüber gemildert, dass die Fed möglicherweise nicht genug unternimmt, um der Inflation entgegenzuwirken. Die bevorstehenden US-Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten könnten den Dollar weiter stärken. Wir weisen jedoch darauf hin, dass die anhaltenden fiskalischen und institutionellen Unsicherheiten potenzielle Risiken bleiben, die schnell wieder in den Vordergrund treten könnten, je näher die Zwischenwahlen in den USA rücken.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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