Die Weltwirtschaft erweist sich als widerstandsfähiger als erwartet. Das BIP-Wachstum überraschte im zweiten Quartal überwiegend positiv, und höherfrequente Indikatoren deuten darauf hin, dass die Dynamik über den Sommer anhielt. Der stetige Anstieg der Energiepreise scheint auf den ersten Blick nur wenig Schaden angerichtet zu haben. Tatsächlich hat er jedoch die realen Arbeitseinkommen und in einigen Ländern auch den Konsum belastet. Doch zwei starke Kräfte, der Ausbau der KI-Infrastruktur und die fiskalische Expansion, haben diese Belastung mehr als ausgeglichen. Das Ergebnis ist, dass den Zentralbanken kaum eine andere Wahl bleibt, als ihre Geldpolitik weiter zu straffen. Die EZB hob gestern erwartungsgemäß die Zinsen an. Wir gehen davon aus, dass die Fed und die Bank of Japan in der kommenden Woche folgen werden und dass alle drei ihre Geldpolitik im letzten Quartal des Jahres voraussichtlich erneut straffen werden.
Die starke nominale Nachfrage, steigende Energiepreise und zunehmende Erwartungen einer geldpolitischen Straffung haben die Anleiherenditen an den meisten Märkten nach oben getrieben. Die gute Nachricht ist, dass die Anleger bereits ein erhebliches Maß an Straffung eingepreist haben, insbesondere in Europa und Japan, wodurch Anleihen mit kurzer und mittlerer Duration attraktiver geworden sind. Der Aufwärtsdruck auf die langfristigen Renditen dürfte jedoch zumindest vorerst anhalten. An den Devisenmärkten hat der Dollar kurzfristig weiteres Aufwertungspotenzial, da die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Fed mehr Zinserhöhungen vornehmen muss, als die Märkte derzeit eingepreist haben. Umgekehrt bedeutet dies, dass der Schweizer Franken voraussichtlich schwach bleiben wird. Dennoch sollten Anleger die Zwischenwahlen und die möglichen Verwerfungen, die sie mit sich bringen könnten, nicht außer Acht lassen. Wir bleiben gegenüber Aktien positiv eingestellt, unterstützt durch die robuste nominale Nachfrage und die Unternehmensgewinne.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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