Das heutige Anlageumfeld – geprägt von steigenden Inflationsrisiken, erhöhten geopolitischen Spannungen und Sorgen um das Wirtschaftswachstum – unterscheidet sich deutlich von dem zu Jahresbeginn, als die globalen Aussichten positiver waren und die Volatilität gering war. Diese sich wandelnden Rahmenbedingungen schüren die Volatilität und verunsichern viele Anleger. Trotz dieser veränderten Rahmenbedingungen sind wir der Ansicht, dass die Argumente für eine aktive Allokation in festverzinsliche Wertpapiere als Teil eines diversifizierten Portfolios aus drei wesentlichen Gründen – Ertrag, Risikomanagement und Flexibilität – stärker denn je sind.
Attraktiver Ertrag
Mit deutlich höheren Anleiherenditen im Vergleich zu einem Großteil der Erholungsphase nach der globalen Finanzkrise bieten festverzinsliche Wertpapiere Anlegern eine überzeugende Ertragsquelle. Nehmen wir die Rendite 10-jähriger britischer Staatsanleihen: Sie fiel 2020 unter 0,1 % und liegt nun deutlich über 4,5 %. Im Kreditbereich lag die durchschnittliche Rendite von US-Investment-Grade-Anleihen Ende März bei rund 5,14 %, während sie bei globalen Hochzinsanleihen bei rund 7,3 % lag.
Solche Niveaus sind nicht nur aus Sicht der Ertragsgenerierung attraktiv, sondern auch im Vergleich zu anderen Anlageklassen wettbewerbsfähig. Die Rendite von US-Anleihen mit einem Rating unter Investment Grade übersteigt beispielsweise derzeit die Gewinnrendite des S&P 500 Index um mehr als zwei Prozentpunkte. Diese Differenz unterstreicht die relative Attraktivität von festverzinslichen Wertpapieren als Ertragsquelle. Ein beständiger Ertragsstrom ist in den heutigen volatileren und unsichereren Märkten besonders wertvoll. Er kann als Puffer gegen Kursrückgänge dienen und zur Gesamtrendite beitragen, wodurch die Gesamtperformance des Portfolios gestützt wird.
Zum Ausgleich des Aktienrisikos beitragen
Anleihen weisen im Allgemeinen eine geringere Volatilität auf als Aktien, sodass eine Allokation dazu beitragen kann, das Risiko auszugleichen und die Gesamtvolatilität des Portfolios zu verringern. Selbst einige der risikoreicheren Segmente des Anleihemarktes, wie z. B. Hochzinsanleihen, weisen in der Regel eine geringere Volatilität auf als Aktien.
Auch die Renditetreiber unterscheiden sich, was zur Diversifizierung des Portfolios beitragen kann. Aktien werden beispielsweise in der Regel vom Gewinnwachstum getrieben und entwickeln sich bei starkem Wirtschaftswachstum tendenziell besser. Anleihen werden von den Zinssätzen bestimmt und entwickeln sich in der Regel gut, wenn das Wachstum schwach ist, obwohl dies von der Inflationsdynamik abhängen kann.
In den letzten Jahren wurden die Diversifizierungsvorteile von Anleihen in Frage gestellt, da sich Aktien und Anleihen insbesondere in Zeiten von Marktstress parallel zueinander bewegten. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass die jüngsten Ereignisse – wie der Nahostkonflikt oder der Krieg zwischen Russland und der Ukraine im Jahr 2022 – inflationäre Schocks waren. Infolgedessen gerieten Anleihen unter Druck, was das Risiko von Zinserhöhungen widerspiegelte.
Es gibt jedoch festverzinsliche Instrumente, die dabei helfen, Preisschocks zu bewältigen, wie beispielsweise inflationsgebundene Anleihen. Absolute-Return-Strategien, die darauf abzielen, unabhängig von den Marktbedingungen positive Renditen zu erzielen, könnten von Anlegern ebenfalls als Teil eines breiter angelegten Portfolios in Betracht gezogen werden. Diese Ansätze bieten in der Regel eine größere Flexibilität, einschließlich der Möglichkeit, Short-Positionen einzugehen, was dazu beitragen kann, in fallenden Märkten eine positive Rendite zu erzielen.
Flexibilität
Der Anleihemarkt bietet eine vielfältige Palette an Sektoren und Strategien. Das bedeutet, dass Anleihen Anlegern nicht nur zur Erzielung von Erträgen dienen können, sondern auch dabei helfen, spezifische Anlageziele innerhalb ihrer Asset-Allokation zu erreichen, darunter Stabilität, Wachstum oder Diversifizierung.
Die Fragmentierung dieser Anlageklasse bedeutet, dass die Treiber für einen Marktsektor sich von denen eines anderen unterscheiden. Dies bietet Anlegern Flexibilität bei der Auswahl von Sektoren, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen.
Beispiel:
- Wenn das Ziel ein defensiver Anker im Portfolio gegen einen Wachstumsrückgang ist, könnten Staatsanleihen geeignet sein.
- Wenn das Ziel Kapitalzuwachs ist und Anleger mit dem damit verbundenen höheren Risiko einverstanden sind, könnten renditestärkere Segmente wie Sub-Investment-Grade in Betracht gezogen werden.
Den aktuellen Energiepreisschock meistern
Im aktuellen Marktumfeld eines Energiepreisschocks könnten Anleger versuchen, sich auf steigende Inflation einzustellen. Eine Möglichkeit hierfür ist der Kauf inflationsgebundener Anleihen, wie beispielsweise US-Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS). Unserer Ansicht nach bieten diese derzeit attraktives Wertpotenzial. Auch Bankkredite können in einem Umfeld höherer Inflation interessant sein, erfordern jedoch eine disziplinierte Kreditauswahl, da steigende Inflation die Gewinnmargen von Unternehmen belasten könnte. Darüber hinaus könnten sich Chancen in ausgewählten Märkten für Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit ergeben, in denen die Preisgestaltung für Zinserhöhungen überzogen erscheint.
Die aktuellen Herausforderungen an den Finanzmärkten, einschließlich der erhöhten geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheit, verunsichern viele Anleger. Da die Anleiherenditen jedoch nach wie vor auf hohem Niveau liegen, bieten festverzinsliche Wertpapiere eine attraktive Ertragsquelle. Diese Erträge, kombiniert mit einer im Vergleich zu Aktien generell geringeren Volatilität, ergeben eine starke Kombination. Die Vielfalt der Anlageklasse bedeutet zudem, dass Anleger einen Sektor oder Ansatz wählen können, der ihren spezifischen Zielen entspricht. Um davon zu profitieren, ist die Auswahl eines globalen Managers wichtig, der Research in den Vordergrund stellt; dies sollte Anlegern helfen, nicht nur potenzielle Chancen zu entdecken, sondern auch Risiken zu steuern.
Von Ken Orchard, Head of International Fixed Income bei T. Rowe Price
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