US-Verbraucherpreisindex: Sprunghafter Anstieg der Wohnkomponente

Die US-Inflation bleibt hartnäckig: Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price, analysiert die jüngsten CPI- und PPI-Daten, den Einfluss von Zöllen und Energiepreisen sowie die möglichen Folgen für die Geldpolitik der Fed. T. Rowe Price | 16.05.2026 08:04 Uhr
Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price
Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price

Die April-Daten zum Verbraucherpreisindex lagen beim Kern-CPI über den Erwartungen. Treiber waren ein sprunghafter Anstieg der Wohnkomponente sowie die anhaltende Weitergabe der Zölle an die Preise für Kerngüter. Die Beschleunigung der Kernpreise geht auf Preisdruck zurück, der bereits seit dem vergangenen Jahr in den Daten angelegt ist. Mögliche Zweitrundeneffekte des Energieschocks würden, sofern sie eintreten, wohl im zweiten Halbjahr sichtbar werden.

Zur Erinnerung: Die Wohnkomponente legte etwa doppelt so stark zu wie in einem üblichen Monatswert, um die im Oktober angesetzte Nullinflation auszugleichen, als es in den USA zu einem Government Shutdown kam und keine CPI-Daten erhoben wurden. Was die Weitergabe der Zölle betrifft, erwarte ich weiterhin, dass diese im zweiten Quartal ihren Höhepunkt erreichen dürfte. Damit stehen noch etwa zwei Monate bevor, in denen die Inflation bei Kerngütern stärker ausfallen könnte als der zugrunde liegende Trend.

Bei der Weitergabe der Energiekosten sehen wir bislang Effekte in den naheliegenden Kategorien wie Benzin und Flugpreisen, Letzteres aufgrund erhöhter Kerosinpreise, aber noch nicht in anderen Bereichen. Die Strompreise waren erhöht, und es könnte naheliegen, dies auf höhere Energierohstoffpreise und die Nachfrage durch Rechenzentren zurückzuführen. Für April hängt der Anstieg jedoch überwiegend mit einer zeitlichen Verschiebung bei der Auszahlung von Stromgutschriften an Verbraucher in Kalifornien zusammen. Im weiteren Jahresverlauf bestehen aufgrund der genannten Faktoren Aufwärtsrisiken für die Strompreise.

PPI im April: Die PPI-Daten überraschten über alle Kernkategorien hinweg nach oben. Das steht auch im Einklang mit dem gestiegenen vorgelagerten Preisdruck in den PMI-Daten für April. In den Kommentaren zu den PMI-Umfragen wurde hervorgehoben, dass Unternehmen nur einen kleinen Teil der jüngsten Kostensteigerungen weitergeben wollen, weil sie erstens einen Nachfragerückgang befürchten und zweitens über ausreichend Margenspielraum verfügen, um einen Teil der Kosten aufzufangen. Das Signal aus den PPI-Daten sollte jedoch beobachtet werden, insbesondere falls die Verbrauchernachfrage in diesem Jahr robust bleibt. In diesem Fall würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass diese Kosten weitergegeben werden.

Die PCE-Prognosen der Sell-Side für April wurden trotz der Aufwärtsüberraschung bei den PPI-Daten nach unten revidiert. Grund dafür ist, dass die PPI-Komponenten, die in den PCE einfließen, nicht so stark ausfielen. Insbesondere die Gebühren für Portfolioverwaltung gingen im April zurück. Insgesamt liegen die Erwartungen für den Kern-PCE im April zwischen 0,24 Prozent und 0,29 Prozent gegenüber dem Vormonat. Damit ergäbe sich für den Kern-PCE eine annualisierte Rate von 3,3 Prozent, verglichen mit 2,8 Prozent beim Kern-CPI.

Folgen für die Fed-Einschätzung: Ich halte an meiner gegenüber der Markteinpreisung weniger restriktiven Einschätzung der Fed-Politik fest, wie in den jüngsten Notizen und Meetings dargelegt. Allerdings sehe ich zunehmende Risiken einer restriktiveren Zinsperspektive aufgrund des länger andauernden Konflikts mit Iran und möglicher Übertragungseffekte des Energieschocks auf die Kerninflation.

Von Blerina Uruci, US-Chefvolkswirtin bei T. Rowe Price

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