T. Rowe Price Chefvolkswirt: BIP-Daten in UK überzeichnen die zugrunde liegende Stärke der Wirtschaft

Das britische BIP ist im ersten Quartal 2026 um 0,6 Prozent gewachsen. Doch die Stärke könnte durch saisonale Verzerrungen überzeichnet sein. Warum Marktteilnehmer weniger auf die BIP-Zahl und stärker auf Umfragen wie den RICS-Indikator blicken dürften. T. Rowe Price | 15.05.2026 13:19 Uhr
Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price
Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price / © e-fundresearch.com / T. Rowe Price

Die kürzlich veröffentlichten Daten haben bestätigt, dass das BIP in UK im ersten Quartal 2026 um 0,6 Prozent gewachsen ist. Getragen wurde das Wachstum vor allem von einem starken privaten Konsum. Die Investitionen enttäuschten hingegen. Die Industrieproduktion schrumpfte, während der Dienstleistungssektor die Konsenserwartungen übertraf. Die Gesamtzahl von 0,6 Prozent ist kräftig. Die zentrale Frage für Marktteilnehmer und politische Entscheidungsträger lautet, ob diese Zahl bedeutet, dass die Stagnation, mit der die britische Wirtschaft in den vergangenen sechs Monaten konfrontiert war, vorbei ist.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Stärke des BIP-Wachstums eine statistische Illusion ist. In den vergangenen vier Jahren war das reale BIP-Wachstum in der ersten Jahreshälfte stark, in der zweiten Jahreshälfte jedoch stagnierend. Normalerweise sollten saisonale Bereinigungen solche Schwankungen über das Jahr hinweg ausgleichen. In einem Eingeständnis, dass mit dem Verfahren zur saisonalen Bereinigung möglicherweise etwas nicht stimmt, hat das ONS jedoch kürzlich angekündigt, ab Mai 2026 nicht saisonbereinigte Daten zu veröffentlichen.

Mit anderen Worten: Es ist wahrscheinlich, dass die gemeldete BIP-Stärke auf eine fehlerhafte saisonale Bereinigung zurückzuführen ist und kein Ausdruck echten Wirtschaftswachstums ist. Das wiederum bedeutet, dass die Wirtschaft weiterhin in einem Umfeld niedrigen Wachstums feststeckt. Politische Entscheidungsträger und Finanzmärkte dürften über diese Zahl hinwegsehen und sich stattdessen auf Umfragen konzentrieren.

Die jüngst veröffentlichte RICS-Umfrage ist deutlich auf -34 gefallen. Eine derart schnelle Verschlechterung am Wohnimmobilienmarkt ist ein schlechtes Vorzeichen für die künftige reale Wirtschaftsaktivität.

Von Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price

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