Der Arbeitsmarkt blieb im März stabil, die April-Daten geben jedoch Anlass zur Sorge. Der Zuwachs bei den durchschnittlichen Verdiensten lag bei 4,1 % und damit über den von Konsensprognosen erwarteten 3,8 %. Die Details deuten allerdings darauf hin, dass dies vollständig auf höhere Löhne im öffentlichen Sektor zurückzuführen ist. Im privaten Sektor schwächte sich der Zuwachs bei den durchschnittlichen Verdiensten von 3,2 % im Februar auf 3,0 % ab und lag damit unter den Erwartungen von 3,1 %. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5 %. Zusammengenommen sprechen diese Daten für März dafür, dass sich der Arbeitsmarkt weiter abkühlt, insbesondere bei den Löhnen. Tatsächlich steht das Lohnwachstum inzwischen im Einklang mit dem, was mit dem Inflationsziel vereinbar wäre. Zugleich belief sich das Beschäftigungswachstum im März auf 148.000 – ein kräftiger Wert gegenüber der Erwartung von 100.000 unter Konsensökonomen. Allerdings sind diese Daten weniger verlässlich als früher, wie das Office for National Statistics (ONS) selbst eingeräumt hat. Der einzige April-Datenpunkt, die Beschäftigung auf Basis der Payroll-Daten, fällt besorgniserregend aus. Sie sank um 100.000, während ein Anstieg um 10.000 erwartet worden war. Zwar werden diese Zahlen noch revidiert, zudem spielt wegen der Ostereffekte eine ausgeprägte saisonale Komponente eine Rolle. Angesichts des Ausmaßes der negativen Abweichung von den Erwartungen ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie durch Revisionen vollständig verschwindet. Die am stärksten vorlaufenden Daten deuten darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt abschwächt.
Die Szenarioanalyse des Monetary Policy Committees (MPC) im Monetary Policy Report vom April konzentrierte sich ausschließlich auf Szenarien, in denen die Inflation das Ziel überschreitet, die Realwirtschaft aber widerstandsfähig bleibt. Die heutigen Arbeitsmarktdaten stellen diese Sichtweise infrage. Ölpreisschocks treiben tendenziell die Preise und bremsen die wirtschaftliche Aktivität. Tatsächlich ist Nachfragerückgang der zentrale Mechanismus, über den höhere Ölpreise Angebot und Nachfrage am Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht bringen. Keines der MPC-Szenarien berücksichtigte jedoch die Möglichkeit, dass sich wirtschaftliche Aktivität und Arbeitsmarkt als Reaktion auf den angebotsseitigen Ölpreisschock stärker abschwächen könnten. Sollte sich der Arbeitsmarkt in diesem Tempo weiter abkühlen, dürfte die Debatte stärker beide Risikoseiten berücksichtigen. Die Geldpolitik wird versuchen, die Risiken höherer Inflation gegen die Risiken von Stagnation oder Rezession abzuwägen. Zudem liegt die Bank Rate bereits hoch im Verhältnis zur Inflation und im Vergleich zu den Niveaus in anderen Ländern. Deshalb dürfte der MPC den Leitzins in diesem Jahr wahrscheinlich höchstens noch einmal anheben – deutlich weniger, als derzeit am Markt eingepreist ist.
Von Tomasz Wieladek, Chef-Volkswirt für Europa bei T. Rowe Price
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