Anlagekategorien überdauern in der Regel länger als die Bedingungen, die zu ihrer Entstehung geführt haben. Immobilien, Infrastruktur und Private Markets wurden in einer Zeit geprägt, in der natürliche Systeme als berechenbar galten und die Globalisierung als stabil erschien. Diese Annahmen haben Portfolios über Jahrzehnte getragen.
Heute ist die Welt eine andere. Investoren erkennen das immer deutlicher bei Vermögenswerten, bei denen physische Bedingungen und finanzielle Ergebnisse eng miteinander verknüpft sind. Belastungsfaktoren, die früher eher im Hintergrund standen, sind in den Vordergrund gerückt, und einige vertraute Kategorisierungen erklären nicht mehr so viel wie früher.
Nach Einschätzung von Van Lanschot Kempen bewegt sich Agrarland genau in diesem Spannungsfeld, statt sich nahtlos in bestehende Kategorien einzuordnen.
Ein sich wandelndes Umfeld
Über Jahre hinweg konzentrierte sich die Portfoliokonstruktion auf Wachstum, Liquidität und Diversifikation über verschiedene Märkte hinweg. Diese Aspekte bleiben wichtig, beschreiben aber nicht mehr das vollständige Bild. Eine Reihe ökologischer Schocks, gestörter Lieferketten und von Ressourcenengpässen hat Investoren daran erinnert, dass reale wirtschaftliche Systeme einen direkten Einfluss auf langfristige Wertentwicklung haben. Für Asset-Allokatoren sind diese Kräfte längst keine Randthemen mehr.
Agrarland steht diesen Kräften besonders nahe. Eine Trockenperiode, ein überschwemmtes Feld oder eine Änderung lokaler Wasserregelungen bewegen die Finanzmärkte möglicherweise nicht sofort, prägen aber die Bedingungen, auf denen wirtschaftliche Produktion beruht. Diese Nähe macht Agrarland zu einem interessanten Bezugspunkt, um zu verstehen, wie sich Risiko verändert.
Warum die bisherigen Kategorien an ihre Grenzen stoßen
Die meisten Debatten über Agrarland kreisen letztlich um dieselbe Frage: Wo ist es einzuordnen? Sachwert. Operativer Vermögenswert. Naturkapital. Keine dieser Bezeichnungen ist falsch, doch keine ist vollständig.
Das Problem ist nicht das Agrarland. Das Problem ist, dass diese Kategorien für eine Welt geschaffen wurden, die von stabilen natürlichen Systemen und verlässlichen globalen Strömen ausging. Wenn diese Annahmen an Tragfähigkeit verlieren, beginnen die Grenzen zwischen einzelnen Anlagekategorien zu verschwimmen.
Agrarland hat seinen Charakter nicht verändert. Verändert hat sich der Kontext, in dem es steht. Deshalb entzieht es sich einer einfachen Einordnung.
Was Agrarland stillschweigend zeigt
Was Agrarland derzeit besonders aufschlussreich macht, ist nicht seine Klassifizierung, sondern das, was es darüber offenlegt, wie sich Risiko und Wert verändern. Es macht auf eine Reihe von Bedingungen aufmerksam, die sich immer schwerer ignorieren lassen:
• Reale wirtschaftliche Aktivität wird von natürlichen Systemen geprägt
• Physische Belastungen können Ergebnisse beeinflussen, selbst wenn die Märkte ruhig erscheinen
• Wert kann von Entscheidungen abhängen, die weit entfernt von den Bildschirmen des Kapitalmarkts getroffen werden
• Langfristige Stabilität hat auch eine praktische, reale Dimension
Diese Beobachtungen reichen über die Landwirtschaft hinaus. Sie zeigen sich auch in Infrastruktur, Energie, Versicherungen und in Teilen des Private-Market-Universums, die inzwischen mit ähnlichen realwirtschaftlichen Beschränkungen konfrontiert sind.
Ein Signal statt einer Lösung
Agrarland beansprucht keinen neuen Platz in Allokationsmodellen. Es erinnert lediglich daran, dass sich einige der Annahmen, auf denen diese Modelle beruhen, verschoben haben.
Was Agrarland bietet, ist ein klarerer Blick auf entstehende Belastungen. Es zeigt, wie strukturelle Risiken von der Theorie in die Realität übergehen. Es verknüpft finanzielle Ergebnisse wieder mit den physischen Systemen, die sie tragen. Es vermittelt ein Gefühl dafür, wohin sich langfristiges Denken bewegt, statt nur zu zeigen, wo es herkommt.
Die Quintessenz
Dass sich Agrarland nicht sauber in die bisherigen Kategorien einordnen lässt, ist nicht der interessante Teil. Interessant ist vielmehr, was dieses Unbehagen offenlegt. Es zeigt, dass sich die Investmentwelt an Bedingungen anpasst, die sie zuvor nicht berücksichtigen musste. Agrarland ist einer der Bereiche, in denen sich diese Anpassung besonders leicht erkennen lässt.
Seine genaue Einordnung mag weiterhin unklar sein, doch die Botschaft, die es über die Richtung langfristiger Wertentwicklung vermittelt, ist es nicht. Genau diese Diskussion beginnt unter Investoren erst allmählich.
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