1. Die alternde Bevölkerung
Die alternde Bevölkerung in Japan legt die Vermutung nahe, dass die Wirtschaft des Landes kaum wächst. Obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Japans seit 1994 nur um neun Prozent gestiegen ist, legte der Gesamtgewinn der Unternehmen in US-Dollar bis Ende März 2020 um 140 Prozent zu1. Das bedeutet, dass Wachstum in der Region vorhanden ist. Entscheidend ist, die Unternehmen ausfindig zu machen, die ein solches Wachstum erfahren.
2. Fehlende Berichterstattung durch Analysten
Rund drei Viertel der investierbaren Unternehmen in Japan werden von maximal einem Analysten beobachtet2. Erfahrene Investmentmanager können bestimmte Sektoren und Unternehmen identifizieren, die das Wachstum des Marktes stützen, und ihre Kunden an den Gewinnen teilhaben lassen. Trotz des großen Anlageuniversums werden japanische Aktien nur unzureichend erforscht. Dies ermöglicht den Anlegern, versteckte Perlen zu entdecken, die vom Markt wenig verstanden werden.
3. Technologische Versäumnisse
Ein weiterer Irrglaube ist, dass Japan in der technologischen Entwicklung hinterherhinke. Tatsächlich weist Japan seit 2005 die meisten triadischen Patentfamilien auf. Der Marktanteil beträgt hier 40 Prozent, gefolgt von den USA mit 27 Prozent und Deutschland mit zehn Prozent (Stand Ende 2017)3.
Japan ist nach wie vor führend in innovationsgetriebenen Sektoren wie der Fabrikautomatisierung und der Halbleitertechnologie. Auch in den Bereichen Software-as-a-Service (SaaS), medizinische Geräte und digitale Lösungen gibt es viele hochwertige Unternehmen, die Investitionsmöglichkeiten bieten.
So haben beispielsweise einige SaaS-Unternehmen ihre starken Nettobarmittelbilanzen genutzt, um im vergangenen Jahr massiv in ihr Geschäft zu investieren und ihre Marktdurchdringung bei japanischen Firmenkunden zu erhöhen. Da die Akzeptanz von SaaS in Japan noch relativ gering ist, hält dieser Sektor einige Wachstumschancen bereit.
4. Makroökonomische Einflüsse
Anleger, die in der Vergangenheit von Japan enttäuscht waren, haben ihre Entscheidungen oft auf makroökonomische Themen oder einmalige Ereignisse wie die aktuellen Olympischen Spiele gestützt. Allerdings sollten Anleger eher auf bestimmte Wachstumstreiber achten.
Makroökonomische Ereignisse lassen sich nur schwer vorhersagen. Der Fokus sollte daher auf der Identifizierung von Unternehmen liegen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Japan widersetzt sich zwar zunehmend den Konventionen, doch bevorzugen wir Unternehmen, die unabhängig von den wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes florieren können. Qualitäten wie ein dominanter Marktanteil in einer Nischenbranche sind wichtig. Zu den Beispielen gehören führende asiatische Konsumgüterkonzerne, weltweit tätige Hersteller medizinischer Geräte, Unternehmen der Fabrikautomation und andere Technologieführer.
5. Begrenzte Handelskapazitäten
Entgegen der Auffassung, dass Japan eine reine Exportwirtschaft sei, machen Exporte nur 18 Prozent des BIP aus. Im Vergleich dazu liegt der Wert in Korea bei 40 Prozent und in Deutschland bei 47 Prozent3.
Japan verfügt über einen gesunden Inlandsmarkt sowie über starke Investitionen aus dem Ausland. Mehr als 90 Prozent des Leistungsbilanzüberschusses stammen aus Zins- und Dividendenerträgen aus Überseemärkten, während China mehr als 100 Prozent und Korea mehr als 80 Prozent aus dem Nettohandelswert erwirtschaftet. Anleger sollten sich die Zahlen hinter der Geschichte Japans ansehen, um die wahren Chancen zu erkennen.
Japan bietet also Anlegern die Möglichkeit, versteckte Schätze zu finden und mit einem aktiven Bottom-up-Ansatz Alpha zu generieren.
Sophia Li, Portfoliomanagerin bei FSSA Investment Managers
1 CSLA, March 2020
2 Bloomberg & Jefferies, data as at 15 July 2020.
3 Ministry of Finance March 2020.
4 Bank of Japan, March 2021