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Green & Social Bonds Frameworks und Second Party Opinions: Wie lässt sich die Spreu vom Weizen trennen?

Nach der April-Ausgabe der rfu-Exklusiv-Kolumne "GOING GREEN" zum Thema der ökologischen und sozialen Eigenschaften von Agrarrohstoffen legt Gastautor Georg Lehmann, Senior Green Finance & ESG-Rating Consultant, in diesem Monat den Fokus auf Green und Social Bonds. Research | 04.05.2021 18:30 Uhr
Georg Lehmann, Senior Green Finance & ESG-Rating Consultant, rfu / © rfu
Georg Lehmann, Senior Green Finance & ESG-Rating Consultant, rfu / © rfu

Das Management eines dedicated Sustainable/Green/Social/ESG Funds bedeutet auch, die Qualität von Sustainable Bond Frameworks und die darauf basierenden Second Party Opinions (SPOs) einschätzen zu können. Hier zeigen sich mittlerweile mehrere Entwicklungsstufen - von den experimentellen Anfängen bis zu sogenannten „advanced“ Frameworks, die Teil der Gesamtbanksteuerung sind – im Gegensatz zu Frameworks, die nur das Treasury umfassen. Wichtig ist vor allem, dass ein advanced Framework das Wesentliche des Sustainability Managements glaubwürdig darstellt und dass dies auch in den übergeordneten Bankdokumentationen und Regelwerken verankert ist. Im Folgenden werden die Hintergründe der Entwicklung beleuchtet und die Entwicklungsstufen beschrieben, um dem Fondsmanagement eine Hilfestellung zu geben, die qualitative Ausarbeitung von Frameworks/SPOs besser einschätzen zu können.

Hintergründe und Besonderheiten des Bankgeschäftes

Grüne Aktien bzw. die dazugehörigen Bewertungen nach ökologischen und sozialen Aspekten durch Nachhaltigkeitsresearch-Agenturen, wie z.B. die rfu, sind seit mittlerweile 20 Jahren fixer Bestandteil des Kapitalmarktes. In zunehmendem Maße werden ESG Bewertungen von Aktien nachgefragt, wie der gegenwärtige Boom bei ESG Fonds zeigt. Bei nachhaltigen Anleihen (Sustainable Bonds) von Unternehmen und Banken werden vor allem die sogenannten SPOs (Second Party Opinions) von Research Agenturen zur Feststellung der nachhaltigen Wirkung des Unternehmens oder spezifischer Projekte herangezogen. So weit so gut. Bei der Analyse von Banken bzw. Finanzinstituten zeigen sich aber Besonderheiten. Um deren Nachhaltigkeitswirkung vollständig zu erfassen, bedarf es anderer Herangehensweisen als bei der Analyse von Unternehmen bzw. Einzelprojekten. Banken sind große Multiplikatoren: Je tiefer der Sustainability-/ESG-Gedanke in der Banksteuerung verankert ist, desto umfassender werden ökologische Projekte gegenüber herkömmlichen Projekten gefördert und letztendlich finanziert.

Bei (Dark) Green und Sustainable Funds ist daher für eine echte „Spreu-vom-Weizen“-Analyse der Qualität des Sustainability-ESG-Managements notwendig, tiefer in die Strukturen des Bankmanagements zu vorzudringen. Vor allem um rein marketinggetriebene Emissionen eines Green Bonds von jenen zu unterscheiden, die eine ernsthafte Anpassung an den Themenkomplex „ESG“ vollziehen.

Die Anfänge

Blicken wir zeitlich ein wenig zurück: Anfangs wurden neben dem Jahresabschlussbericht auch Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht. Es bildeten sich Standards heraus, wie z.B. der Global Reporting Initiative Standard (GRI). Mittlerweile sind Nachhaltigkeitsberichte so etabliert, dass Banken, aber auch Unternehmen ohne einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht ihre Nachhaltigkeitsbemühungen nicht glaubwürdig darstellen bzw. belegen können. Die wesentliche Wirkrichtung der Nachhaltigkeitsberichte aber ist vor allem nach Innen gerichtet: Betriebsökologie und Ressourceneffizienz sind wesentliche Ziele.

Getrieben durch die steigende Nachfrage am Kapitalmarkt und die Notwendigkeit zur Diversifizierung grüner Asset Portfolien nach Green Bonds begannen Banken, inaugurale Green oder Social Bonds zu emittieren. Diese Emissionen erfolgten auch mit der Absicht, günstigere Niveaus für die zu zahlenden Coupons und höhere Over-subscription Raten zu erreichen. Da die grünen Anleihen mit grünen Projekten zu hinterlegen sind - z.B. basierend auf den Green Bond Principles der ICMA (International Capital Market Association) - wurden durch das Banktreasury Green Bond Frameworks formuliert, die diese Unterlegung aufzeigen sollten. Viele dieser Emissionen waren erste Ansätze und so auch die Frameworks. Darin liegt eine gewisse Problematik, da so manche Emittenten heute noch immer mit dem nicht adaptierten Framework der ersten Emission(en) arbeiten. Hier bedarf es einer Weiterentwicklung und dafür braucht es insbesondere die Einbeziehung weiterer Abteilungen wie das Markt- und Risikomanagement. Damit wird das Framework in der nächsten Stufe zunehmend zu einem ESG-Gesamtbankdokument.

Portfolio über Einzelprojekten

Die durch Frameworks aufgebaute Beziehung zwischen Anleihe und den unterlegten Projekten widerspricht im Grunde dem modernen Bilanzmanagement einer Bank, das den Abgleich der Aktiv- und Passivseite nur gesamthaft, als Portfolio anstrebt. Im Detail erfolgt die Steuerung der Refinanzierung über den Abgleich der zeitlichen und volumensmäßigen aktiv- und passivseitigen Ablaufstruktur. Durch die Definition von Beziehungen von refinanzierenden Anleihen (Passivseite) und Projekten/Kredite (Aktivseite) wird diese globale Steuerung überlagert. Historisch ist dies ein „Rückschritt“ zu den überwundenen Strukturbilanzen, bei denen z.B. einzelne langfristige Projekte gezielt durch langfristige Einlagen oder Anleihen einmalig refinanziert werden sollten. Das erklärt teilweise auch Widerstände innerhalb der Bank gegen eine Anleihe-Projekt-Zuordnung im Zuge von Sustainable Bond Emissionen. Modernes Bankmanagement zeichnet sich durch Portfoliosteuerung aus und so ist es naheliegend, ESG-geeignete Projekte/Kredite in einem „ESG eligible asset portfolio“ zu sammeln, wobei explizit nach „green“ und/oder „social“ zu kategorisieren ist. Jede Art von Sustainable Refinancing (Bonds, Savings etc.) kann damit unterlegt werden. Auch ist ein derartiges ESG Portfolio gegen den Abverkauf von Krediten (Syndizierung), vorzeitige Kredittilgungen und Kreditausfälle besser abgesichert als eine starre 1:1 Beziehung zwischen Anleihe und Projekt.

ESG-Kriterien im Risikomanagement

Ein weiterer Aspekt, der fortgeschrittene Frameworks kennzeichnet, ist die Berücksichtigung von ESG (Environmental Social Governance) Kriterien im Risikomanagement sowie deren Beschreibung im Green Bonds Framework. Die FMA veröffentlichte einen Leitfaden für die Integration von ESG im Risikomanagement, bleibt aber in der Beschreibung konkreter Techniken oder Berechnungen noch vage. Klar ist allerdings, dass nicht nur die vollständige qualitative und quantitative Definition der Messkriterien, sondern auch die Benennung der Art der Kontrollen und etwaige Maßnahmen im Fall einer Nichteinhaltung erforderlich sind. Und das alles von der Originierung und On-Boarding von Projekten/Krediten, Projektfinanzierung/ Kreditvergabe bis zur laufenden Verwaltung der Finanzierung. Ebenso sind Verantwortlichkeiten und Gremien zu definieren. Zusammenfassend verweist das Framework auf übergeordnete Risikohandbücher und zitiert aus diesen.

Auch die Vereinbarung von ESG-Zielen mit Kunden, z.B. konkrete CO2 Reduktions-Ziele, sind Erkennungsmerkmale für einen avancierten Ansatz. In Australien beispielsweise werden mit Industriekunden auf Initiative von Banken bereits Maßnahmen zur Reduktion von CO2 vereinbart, wenn auch nicht verpflichtend und so streng wie Bonitätskenngrößen. Das heißt die Nichteinhaltung von CO2 Zielen stellt keinen Trigger für einen technischen Ausfall dar.

Zusehens scheint auch das Thema Compliance im Rahmen der Due Diligence eine größere Rolle zu spielen, wie aktuell die Definition des rechtlichen Tatbestandes des „Ökozids“ in Frankreich zeigt. Eine neue Entwicklung, die über die EU auch in alle europäischen Länder wirken wird.

Zusammengefasst, die zentralen Merkmale eines Frameworks als Teil der Gesamtbanksteuerung als Maß für die Integrationstiefe des ESG-Ansatzes in der Bank sind: Portfolioansatz und Aufbau einer geeigneten Projekt-Pipeline/ ESG-integratives Risikomanagement/ Berücksichtigung von ESG in Compliance, oder Kunden Due Diligence/ Vereinbarung von ESG Zielen mit dem Kunden, etc. Diese Auflistung muss allerdings als offen angesehen werden, da es sich um einen fortdauernden Prozess handelt.

Second Party Opinion und UZ 49

Erfolgt eine Emission - wie im Framework definiert - aus dem Refinanzierungsrahmen, verlangt der Kapitalmarkt bereits ausnahmslos eine Second Party Opinion (SPO) durch spezialisierte ESG Research Agenturen, wie die rfu. Auch hier ist es für einen (Dark) Green Investor interessant, genauer hinzusehen. Es ist augenscheinlich, dass Frameworks oft nur als „compliant“ mit einem geeigneten Standard (z.B. Global Bond Principles der ICMA) bestätigt werden, ohne dass mit der Analyse wie oben beschrieben tiefer in das Bankmanagement vorgedrungen wird, oder ohne, dass die SPO einen Konnex mit dem allgemeinen ESG Rating der Bank herstellt. Die Tendenz zur Bestätigung durch SPOs erleichtert eine Emission, ermöglicht dem (Dark) Green Investor aber nur bedingt einen tieferen Einblick in die Emission bzw. die emittierende Bank, da die SPO die Einbindung des Frameworks in die Gesamtbanksteuerung üblicherweise nicht überprüft.

Mit der Einführung des Green-Bond-Standards gemäß EU-Taxonomie wird es möglicherweise noch schwieriger, die ESG Performance der Bank mitzuberücksichtigen, wenn die EU-Taxonomie das zu finanzierende Projekt in den Vordergrund stellt. Dieser Prozess ist allerdings durch die EU noch nicht abgeschlossen. Hier wird es hinkünftig sinnvoll sein, Emissionen durch lokale „Vor-Ort“-Research Agenturen im Rahmen einer SPO bewerten zu lassen, oder in Österreich eine Zertifizierung durch das Österreichische Umweltzeichen (für Nachhaltige Finanzprodukte ist es das UZ nach Richtlinie 49) anzustreben. Dadurch werden auch lokale Besonderheiten der Bank bzw. auch der Projekte deutlicher in der SPO dargestellt, im Gegensatz zum standardisierten Research durch internationale Agenturen, bei gleichzeitiger Akzeptanz der „lokalen“ SPO/UZ am europäischen Kapitalmarkt.

Gastautor: Georg Lehmann, Senior Green Finance & ESG-Rating Consultant, rfu

Über die rfu:
Die rfu, mit Sitz in Wien, ist Österreichs Spezialistin für Nachhaltiges Investment und Management und unterstützt institutionelle Kunden mit Nachhaltigkeits-Research und der Konzeption von Investmentprodukten. „Technologisches Herz" sind die rfu Nachhaltigkeitsmodelle für Unternehmen, Länder und Rohstoffe.

Weitere Leistungen sind u.a. die Erstellung von Prüfgutachten nach dem Österreichischen Umweltzeichen sowie Second Party Opinions zur Emission von Green und Social Bonds.

Weitere Informationen finden Sie auf www.rfu.at 

Über die Artikelserie "GOING GREEN":
GOING GREEN ist eine monatliche Kolumne auf e-fundresearch.com zu Entwicklungen und Hintergründen im nachhaltigen Investment, verfasst von Reinhard Friesenbichler und seinen Kolleginnen und Kollegen aus der rfu.

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