Der Nachhaltigkeitsindex CECE SRI für Osteuropa – neue ESG-Dynamik durch CSRD zu erwarten?

In der Dezember-Ausgabe der Exklusiv-Kolumne "GOING GREEN" beleuchtet rfu-Expertin Andrea Lösch den Nachhaltigkeitsindex CECE SRI für Osteuropa und erklärt die neue ESG-Dynamik, die durch CSRD zu erwarten ist. Research | 27.12.2022 09:00 Uhr
© e-fundresearch.com / rfu
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Der Nachhaltigkeitsindex CECE SRI für Osteuropa – neue ESG-Dynamik durch CSRD zu erwarten?

Der Nachhaltigkeitsindex CECE (CECE Socially Responsible Investment) - ein Aktienindex von Unternehmen mit überdurchschnittlicher ESG-Performance aus dem zentral-, ost- und südosteuropäischen Raum wurde 2009 von der Wiener Börse gelauncht und ist bis dato der einzige Nachhaltigkeitsindex mit dieser geographischen Exposition. Enthalten sind Unternehmen, die an den Börsen Belgrad, Bukarest, Budapest, Ljubljana, Prague Sofia, Warschau und Zagreb gelistet sind. Jährlich findet eine Neucomposition statt, bei der die ESG-Performance der einzelnen Unternehmen durch die auf Nachhaltigkeitsresearch spezialisierte rfu evaluiert wird.

Aktuelle Zusammensetzung 

Die aktuelle Zusammensetzung des CECE SRI beinhaltet die zehn Titel: OTP Bank, Richter Gedeon, Banca Transilvania, Krka, Hrvatski Telekom, Zavarovalnica Triglav, Ericsson Nikola Tesla, Luka Koper Port und Telekom Slovenije. Damit sind Unternehmen aus Ungarn, Slowenien, Kroatien, und Rumänien im Nachhaltigkeitsindex CECE SRI vertreten. Keine Unternehme finden sich hingegen aktuell aus den Ländern Bulgarien, Serbien, Tschechien und Polen. Überwiegend vertretene Branchenwerte stammen aus der Finanzindustrie, dem Gesundheitssektor sowie der IT- und Telekombranche. Im Gegensatz dazu sind die in Osteuropa wichtigen Branchen, wie die Rohstoff-, Öl- und Gasindustrie sowie die Energieversorgung deutlich unterrepräsentiert, aktuell fehlen diese sogar zur Gänze.

Finanzielle Performance

Seit Indexbeginn 2009 verzeichnet der CECE SRI eine positive Performance von 45 Prozent, musste allerdings im vergangenen Jahr (ab 14.02.2022) Kursverluste von nahezu 30 Prozent hinnehmen. Dies stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ausbruch der kriegerischen Aktivitäten in der Ukraine. Die Risikoexpsoition ist mit der geographischen und wirtschaftlichen Nähe signifikant gestiegen, was sich nicht zuletzt auch an der Börse bis dato widerspiegelt. Inflation und Zinserhöhungen der Notenbanken verschärfen nun das ohnehin unsichere Marktumfeld in Mittel- und Osteuropa. Prognosen einer zukünftigen Entwicklung sind schwierig und mit großer Unsicherheit behaftet.

ESG Performance

Grundsätzlich kann vor allem bei osteuropäischen Unternehmen ein im Vergleich zu Westeuropa niedrigeres Level an Nachhaltigkeitsperformance festgestellt werden. Im Telekombereich färben die aus Nachhaltigkeitssicht oft sehr guten Konzernmütter (wie z.B. Deutsche Telekom) auf ihre lokalen Töchter positiv ab und sorgen für gute Governance und gutes Nachhaltigkeitsmanagement. Pharmaunternehmen zeichnen sich durch die sehr gute Produktwirkung aus: weisen sie eine niedriges Kontroversen-Risiko auf und haben ein Nachhaltigkeitsmanagement implementiert, sind sie damit bereits auf vergleichsweise hohem Niveau.

Die Dynamik des CECE SRI ist sehr gering. Von Beginn an sind neun Unternehmen im Index vertreten, Neuzugänge und Veränderungen finden lediglich vereinzelt statt. Gründe dafür sind u.a. das hohe Engagement bei fossilen Energieträgern, fehlende Nachhaltigkeitsbemühungen sowie Governance-Themen. Hier kann der CECE SRI eine bewusstseinsbildende Funktion einnehmen und die Relevanz von Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung aufzeigen und damit würdigen.

Qualität der Nachhaltigkeitsreports und Datenverfügbarkeit

Nachvollziehbarkeit und Transparenz sind die Basis für die Einschätzung der ESG-Performance - sowohl für Analystinnen und Analysten als auch für Investorinnen und Investoren. Die Veröffentlichung qualitativ hochwertiger Nachhaltigkeitsberichte in Mittel- und Osteuropa ist nur teilweise zu beobachten, birgt aber Potential. Nicht zuletzt könnte es durch Inkrafttreten der CSRD-Verordnung (Corporate Sustainability Reporting Directive) der EU und den damit einhergehenden Veröffentlichungspflichten zu interessanten Entwicklungen kommen. Im Laufe der nächsten Jahre wird sich diese Reportingpflicht auch auf bisher nicht berichtspflichtige Unternehmen ausdehnen. Inwiefern die dadurch verfügbar werdenden Daten die Dynamik des CECE SRI Index beeinflussen, bleibt mit Spannung abzuwarten.

Andrea Lösch, Head of Corporate Research, rfu

Über die rfu:

Die rfu, mit Sitz in Wien, ist Österreichs Spezialistin für Nachhaltiges Investment und Management und unterstützt institutionelle Kunden mit Nachhaltigkeits-Research und der Konzeption von Investmentprodukten. „Technologisches Herz" sind die rfu Nachhaltigkeitsmodelle für Unternehmen, Länder und Rohstoffe.

Weitere Leistungen sind u.a. die Erstellung von Prüfgutachten nach dem Österreichischen Umweltzeichen sowie Second Party Opinions zur Emission von Green und Social Bonds.

Weitere Informationen finden Sie auf www.rfu.at

Über die Artikelserie "GOING GREEN":
GOING GREEN ist eine monatliche Kolumne auf e-fundresearch.com zu Entwicklungen und Hintergründen im nachhaltigen Investment, verfasst von Reinhard Friesenbichler und seinen Kolleginnen und Kollegen aus der rfu.

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