Going Green | Der bittere Beigeschmack von Halloween

Süßigkeiten gehören zu Halloween wie Kürbisse und Kostüme. Doch der Genuss hat einen bitteren Beigeschmack. Die aktuelle rfu Analyse zeigt, welche ökologischen und sozialen Folgen Kakao-, Palmöl- und Zuckerproduktion weltweit haben. Research | 31.10.2025 10:30 Uhr

Going Green | Der bittere Beigeschmack von Halloween

Rund um Halloween ist die Zeit, in der wir uns gerne gruseln - der Nebel bedeckt, wie ein mysteriöser Schleier, die Landschaft. Schauderhafte, in Kürbisse geschnitzte Gesichter, starren hell erleuchtet in die Dunkelheit, die immer früher eintritt. Schaurig-schön für die meisten, vor allem auch die Kinder, doch am süßesten ist diese Saison wohl für die Konsumkultur. Zuckerl, Schokoriegel, gruselige Fruchtgummis und mehr landen in den Körben der verkleideten Kinder, oftmals aber mit einem bitteren Beigeschmack. Der folgende Artikel soll keine Kritik am Halloweenfest sein, sondern die großen Nutznießer dieser Tradition - und damit sind die großen Lebensmittelkonzerne gemeint - kritisch unter die Lupe nehmen.

Süßes sonst gibt’s Saures? Das Saure kommt schon vor dem Süßen

Den nachhaltigkeitsbewussten Konsumierenden läuft eine Gänsehaut über den Rücken, bei näherer Betrachtung der Konzerne, die sich hinter den bunten, glitzernd verpackten, wunderbar schmeckenden Goodies verstecken.

Der Gesamtmarkt für Süßigkeiten wird für das Jahr 2025 auf 500 Milliarden US-Dollar geschätzt. Zum Vergleich: das gesamte Bruttoinlandsprodukt für Österreich liegt dieses Jahr nur knapp über diesem Wert.

Zu den großen börsennotierten Playern im Süßigkeitensegment zählen insbesondere Mondelez International (Milka, Oreo, Toblerone), Nestlé (KitKat, Smarties), Hershey und Lindt & Sprüngli. Diese Unternehmen haben einen enormen Einfluss auf ihre globalen vorgelagerten Lieferketten, die vor allem in den Rohstoffbereichen Kakao, Palmöl und Zucker liegen. Diese Rohstoffe bringen ökologische und soziale Probleme mit sich.

Für die Arbeitskräfte in ist jede Season eine spooky Season - seit Jahrzehnten sind die persistierenden sozialen Probleme hinsichtlich fairer Entlohnung der Kakaobauern, Einhaltung der Arbeitsrechte sowie Kinderarbeit auf den Plantagen bekannt.

Jährlich werden übrigens rund 2 Millionen Tonnen Kakaobohnen für die weltweite Schokoladeproduktion gebraucht. Die größten Schokoladekonsument*innen weltweit leben in Luxemburg mit mehr als 27g pro Tag und Kopf. Österreich liegt hier mit 1,8g weit abgeschlagen. In Europa werden rund 50 Prozent der gesamt weltweit produzierten Schokolade gekauft.

Auch der Einfluss auf die Umwelt ist schauderhaft - zu den negativen ökologischen Auswirkungen von Kakao zählen beispielweise der Einsatz von Pestiziden, Rodungen, die teilweise illegal passieren, die Zerstörung von Ökosystemen durch Monokulturen, enorme CO2-Emissionen durch globale Transportwege sowie der Einsatz von nicht recycelbaren Mehrschichtfolien in der Verpackung.

Ganz langsam aber doch legen die Konzerne (gezwungenermaßen) ihre Verkleidungen ab, da sie doch zunehmend durch NGOs und das kritische Auge der Konsument*innen in der Kritik stehen. Schritte in die richtige Richtung können zumindest hinsichtlich der Unternehmenstransparenz bezüglich der Lieferketten vernommen werden. Initiativen und Zusammenarbeiten mit NGOs sowie Gütesiegel stimmen außerdem vorsichtig optimistisch. Auch wenn auf EU-Ebene dem Lieferkettengesetz gerade ein Dämpfer verpasst wurde.

Auch nach dem Süßen kommt noch Saures

Im Rahmen dieses Artikels maßen wir uns keinesfalls an, die Leser*innenschaft über Ernährungsfragen zu belehren. Die immer wieder in Zusammenhang mit Süßigkeiten aufgeworfenen Themen wie die empfohlene Tagesdosis an Zucker, Diabetes Typ II und die Fettleber-Problematik sind allgemein bekannt und können selbstbestimmt von Konsument*innen vermieden werden.

Welchen Impact die Lebensmittelkonzerne allerdings in der nachgelagerten Lieferkette auf die Umwelt haben, zeigt sich wie ein gruseliger Halloween-Spuk: Unsichtbar und doch mit Nachhall, der den Planeten erschrecken lässt.

Die Millionen Tonnen an Plastik-Müll, die nicht zuletzt durch Einzelverpackungen wie für Süßigkeiten entstehen, bleiben über Jahrzehnte bis Jahrhunderte ein Schrecken für die Umwelt und können selbst dann nicht vollständig abgebaut werden und treiben als Mikroplastik weiter ihr Unwesen.

Ein weiterer Faktor, der die Umwelt massiv belastet, sind die oftmals globalen Transportwege der Produkte, die unheimlich große Mengen an CO2 und anderen Treibhausgasen verursachen. Diese treiben als eine Art unsichtbare Poltergeister die Erderwärmung weiter voran und können nicht mehr zurückgerufen werden.

Süßes für die Seele

Trotz all diesen gruseligen Faktoren soll eines klargestellt sein: die schaurig-schöne Zeit rund um Halloween kann genossen werden, die Feste gefeiert und die Süßigkeiten gegessen. Die Entscheidungen gegen Produkte, die aus den Gruselkabinetten der großen Lebensmittekonzerne kommen, und für alternative Anbieter aus der Region, die Wert auf eine nachhaltigere Lieferkette legen, kann jede*r für sich treffen.

Wer mehr über Kakao anhand des rfu Rohstoffmodells erfahren möchte, dem sei u.a. die Grafik in unserem GOING GREEN zum Thema „Rohstoffe als Spiegel des Weltgeschehens“ empfohlen.

Über die rfu:

Die rfu, mit Sitz in Wien, ist Österreichs Spezialistin für Nachhaltiges Investment und Management und unterstützt institutionelle Kunden mit Nachhaltigkeits-Research und der Konzeption von Investmentprodukten. „Technologisches Herz" sind die rfu Nachhaltigkeitsmodelle für Unternehmen, Länder und Rohstoffe.

Weitere Leistungen sind u.a. die Erstellung von Prüfgutachten nach dem Österreichischen Umweltzeichen sowie Second Party Opinions zur Emission von Green und Social Bonds.

Weitere Informationen finden Sie auf www.rfu.at

Über die Artikelserie "GOING GREEN":
GOING GREEN ist eine monatliche Kolumne auf e-fundresearch.com zu Entwicklungen und Hintergründen im nachhaltigen Investment, verfasst von Reinhard Friesenbichler und seinen Kolleginnen und Kollegen aus der rfu.

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