Kein ESG-Backlash in der österreichischen Fondsbranche. Anteil der nachhaltigen Fonds bleibt 2025 auf hohem Niveau stabil

Knapp über die Hälfte aller Assets in österreichischen Wertpapierfonds sind gemäß SFDR als nachhaltig deklariert. Der Anteil anspruchsvoller Nachhaltigkeitsfonds, insbesondere jener mit dem Österreichischen Umweltzeichen, sinkt leicht auf 14,3% (von 16,1% im Jahresvergleich). Research | 01.04.2026 15:44 Uhr

Vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen kann der Eindruck entstehen, dass ESG- und nachhaltige Fondsangebote an Dynamik verlieren oder sogar rückläufig sind, insbesondere aufgrund regulatorischer, politischer und marktspezifischer Faktoren. Aber die jährliche Austrian ESG Funds Survey der rfu research belegt: In Österreich halten sowohl Anbieter als auch Anleger am Nachhaltigkeitsprinzip fest.

Wie in den Vorjahren wird zwischen zwei Nachhaltigkeits-Kategorien unterschieden:

(1) Anspruchsvolle Nachhaltigkeitsfonds sind zertifiziert (133 mal mit dem Österreichischen Umweltzeichen, 64 meist zusätzlich mit dem FNG-Siegel) oder nach Artikel 9 SFDR deklariert. Zum Stichtag 31.12.2025 umfasst diese Kategorie 155 Fonds mit 33,9 Mrd. Euro bzw. 14,3% des österreichischen Fondsmarkts. Erstmals seit Erstellung der erweiterten jährlichen Austrian ESG Funds Survey 2022 ist dieses Produktsegment leicht rückläufig, um 1,5 Mrd. Euro bzw. einen Marktanteil von 1,8 Prozentpunkten.

(2) Breiter gefasst gelten Fonds mit Artikel 8- oder 9-Deklaration gemäß SFDR als nachhaltig. Sie machen mit 731 Fonds und 120,6 Mrd. Euro inzwischen 51% des Marktes aus – ein neuer absoluter Höchststand beim verwalteten Vermögen (+7,6 Mrd. Euro), während der Marktanteil im Vergleich zum Jahresende 2024 nahezu unverändert ist (-0,4 Prozentpunkte).

ESG deutlich größere Rolle bei Retail 

Nach Zielgruppen betrachtet, spielt ESG bei Retailfonds eine besonders starke Rolle: 27,0% des Vermögens sind anspruchsvoll nachhaltig, ESG-deklarierte Fonds erreichen sogar 64,5%. Die Zahl der zertifizierten Retailfonds sinkt leicht von 127 auf 125, während der Rückgang am Marktanteil, der nun bei 27% liegt (nach 29,9% im Vorjahr), deutlicher ausfällt. 

Kaum verändert zeigt sich die Gruppe der deklarierten ESG-Retailfonds, die um fünf Produkte zunimmt, auch wenn ihr Marktanteil leicht um 0,9 Prozentpunkte sinkt.

Bei institutionellen Fonds bleiben zertifizierte ESG-Anlagen mit 6,1% Marktanteil wenig bedeutend. Sowohl der relative Anteil (-0,6 Prozentpunkte) als auch der absolute (-0,1 Mrd. Euro) sind gegenüber dem Vorjahr leicht reduziert. Deklarierte Fonds erreichten hingegen mit 60,3 Mrd. Euro und einem Marktanteil von 42,2% neue Höchstwerte.

Drei Anbieter dominieren

Der ESG-Markt wird deutlich von Erste Asset Management, Raiffeisen KAG und Amundi Austria dominiert. Sie vereinen 73,2% der zertifizierten und 60,1% der deklarierten ESG-Assets – und positionieren sich damit überproportional gegenüber ihrem Gesamtmarktanteil von 50,8%.

Mit Blick auf die Entwicklung der anspruchsvollen Nachhaltigkeitsfonds zeigt sich zum Stichtag 31.12.2025 eine merkliche Abschwächung bei Fonds mit Umweltzeichen-Zertifizierung. Gegenüber der letzten Survey hat sich deren Anzahl von 146 auf 133 verringert. Darin zeigt sich zum einen die Zurücklegung mehrerer Produkte durch eine einzelne Fondsgesellschaft und zum anderen, dass der 2025 erfolgte Dialog zur neuen Umweltzeichen-Richtlinie zu einer maßvollen Erhöhung der Anforderungen geführt hat, ohne auf breiter Front Zeichennutzer zu verlieren. 

Die vollständige Austrian ESG Funds Survey 2026 steht im Laufe des April auf rfu.at (https://www.rfu.at/aktuelles/studien/ ) zur Verfügung.

Über rfu research GmbH

rfu research ist Spezialistin für Nachhaltiges Investment im umfassenden Sinne. Auf Grundlage dieser Kernkompetenz konzipieren wir nachhaltige Investmentprodukte, erstellen Nachhaltigkeits-Research und integrieren Nachhaltigkeit in Anlageprozesse.

Das „methodische Herz“ schlägt in den rfu Nachhaltigkeits-Ratings für Unternehmen, Länder und Rohstoffe.

Weitere Informationen finden Sie auf www.rfu.at

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