Vier Gründe werden dafür angeführt:
Erstens sind die Sonderfaktoren, die das erste Halbjahr belasteten, inzwischen vergangen. Jetzt muss man sich nicht mehr auf neue Wetterkapriolen einstellen.
Zweitens haben sich die üblichen Synergien eines Aufschwungs noch gar nicht entfaltet. Das wird erst jetzt beginnen. Dann steigen die Investitionen, weil es bei den Kapazitäten eng wird. Der Konsum erhöht sich wegen der Zunahme der Realeinkommen, vor allem wegen der niedrigen Preissteigerung.
Drittens expandiert der Welthandel, weil sich das Wachstum überall auf der Welt beschleunigt. Hier wird insbesondere auf die USA verwiesen.
Viertens schließlich ist die Geldpolitik expansiv. Die EZB hat hier gerade erst noch einmal nachgelegt. Sie wird den Banken in den nächsten Monaten noch einmal wenigstens 400 Mrd. Euro langfristige Finanzierungsmittel zur Verfügung stellen.
All das wird sich positiv auswirken. Andererseits sind es insgesamt eher weiche Faktoren, keine zwingenden Argumente. Vor allem gibt es auch Belastungen. Siehe zum Beispiel die zunehmenden politischen Spannungen in der Ukraine, im Nahen Osten und in Ostasien. Sie beeinträchtigen nicht nur den Export. Sie verunsichern auch die Unternehmen. In den Schwellen- und Entwicklungsländern gibt es Probleme. Im Inland legt der Bau eine Pause ein. Die deutsche Wirtschaftspolitik gibt nicht unbedingt wachstumsfreundliche Impulse (Rente mit 63, Mindestlohn, etc.).
Mit all dem will ich den Konjunkturaufschwung nicht abschreiben. Ich rate jedoch zu verstärkter Vorsicht. Wir müssen uns die kommenden Daten genau anschauen.
Für den Anleger sind die weiteren Konjunkturaussichten sehr wichtig. Jeder weiß, dass der Aufschwung am Aktienmarkt in den letzten Jahren über das hinausgegangen ist, was gesamtwirtschaftlich gerechtfertigt war. Die Bewertungen haben sich verschlechtert. Das war so lange nicht problematisch, wie die Geldpolitik locker blieb und man damit rechnen konnte, dass die Konjunktur zurückkommt. Wenn das aber nicht der Fall sein sollte, dann ruht die Hausse nur noch auf der Liquidität. Das ist aber kein sanftes Ruhekissen. Dies umso mehr, als die amerikanische Zentralbank anfängt, den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik vorzubereiten. Eine restriktive Politik in den USA hätte natürlich auch Auswirkungen auf die europäischen Börsen.
Dr. Martin Hüfner
Volkswirtschaftlicher Berater
direktanlage.at & Assenagon Asset Management
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