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Ende der Hausse muss keine Katastrophe sein

"Das Ende der Aktienhausse der letzten fünf Jahre muss keine Katastrophe sein. Wenn die Kurse moderater steigen, ist dies eine gesündere und nachhaltigere Entwicklung. Freilich steigen die Risiken (...)", so Ökonom Dr. Martin Hüfner in seinem aktuellen Gastkommentar. Economics |

Zum anderen ist das Wirtschaftswachstum nicht mehr so groß. Die noch zu Beginn des Jahres gehegte Hoffnung auf eine generelle konjunkturelle Belebung in der Welt hat getrogen. Die Welt steht zwar nicht vor einer neuen Rezession. Aber die Auftriebskräfte sind doch wesentlich schwächer als erwartet. Die Unternehmensgewinne steigen zwar, aber nicht so schnell, um die Überbewertung der Aktienkurse zu korrigieren und die Indizes für die Anleger wieder attraktiv zu machen.

Daraus folgen drei Punkte. Erstens ist eine Fortsetzung des Aktienaufschwungs im Tempo der letzten Jahre aus fundamentaler Sicht nicht mehr gerechtfertigt. Es müssen kleinere Brötchen gebacken werden. Das ist kein Beinbruch. Jeder vernünftige Mensch musste das erwarten. Bei dem niedrigen gesamtwirtschaftlichen Wachstum passen nur noch Kurssteigerungen von 5 bis 6% pro Jahr in die Landschaft. Zeitweise kann es auch zu Kursrückgängen kommen.

Zweitens: die Fundamentaldaten sind aber nicht so schlecht, dass man einen Mega-Absturz der Kurse fürchten muss. Es ist auch nicht so, dass Aktienkurse immer fallen müssen, wenn sie nicht mehr steigen. Die zwei Einbrüche nach der Blase der new economy im Jahr 2 000 (minus 70%) und nach der Pleite der Lehman Bank 2 008 (minus 50%) waren historisch gesehen Ausnahmen. Die„normalen“ Kursrückgänge bewegten sich in den sechzig Jahren der Nachkriegszeit eher in der Größenordnung von 10 bis 20%. Das ist es, auf das sich die Investoren einstellen müssen und was in der Risikoprämie für Aktien enthalten ist.

Drittens: Wenn die generelle Hausse zu Ende ist, verläuft die Entwicklung an den Aktienmärkten differenzierter. Die Zeiten von „Läuft Butter, läuft Käse“ sind dann vorbei. Der Anleger muss nach Chancen länger suchen. Das gilt für einzelne Unternehmen, die positiv oder negativ aus der allgemeinen Entwicklung herausragen können.

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Es gilt aber auch für regionale Märkte. Die Graphik zeigt, dass Italien und Spanien beispielsweise nach wie vor attraktiv für internationale Investoren sind. Die Turn-around-Situation in diesen Ländern ist noch nicht vorbei. Die Kursniveaus sind noch weit von den Höchstständen vor der Krise entfernt. Interessant ist auch Indien. Durch die Neuwahlen ist Ministerpräsident Nadrema Modi an die Macht gekommen, der sich eine Erneuerung des Landes mit mehr Wachstum auf die Fahnen geschrieben hat. Im bisherigen Verlauf des Jahres ist der Sensex um 23% gestiegen. Weitere Kursgewinne erscheinen möglich, wenn sich erste Erfolge der neuen Politik zeigen. In abgeschwächtem Maß könnte dies auch in Indonesien so kommen. Dort ist mit Joko Widodo ein neuer, wirtschaftsfreundlicherer Präsident an die Macht gekommen.

Für den Anleger:

Das Ende der Aktienhausse der letzten fünf Jahre muss keine Katastrophe sein. Wenn die Kurse moderater steigen, ist dies eine gesündere und nachhaltigere Entwicklung. Freilich steigen die Risiken. Anleger sollten daher spekulativere Werte meiden und eher in defensivere Titel umschichten. Sie bringen weniger Ertrag, sind dafür aber auch weniger Schwankungen ausgesetzt. Wichtig ist ferner, der Auswahl der Unternehmen und der Märkte größere Bedeutung zuzumessen. Als Volkswirt schaue ich vor allem auf die volkswirtschaftlichen Bedingen in einzelnen Märkten. Unter diesen Bedingungen ist Indien ein „Kauf“ (weil sich dort die Verhältnisse verbessern). Brasilien, wo die Kurse zuletzt ebenfalls stark gestiegen sind, schaue ich dagegen mit mehr Skepsis an. Dort stehen im Herbst Wahlen an.

Dr. Martin Hüfner
Volkswirtschaftlicher Berater
direktanlage.at & Assenagon Asset Management

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