KI-Boom und Versorgungssicherheit als strategische Kurstreiber
Die beeindruckende Performance von Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien im Jahr 2025 hat sich im ersten Quartal 2026 gefestigt und wirft die fundamentale Frage auf, ob der Sektor vor einer langfristigen Neubewertung steht. Das Spannungsfeld wird dabei durch zwei massive Treiber definiert: den enormen Strombedarf der KI-Infrastruktur sowie die durch geopolitische Krisen – insbesondere in der Straße von Hormus – verdeutlichte Verwundbarkeit fossiler Lieferketten. Ein wiederkehrendes Motiv in den Expertenstatements ist die Überzeugung, dass Erneuerbare mittlerweile weit über ökologische Aspekte hinaus an strategischer Bedeutung gewonnen haben. So verweist Boris Röder (Fonds Direkt AG) auf das enorme Wachstumspotenzial durch KI-Innovationen, während Michael Rae (M&G Investments) einen strukturellen Aufschwung sieht, der durch marktnahe Subventionsniveaus und die fortschreitende Elektrifizierung getragen wird. Gestützt wird diese Sicht unter anderem durch Andreas Rätzel (GLS Investments), der betont, dass Energiesouveränität und ökonomische Rentabilität dezentrale Energiequellen heute geradezu „alternativlos“ machen.
Das Energietrilemma: Infrastrukturhürden und fossile Restrisiken
Gleichzeitig mahnen einzelne Stimmen zur Vorsicht und plädieren für einen differenzierteren Blick auf die Komplexität der globalen Transformation. Neben den konstruktiven Argumenten rücken infrastrukturelle Hürden und die Notwendigkeit fossiler Brückentechnologien in den Fokus. So gibt Neil Brown (Jennison Associates) zu bedenken, dass die bloße Elektrifizierung an die Realität alternder Netze stößt und das „Energietrilemma“ aus Erschwinglichkeit, Sicherheit und Emissionen auch Erdgas miteinschließen müsse. Während Christian Geier (Metzler Asset Management) aufgrund anhaltender geopolitischer Risikoprämien weiterhin Chancen in der Diversifizierung fossiler Quellen und in Offshore-Öl sieht, fällt der Blick auf die Profitabilität einzelner Subsektoren skeptisch aus. Roger Rüegg (Swisscanto/ZKB) bleibt etwa bei Herstellern von Solar- und Windturbinen vorsichtig und mahnt, dass innerhalb der Wertschöpfungskette vor allem die Selektion profitabler Qualitätsunternehmen entscheidend bleibt, um den aktuellen Optimismus in langfristigen Mehrwert zu übersetzen.
Mit den Pfeiltasten (← / →) oder per Wischgeste auf Mobilgeräten können Sie durch die Antworten der Expertinnen und Experten navigieren.
WERBUNG
Hinweis: Dies ist Teil 2 von 2 unserer Umfrage zum Thema Renewables. Teil 2 mit weiteren Experteneinschätzungen, unter anderem von den Häusern Robeco, Fidelity International und BANTLEON, finden Sie hier.
Die Teilnehmer der e-fundresearch.com Survey:
- Neil Brown – Jennison Associates
- Peter Michaelis – Liontrust Asset Management
- Christian Geier – Metzler Asset Management
- Michael Rae – M&G Investments
- Boris Röder – Fonds Direkt AG
- Roger Rüegg – Swisscanto/ZKB
- Christian Hein – Apo Asset Management GmbH
- Andreas Rätzel – GLS Investments
- Adrien Dumas – Mandarine Gestion
- Alexander Weiss – Erste Asset Management
- Tom Levering – Wellington Management
Weitere beliebte Meldungen: