Das Informationsangebot rund um Investmentfonds nimmt beständig zu. Neben der wieder rasant ansteigenden Anzahl der in Österreich, Deutschland oder der Schweiz zugelassenen Fonds sind die Analyse- und Datenbanksysteme der einzelnen Anbieter in den letzten 2-3 Jahren besonders stark ausgeweitet worden. So bietet heute eine professionelle Fondsdatenbank zu jedem Fonds im Schnitt mehr als 200 verschiedene Datenfelder, teilweise sogar bis zu 300. Aber auch im Internet frei zugängliche Fondsanalysetools wurden zuletzt deutlich ausgeweitet was für viele Anleger vor allem eines bedeutet: Zunehmende Orientierungslosigkeit im Fondsdschungel.
Die Datenbankanbieter reagieren damit aber nur auf einen bereits seit längerem anhaltenden Trend hin zu mehr Transparenz im Fondsmarkt. Neue Kennzahlen kommen laufend hinzu: Nach der letzten UCITS-Novelle muss etwa die jährliche Gesamtkostenquote (TER) bzw. der Portfolioumschlag im vereinfachten Fondsprospekt genannt werden. Eine Entwicklung die eigentlich ganz im Sinne des Anlegers ist, der dadurch in der Lage ist eine noch mündigere Rolle bei der Fondsauswahl einzunehmen.
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„Pictet TR-Mandarin: Innovationen in Greater China mit einem Long/Short-Ansatz nutzen“ | Einladung zum Online-Event mit Nataliya Taleva, Senior Client Portfolio Managerin im Hedgefonds-Team von Pictet...Was machen die Profis?
Anstatt vor der Informationsflut zu kapitulieren, sollten sich Anleger also lieber an den Profis orientieren. e-fundresearch sprach mit Experten von zwei Schweizer Asset Managern, die alle eines gemeinsam haben: Als Chefs der jeweiligen Fondsanalyseabteilungen haben Sie tagtäglich mit der Auswahl von Investmentfonds zu tun:
Für Andrea Schulzke, Head of Fund Selection bei der Credit Suisse, stellt sich die Frage der Informationsflut eigentlich gar nicht. Im sehr strukturierten Fondsauswahlprozess geht sie zuerst an die quantitative Vorauswahl. „Hier spielen für uns risikoadjustierte Kennzahlen wie z.B. Sharpe oder Information Ratio eine Rolle“, skizziert die Expertin. Fonds, die im Vergleich zur Benchmark keinen eindeutigen Mehrwert bringen, fallen über diesen Weg bereits weg. Als Zeiträume zieht Schulzke dabei verschiedenste Perioden heran: „Wir analysieren vor allem, wie sich der Fonds in Phasen steigender und fallender Märkte absolut und relativ zur Benchmark verhält“. Überhaupt sollte der Fonds bereits über eine Historie von drei Jahren bzw. ein Fondsvolumen von 50 Mio. CHF verfügen, um in einem zweiten Schritt qualitativ analysiert zu werden.
Im persönlichen Gespräch mit dem Fondsmanager zählt für Schulzke dann vor allem das Verständnis für die Investmentphilosophie, auch um selbst Vertrauen in den jeweiligen Fondsmanager aufbauen zu können. Bei der Frage, ob ein Star-Fondsmanager oder ein Teamansatz besser ist, will sie sich nicht festlegen: „Beides hat Vor- und Nachteile“. Die Marke eines Fonds spielt für sie bei der Selektion dagegen keine Rolle: „Eine starke Marke hilft sicherlich im Vertrieb gegenüber dem Privatkunden, bei unserer Analyse ist der Name aber nachrangig“. Lieber hält sie Augen und Ohren offen, um so genannte Boutiquen, also Asset Manager, die sich auf ein spezielles Segment spezialisiert haben, zu finden.
Ganz anders geht Patrick Roefs, Leiter der Fondsanalyse bei der Julius Baer Gruppe vor. Am Anfang seiner Analyse steht die Fondsgesellschaft als Unternehmen: „Wir arbeiten ausschließlich mit 20 ausgewählten Fondsunternehmen zusammen“. Bei der Selektion dieser so genannten Preferred Partner zählen ein guter Service, Qualität der Produkte und Prozesse, eine angemessene Kostenstruktur sowie vor allem ein breites Fondsuniversum. „Um dennoch ein genügend grosses Fondsuniversum zur Verfügung zu haben, sollte ein Preferred Partner schon etwa fünf sehr interessante Fonds haben, die in Deutschland bzw. der Schweiz zugelassen sind. Außerdem sollte ein Fonds mindestens 50 Mio. bis 100 Mio. CHF an Volumen aufweisen, um auf die Empfehlungsliste zu kommen“, erklärt der Experte, für den Boutiquen deswegen nur in Ausnahmefällen in Frage kommen. Weiters fordert Julius Baer von seinen Partnern vollkommene Transparenz: „Wir verlangen mit einer Verzögerung von einem Monat alle Einzeltitel eines Portfolios“. Julius Baer Fonds analysiert Roefs und sein Team aus Gründen der Unabhängigkeit allerdings nicht.
Auf die richtige Peer-Group kommt es an
Bei der konkreten Produkteauswahl sieht Roefs seine Hauptaufgabe darin, die Fonds in saubere Vergleichsgruppen nach Regionen, Themen, Kapitalisierung und Stilen einzuteilen: „Die Frage nach dem besten Fonds stellen wir uns gar nicht, denn den gibt es nicht. Vielmehr wollen wir den passendsten Fonds auswählen“, stellt der Schweizer klar. Gleichzeitig sei dies aber auch der schwierigste Teil seiner Arbeit: „Durch die erweiterten Anlagemöglichkeiten von Anlagefonds wird die Einteilung in die richtige Peer Group immer schwieriger“.
Anlegern rät er bei der Fondsauswahl sich nicht allzu viel vom Marketing der Anbieter beeinflussen zu lassen. Neue Produkte, die oftmals im Fokus der Werbung stehen, müssen nicht unbedingt besser als schon bestehende Fonds sein. „Für unsere Empfehlungslisten kommen sowieso nur Produkte in Frage, die eine gewisse Historie aufweisen können“. Seine Antwort auf die zunehmende Informationsflut lautet Konzentration auf einige wenige, dafür aber gute Gesellschaften: „Lieber wenige gut kennen, als viele wenig kennen“.
Fazit
Auch die Experten scheinen kein eindeutiges Erfolgsrezept für die Fondsauwahl parat zu haben. Beide betonen jedoch die Vorteile risikoadjustierter Renditen um Vergleich zu absoluten Erträgen. Außerdem kommen für beide erst Produkte mit einem Mindestvolumen von 50 Mio. CHF in Frage. Anleger müssen sich aber wohl damit abfinden, dass es den besten Fonds per se nicht gibt. Je nach Anlagedauer und Risikoprofil obliegt es dem Investor bzw. seinem Berater zuerst Anlagekategorien bzw. Stile zu identifizieren. Erst danach gilt es sich auf die Suche nach dem passendsten Fonds zu machen…
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