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M&G-Vertriebschef Kolitsch: "Asset-Manager müssen sich zum Lösungsanbieter entwickeln"

Seit knapp 5 Jahren ist Werner Kolitsch für das Deutschland- und Österreich-Geschäft von M&G Investments verantwortlich. Auf welche erreichten Meilensteine er dabei gerne zurückblickt, worauf er lieber hätte verzichten können und wo er die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für das deutschsprachige Fondsgeschäft sieht, konnte e-fundresearch.com in einem Exklusiv-Interview diskutieren. Markets | 11.02.2020 10:30 Uhr
Werner Kolitsch, Head of Germany and Austria, M&G Investments / © M&G Investments
Werner Kolitsch, Head of Germany and Austria, M&G Investments / © M&G Investments

e-fundresearch.com: Herr Kolitsch, zumindest was die Marktperformance anbelangt hat die Asset Management Industrie 2019 ein sensationelles Jahr verzeichnen dürfen. Wie waren Sie mit der relativen Performance der wichtigsten M&G Strategien im vergangenen Jahr zufrieden und in welchem Ausmaß haben Sie das positive Performance-Momentum auch in Zuflüsse verwandeln können? 

Werner Kolitsch: 2019 war ein erfolgreiches Jahr für uns. Vor allem freut mich die positive Entwicklung des M&G Global Themes Fund, der einigen Anlegern noch unter dem Namen M&G Global Basics bekannt sein wird. Dieser Fonds wird seit etwas mehr als einem Jahr sehr erfolgreich von Alex Araujo gemanagt, der den Investmentansatz reformiert hat und sich auf die Themen Demografie, Innovation, Umwelt und Infrastruktur konzentriert. Dabei stehen Unternehmen im Vordergrund, die Wandel gestalten können, sich aber auch bereits am Markt bewiesen haben und deshalb hohe Cashflows vorweisen können – wir investieren lieber in Toyota als in Tesla. Seit März 2019 bieten wir unseren Kunden diese Strategie auch als Luxemburger SICAV an. 

Auch was die Zuflüsse in Deutschland und Österreich betrifft, sind wir sehr zufrieden. Das verwaltete Vermögen, das wir für private Investoren in Deutschland managen, konnten wir 2019 auf rund 5,5 Milliarden Euro steigern.  

Wir haben von unseren Kunden aber auch sehr positives Feedback und viel Interesse für unsere neu aufgelegten ESG- und Impact-Fonds erhalten. Diese Produkte sind sehr überzeugend gestartet und heben sich vom Wettbewerb ab.

e-fundresearch.com: Auf welche Strategien hat sich das Interesse der Fondsinvestoren Österreichs und Deutschlands im vergangenen Jahr vor allem fokussiert? Waren es die „M&G Evergreens“ (allen voran Optimal Income) oder neuere Fondskonzepte? 

Werner Kolitsch: Flexible Anleihestrategien als defensivere Anlage sind weiter gefragt. Wir haben von unseren Kunden aber auch sehr positives Feedback und viel Interesse für unsere neu aufgelegten ESG- und Impact-Fonds erhalten. Diese Produkte sind sehr überzeugend gestartet und heben sich vom Wettbewerb ab. Unsere nachhaltige Multi-Asset-Strategie kombiniert beispielsweise einen ESG- mit einem Impact-Ansatz über alle Anlageklassen hinweg. Zwischen 10 und 30 Prozent des Portfolios werden dabei in Impact Assets investiert, die einen positiven gesellschaftlichen Effekt im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele der UNO haben. Wie bei unseren klassischen Multi-Asset-Portfolios steht die Asset Allokation als Treiber der Performance im Vordergrund, denn der finanzielle Aspekt spielt bei der Geldanlage weiterhin die entscheidende Rolle. Doch durch die Auswahl der konkreten Anlageobjekte ermöglichen wir gleichzeitig unseren Kunden, ihre Investments stärker mit ihren Werten in puncto Umwelt und Gesellschaft in Einklang zu bringen. Diese beiden Ziele schließen sich nicht aus – und dazu passt es auch, dass sich Impact Investing in relativ kurzer Zeit von einer Nische zu einem veritablem Anlagesegment entwickelt hat.

Daneben war 2019 aber auch die Nachfrage nach themenorientierten Anlagen hoch, insbesondere im Bereich der Infrastruktur. Der Ende 2017 aufgelegte M&G (Lux) Global Listed Infrastructure Fund hat inzwischen ein Fondsvolumen von etwas über 200 Millionen Euro erreicht.  

Außerdem werden wir uns zukünftig noch sehr viel stärker auf unsere Private-Assets-Expertise konzentrieren, und das ist auch der Bereich, in dem wir in Deutschland und Österreich noch stärker wahrgenommen werden wollen.

e-fundresearch.com: Welche Ansätze stehen mit Blick auf das neue Jahr(zehnt) bei Ihnen und Ihrem Team verstärkt im Fokus? Gibt es gewisse Bereiche, wo M&G Ihrer Meinung nach stärker wahrgenommen werden sollte? 

Werner Kolitsch: 2020 und darüber hinaus setzen wir den Fokus auf unsere ESG- und Impact-Strategien – zum Beispiel den 2018 aufgelegten M&G (Lux) Positive Impact Fund – sowie auf das thematische Investieren. Außerdem werden wir uns zukünftig noch sehr viel stärker auf unsere Private-Assets-Expertise konzentrieren, und das ist auch der Bereich, in dem wir in Deutschland und Österreich noch stärker wahrgenommen werden wollen. M&G bietet institutionellen Investoren sehr viel Erfahrung im Management alternativer Investments und eine große Bandbreite an Lösungen von Private Debt über Infrastruktur bis hin zu Immobilien. Unsere Immobilienfondssparte managt allein rund 35 Milliarden Euro. Eine spannende Strategie in diesem Segment ist das Thema Long Lease Real Estate, das in Großbritannien schon etablierter ist: Hier wird in Immobilien mit bonitätsstarken Mietern, hochwertigen Gebäuden und vor allem langlaufenden, inflationsindexierten Mietverträgen mit einer Mindestlaufzeit von 15 Jahren und mehr investiert.  

Kunden außerhalb Großbritanniens wollten wir damit so viel Planungs- und Rechtssicherheit wie möglich bieten.

e-fundresearch.com: Mittlerweile sind Sie seit knapp 5 Jahren für das Deutschland- und Österreich-Geschäft von M&G zuständig: Was waren rückblickend gesehen die größten Meilensteine, die Sie und Ihr Team bislang erreichen konnten?  

Werner Kolitsch: Für uns als internationalen Asset Manager war der Aufbau einer SICAV-Plattform in Luxemburg seit dem Brexit-Referendum 2016 zentral. Kunden außerhalb Großbritanniens wollten wir damit so viel Planungs- und Rechtssicherheit wie möglich bieten. Dabei haben wir dreierlei erreicht: Erstens haben wir eine SICAV-Fondspalette mit den für unsere Kunden wichtigsten Strategien geschaffen. Zweitens wurden von 25 britischen OEIC-Fonds die nicht auf Pfund lautenden Anteilsklassen in Luxemburger SICAVs übertragen. Eine Ausnahme bildet der Global Themes, den wir bewusst und auf Kundenwunsch in beiden Fondsstrukturen belassen haben, um höchste Flexibilität zu ermöglichen. Und drittens konnten wir in den letzten zwei Jahren eine Reihe neuer Fonds auf dieser Plattform auflegen. 

Wir haben zudem in den letzten fünf Jahren unser Vertriebsteam mit Experten für sämtliche Kundensegmente hervorragend aufgestellt. Unterstützt wird das Team inzwischen auch durch einen lokalen deutschsprachigen Investmentspezialisten. Darüber hinaus ist der Ausbau unserer Beziehungen mit institutionellen Investoren eine wichtige Entwicklung – seit letztem Jahr steht mit Ingo Matthey ein deutschsprachiger Experte vor Ort in Frankfurt als Ansprechpartner zur Verfügung. Und last but not least, war für unser Unternehmen der größte Meilenstein in jüngster Zeit sicherlich der Börsengang an der Londoner Börse als M&G PLC im Oktober 2019. 

e-fundresearch.com: …und auf welche Herausforderungen hätten Sie mit Blick auf die letzten 5-Jahre gerne verzichtet? Es gibt wahrscheinlich amüsanteres, als sich neben dem Kampf und Marktanteile auch noch um Brexit-Strategien kümmern zu müssen? 

Werner Kolitsch: Der Brexit war ja für die gesamte Branche eine Herausforderung. Wir sind jedoch gestärkt aus dieser neuen Situation hervorgegangen und können unseren Kunden heute eine breite Produktpalette als marktübliche Luxemburger SICAV-Struktur anbieten. 

Über die letzten fünf Jahre waren auch die Mifid II Vorgaben für die gesamte Branche eine Umstellung. Regularien, die mehr Transparenz für unsere Kunden schaffen, begrüßen wir natürlich. Allerdings haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass aufseiten unserer Vertriebspartner und Kunden ein erheblicher Mehraufwand bei Wertpapiergeschäften entstanden ist, was alle Marktteilnehmer vor größere Herausforderungen gestellt hat. Zukünftig wird sich das regulatorische Umfeld wohl eher noch weiter intensivieren. 

...die Branche sieht sich zunehmend mit steigenden Kosten und sinkendem Ertrag konfrontiert und muss diesen Herausforderungen mit tragfähigen Lösungen begegnen. Asset-Manager müssen sich deshalb vom reinen Produktanbieter zum Lösungsanbieter für ihre Kunden entwickeln.

e-fundresearch.com: Abschließend: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für den Fondsvertrieb in Europa und vor allem dem deutschsprachigen Raum? Welche Entwicklungen stehen bei Ihnen aktuell ganz oben auf der Agenda? 

Werner Kolitsch: Die Schlagworte sind hier sicherlich wie erwähnt die Regulierung, aber auch Kostendruck und Digitalisierung. Die Asset-Management-Industrie durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Gebührendruck durch passive Anlagen, zunehmende Regulierungsdichte in der Vertriebskette, niedrigere Marktrenditen durch die anhaltende Tiefzinspolitik, neue Technologien und branchenfremde Anbieter, die in Konkurrenz zu etablierten Akteuren treten – die Branche sieht sich zunehmend mit steigenden Kosten und sinkendem Ertrag konfrontiert und muss diesen Herausforderungen mit tragfähigen Lösungen begegnen. Asset-Manager müssen sich deshalb vom reinen Produktanbieter zum Lösungsanbieter für ihre Kunden entwickeln. Ein aktives Haus wie M&G möchte seinen Kunden einen Mehrwert liefern und Lösungen liefern, die beispielweise passive Anbieter nicht oder nur schwer darstellen können. Multi-Asset, Real Assets und nachhaltige Strategien sind da ein gutes Beispiel.  

e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch & weiterhin viel Erfolg, Herr Kolitsch! 

Kurzbiografie des Gesprächspartners:
Werner Kolitsch ist Head of Germany and Austria bei M&G Investments. Bevor er im März 2015 zu M&G kam, hatte Kolitsch seit 2009 die Leitung von Threadneedle in Deutschland und Österreich inne. Zuvor verantwortete er bei der Privatbank Krentschker & Co AG als Leiter Asset Management mehrere Dachfonds und war bei Alpha Vermögensanlagen im Produktmanagement tätig. Kolitsch studierte Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der Universität Graz und ist zertifizierter EFFAS-Finanzanalyst.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.
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