Gröschls Mittwochskommentar: 18/2023

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 03.05.2023 12:00 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

Fürchte das war´s leider mit der Ruhe. Auch die vorherige Einschätzung, dass es diesmal kaum bis keine Parallelen zur Bankenkrise in 2008 ff gibt, muss ich leider teilrevidieren. Was immer noch stimmt, ist, dass vor allem die großen Banken in deutlich besserer Verfassung sind und eine erheblich bessere Kapitalausstattung haben als das damals der Fall war. Was sich aber leider nicht verändert hat, ist das grundlegende Geschäftsmodell, das nach wie vor auf Vertrauen aufbaut. Dieses hat leider zuletzt deutlich gelitten. Nicht, dass bisher irgendwer seine Einlagen verloren hätte, wurden as of now nur die Kapitalgeber bestraft. Ob das fair ist, sei einmal dahingestellt, dass ich als Investor aber eher versucht bin, das Weite zu suchen, wenn ich täglich damit rechnen muss, der nächste zu sein, der zum Handkuss kommt, ist jedenfalls nicht verwunderlich.

Wenn aber die rationale Seite (die Investoren) wegbricht, weil sie in permanenter Angst lebt, dass die irrationale Seite (die Kunden/Einleger ;-)) die Flaggen streicht und zum größeren, vermeintlich sichereren Mitbewerber überläuft, dürfte das auch im Interbanken-Markt nicht dazu führen, dass die Kreditlinien untereinander vergrößert werden. Naja, und dann haben wir den Salat. Kann eine Bank ihren kurzfristigen Verpflichtungen nicht nachkommen, ist nämlich Schicht im Schacht. Freuen tut sich aktuell noch der Herr Dimon, der sonst ob seiner Größe (der seiner Bank, er ist ja nicht einmal 1.80. ;-)) und des US Regulariums keine Mitbewerber mehr übernehmen dürfte. Schau mer mal…

Mit ein bisserl Abstand betrachtet, war es vielleicht naiv zu glauben, dass der Markt einen derart aggressiven Zinsanhebungszyklus ohne den einen oder anderen Blowout übersteht bzw. die eine oder andere regionale Katastrophe das ganze Schiff nicht ins Wanken bringt. Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist die ,zweifelsohne höchst resiliente, Realwirtschaft stark genug, sich – sollte es denn tatsächlich dazu kommen – von einem etwas strauchelnden Finanzmarkt abkoppeln zu können bzw. diesen sogar aufzufangen und wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen? Ganz sicher bin ich mir da nicht, wiewohl die Voraussetzungen insbesondere mit dem super engen Arbeitsmarkt so schlecht nicht wären. Noch ist also nicht alles verloren…*lol*

Ob die Zentralbanken in den USA und Europa mit ihren anstehenden Entscheidungen aktuell wirklich was richtig machen können, ist vor dem Hintergrund des oben Geschriebenen auch nicht ganz sicher. Beide dürften jedenfalls weitere 25 Basispunkte drauflegen, womit die FED langsam, aber sicher dem Ende nahekommen sollte, die EZB aber noch hübsch Platz nach oben hat. So weit, so nachvollziehbar. Nicht ganz so leicht tu ich mir dafür mit der BOJ, mag schon sein, dass wenn man gerade in einer eher konservativen ;-) Gesellschaft eine Führungsposition übernimmt, das Häusl nicht gleich in die Kuchl umbauen will, aber sooo more of the same bei doch deutlich positiver Inflation, zeugt auch nicht unbedingt von (Selbst)Vertrauen in die eigene Wirtschaftsentwicklung.

Was diesmal deutlich erfreulicher ist als in früheren Perioden des Zweifels an der kurzfristigen Risikoneigung des (Aktien)Marktes, sind die nicht ganz schlechten Alternativen. Die kurzen Zinsen haben in vielen Gegenden rund um den Globus recht ansprechende Niveaus erreicht und die Risikoprämien sind (selektiv) sehr attraktiv. Natürlich werden die Defaulrates ansteigen, aber hier sollte es möglich sein, Sektoren und in letzter Konsequenz Unternehmen zu vermeiden, die´s tatsächlich erwischen wird, ohne sich einem signifikanten komparativen Nachteil auszusetzen. Das ETFs insbesondere im Unternehmensanleihen Bereich wahrscheinlich nicht der Weisheit letzter Schluss sind, dürfte sich ja schon herumgesprochen haben.

 Zusammenfassend (für heute ;-)) lässt sich also festhalten, dass die Lage, wenn auch nicht ernst, zunehmend hoffnungsloser werden könnte, es also monatsbedingt Zeit sein könnte, das Winterquartier Richtung Karibik (oder wo´s halt sonst so schön ist ;-)) zu verlassen und sich erst um St. Ledger wieder zurückzumelden. Wir werden aber natürlich die Stellung halten, und die Angelegenheit quasi erste Reihe fußfrei beobachten… :-)

So long!

Florian

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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