Hinweis: Dies ist Teil 2 unserer Experten-Umfrage zu China. Teil 1 finden Sie hier.
e-fundresearch.com #AssetAllocationForum: Chinesische Aktien: Attraktive Bewertungen oder fallendes Messer?
Auch im Jahr 2023 stand China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, vor erheblichen Herausforderungen, die sich in einem schwierigen Jahr für das Land und einem Kampf um die Wiederherstellung des Anlegervertrauens manifestierten, der bis dato kläglich gescheitert ist. Der negative Newsflow brach auch 2024 bislang nicht ab: jüngst machte die Zerschlagung des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande Schlagzeilen.
Der Abverkauf (drei Kalenderjahre in Folge mit zweistelligen Verlusten) hat mittlerweile auch deutliche Spuren am langfristigen Track-Record des chinesischen Aktienmarktes hinterlassen: Auf Sicht von über 30 Jahren (seit Ende 1992) hat ein Investment in den MSCI China annualisiert gerade einmal mit 0,1% p.a. (in USD) rentiert. Und zwar vor Gebühren, Steuern und Inflation. Zum Vergleich konnte ein MSCI Emerging Markets Investment im gleichen Zeitraum immerhin 6,37% p.a. abwerfen, ein MSCI All Country World-Index gar 8,29%.
Quelle: MSCI.
Um zu verstehen, wie internationale Strategen die Attraktivität und die Rolle von chinesischen Aktien inmitten dieses "Abwärtsstrudels" aus negativer Performance und negativen Nachrichten einschätzen, hat die e-fundresearch.com Redaktion ihr Netzwerk aus CIOs, Kapitalmarkstrategen, Dachfondsmanagern, Fondsselektoren und anderen Asset-Allokatoren mit folgender Fragestellung konfrontiert:
Angesichts des scheinbar nicht enden wollenden Negativtrends: Wie berücksichtigen Sie chinesische Aktien derzeit in Ihrer Asset Allocation? Lohnt sich ein Engagement im chinesischen Aktienmarkt als westlicher Aktieninvestor überhaupt noch?
Alle erhaltenen Statements haben wir Ihnen nachfolgend aufbereitet. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und interessante Denkanstöße für Ihre Asset Allocation:
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Alternativ stehen Ihnen sämtliche Statements auch in der nachfolgenden Listenansicht zur Verfügung.
Andrea Quapp, Lead Investment Director, Multi Asset Class Solutions (MACS), Kontinentaleuropa, GAM Investments
Jean-Louis Nakamura, Leiter der Vontobel Conviction Equities Boutique, Vontobel
Die chinesische Wirtschaft hat mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Gleichzeitig prägen die politischen Präferenzen das Umfeld. Dabei schaffen die Behörden neue Ungleichgewichte indem Ressourcen und monetäre und steuerliche Anreize in dieselben Sektoren wie Halbleiter, Elektromobilität und Solarpaneele geleitet werden. So wächst das Risiko von Überkapazitäten und gedrückten Gewinnspannen sowie einer deflationären Dynamik.
Trotzdem, oder gerade deshalb, liegen die Aktien mit den besten Perspektiven sicher in den politisch geförderten Segmenten wie Spitzentechnologie. Dabei sollte der Fokus bei der Auswahl auf der Rentabilität und der Nachhaltigkeit der Unternehmen liegen, da die politischen Maßnahmen immer wieder auch zu Überkapazitäten und Preiskämpfen führen können.
Stephen Li Jen, CEO, Eurizon SLJ Capital
Aufgeschlüsselt nach Sektoren sind wir der Meinung, dass defensive Sektoren wie Versorger, Energie und staatliche Banken weiterhin eine überdurchschnittliche Performance erzielen werden, wenn keine bedeutenden politischen Maßnahmen ergriffen werden. Defensive Sektoren haben in der Regel hohe Dividendenrenditen, niedrige Bewertungen und ein stabiles Gewinnwachstum (auch wenn die Wachstumsrate niedrig ist), so dass sie unter den aktuellen Marktbedingungen mit niedrigen Erwartungen, Anleiherenditen und Einlagenzinsen als sichere Anlagen mit hohen Erträgen gelten. Ein weiterer Sektor mit positiven Aussichten ist der IT-Hardware-Sektor, da China stark in diesen Sektor investiert, um zu versuchen, unter den US-Sanktionen Fortschritte zu erzielen, und eine neue Runde des Aufwärtszyklus bei Halbleitern ist unter den Fortschritten der KI wahrscheinlich.
Jean-Marie Mercadal, CEO, SYNCICAP Asset Management, Teil von Ofi Invest AM
Insgesamt scheint sich die Wirtschaft zu stabilisieren, so dass die 2023 nach unten korrigierten Unternehmensgewinne wieder anziehen könnten. Chinesische Aktien erscheinen mit einem KGV von 9,8 sehr günstig, nach Schätzungen sollen die Unternehmensgewinne in diesem Jahr zwischen 10% und 15% steigen. In der Vergangenheit haben sich chinesische Aktien immer wieder stark erholt – oft in einer Größenordnung von 30% in wenigen Wochen. Dies könnte einige Anleger dazu veranlassen, zumindest taktisch Kurserholungen zu nutzen.
Sadettin Yildiz, CIO und Leiter Asset Management, DONNER & REUSCHEL
Christian Gombert, Fondsmanager, St.Galler Kantonalbank Deutschland AG
Der Grund für das unterschiedliche Pricing findet sich im fehlenden Engagement internationaler Investoren. Während sich die Gewinne im Reich der Mitte in die richtige Richtung bewegen – laut Bloomberg: +14% in 2024 und +12% in 2025 – sank das KGV nur im Zuge der Kursverluste, nicht der Gewinne. Das heißt, dass ausländische Investoren nicht bereit sind, ähnliche KGVs wie für die heimischen Märkte zu zahlen. Vor diesem Hintergrund haben wir in den letzten Wochen erste Positionen in China aufgebaut. Ziel ist eine Alternative zu den hochbewerteten US-Techwerten und gering wachsenden europäischen Aktien und eine attraktive Portfoliodiversifikation.
Thomas Altmann, Leiter Portfoliomanagement, QC Partners
Dabei ist die Situation im Reich der Mitte positiver als viele vermuten. Die Einzelhandelsumsätze haben 2023 einen Rekord erreicht. Chinas Anteil an der globalen Industrieproduktion ist seit 1997 von 5% auf 33% gestiegen. Anleger erwarten, dass die Firmen im HSCEI ihre Gewinne und Dividenden 2024 mindestens konstant halten. Daraus ergeben sich ein KGV von 7 und eine Dividendenrendite von 4,5%. Die Kurse liegen bei 75% der Buchwerte. Der Ausverkauf im Januar wurde durch Future-Verkäufe beschleunigt. So hat das Volumen der ausstehenden Kontrakte auf den CSI 300 den höchsten Stand in der 14-jährigen Future-Historie erreicht. Beim HSI-Future war es der dritthöchste Wert in 25 Jahren. Klar ist: All diese short-Positionen müssen in der Zukunft durch Käufe eingedeckt werden.
Auffallend ist zudem die inverse Volatilitätsstruktur, die häufig vor Wendepunkten auftritt.
Andranik Safaryan, Portfoliomanager, MainFirst Asset Management
Japan ist es während seines verlorenen Jahrzehnts nicht gelungen, die richtigen Investitionen zu tätigen. Die Regierung in China muss entsprechend hart arbeiten, um den Investitionsmotor wieder zum Laufen zu bringen, und ein verlorenes Jahrzehnt wie einst in Japan abzuwenden.
Hinweis: Dies ist Teil 2 unserer Experten-Umfrage zu China. Teil 1 finden Sie hier.
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