Europa rüstet auf - langsam, aber nachhaltig
Drei Jahrzehnte Unterinvestitionen, eine trügerische Friedensdividende und die Abhängigkeit von den USA - Europas Verteidigungsfähigkeit steht laut DWS weiterhin auf schwachen Füßen. Erst der russische Angriff auf die Ukraine habe ein Umdenken ausgelöst. Während Deutschland, Nordeuropa und die baltischen Staaten ihre Budgets deutlich erhöhten, bleiben Frankreich, Spanien und Italien aufgrund fiskalischer Zwänge zurück.
„Europa ist nur bedingt abwehrbereit und wird es vermutlich noch für einige Zeit bleiben“, heißt es im CIO Special. Doch genau darin sieht DWS ein langfristiges Investmentthema: Aufrüstung als strukturelles Projekt über Jahrzehnte.
Rüstungssektor: Nach dem Höhenflug beginnt die Selektion
Mehr als 500 Prozent Kursplus in fünf Jahren. Die Entwicklung des europäischen Verteidigungssektors war beeindruckend. Doch DWS warnt: Nach der Rallye folgt die Phase der Differenzierung. Fondsmanagerin Madeleine Ronner erklärt: „Vor einem Jahr konnte man mit nahezu jeder Position im Verteidigungssektor den Markt schlagen. Mittlerweile muss man deutlich genauer selektieren.“
Chart: Der Verteidigungssektor schlägt den Markt
Die DWS verweist auf die relative Entwicklung des europäischen Defence-Index gegenüber dem breiten Aktienmarkt. Während die Kurse stark gestiegen sind, hat sich auch die Bewertungsprämie ausgeweitet:Der Sektor ist aktuell etwa doppelt so teuer wie der Gesamtmarkt.
(Quelle: DWS Investm. GmbH / Bloomberg Finance L.P., Stand 17.10.2025)
Langfristige Treiber bleiben intakt
Trotz hoher Bewertungen sieht DWS drei Argumente für weiteres Potenzial:
- Planbare, staatlich finanzierte Umsätze: Verteidigungsetats sichern stabile Nachfrage.
- Skaleneffekte: Kapazitätserweiterungen steigern die operative Hebelwirkung.
- Nachhaltiges Gewinnwachstum: Die Bewertungsprämie relativiert sich über den Ertragshorizont der kommenden Jahre.
Europa plane, seine Verteidigungsausgaben bis 2030 auf rund drei Prozent des BIP zu erhöhen, langfristig sogar auf vier Prozent. Rund die Hälfte der Mittel soll in der europäischen Industrie verbleiben. Das könnte nicht nur klassische Rüstungskonzerne, sondern auch Zulieferer, Luftfahrtunternehmen und Cybersecurity-Spezialisten beflügeln.
Selektive Chancen statt blinder Euphorie
DWS mahnt zur Vorsicht: Produktionskapazitäten lassen sich nicht kurzfristig ausbauen, und technologische Entwicklungen schreiten rasant voran. Investoren sollten gezielt jene Unternehmen identifizieren, die auf die nächste Phase der europäischen Aufrüstung vorbereitet sind.
„Wir gehen davon aus, dass der Verteidigungssektor seine Dynamik behält, solange Europa sich nicht sicher fühlt“, so das Fazit des CIO Specials.
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