Beginnen wir mit ein paar Zahlen:
US Tech Aktien (gemessen am Nasdaq Composite) sind im alten Jahr um rund 21% gestiegen. Über die letzten drei Jahre betrachtet hat sich der Index sogar mehr als verdoppelt.
Das KGV der Nasdaq, bezogen auf die Schätzungen für 2026, liegt bei rund 28. Im Vergleich dazu rangiert der S&P 500 bei 23. Die Bewertung der Technologie ist demnach ambitioniert, das Gewinnwachstum aber auch. Die Technologie soll heuer und nächstes Jahr Gewinnsteigerungen von knapp 20% verbuchen, für den breiten US Markt liegen die Schätzungen bei jeweils 12%.
Worauf basiert die Angst der Anleger vor einer KI Blase?
Die großen US Tech-Unternehmen (auch Hyperscaler genannt) investieren astronomische Summen in die KI. 2025 könnte die Schwelle von 400 Mrd. Dollar geknackt worden sein, für heuer sind 500 Mrd. in Sichtweite … wohlgemerkt zusätzlich! Aber um diese Investitionen zu finanzieren, bedienen sich die Hyperscaler immer seltener ihrer riesigen Cash Reserven. Stattdessen zapfen sie jetzt öfter den Anleihemarkt an, eine Tatsache, die unter den Anlegern zunehmend für Beunruhigung sorgt.
Dazu kommen die Ring-Beteiligungen von OpenAI im Ausmaß von 1,4 Billionen Dollar, die letzten Herbst innerhalb von zwei Monaten bekanntgegeben wurden. Nvidia liefert die Chips. Oracle baut die Rechenzentren, OpenAI sorgt für die anhaltende Nachfrage nach KI und damit nach Rechenleistung. Sollte dieses eng geflochtene Netz aus gegenseitigen Abhängigkeiten reißen, droht ein echter Domino-Effekt.
Was sind die Argumente der KI Befürworter?
Im Wesentlichen beruhen sie auf der Aussage, dass die Künstliche Intelligenz eine ähnlich transformative Kraft ist wie einst der elektrische Strom oder das Internet. Als Motor der Wirtschaft hat die KI schon jetzt eine riesige Dynamik entwickelt: Investitionen in diesem Bereich haben im 1. Halbjahr 2025 den privaten Konsum als größten Treiber des US Wachstums überholt. Zuletzt wurden diese Summen aber zunehmend hinterfragt. Die Anleger wollen wissen, ob sich mit der KI auch Geld verdienen lässt.
Für die Zukunft scheinen ein paar Szenarien denkbar: ebenso wie das Internet könnte die KI zu einem gewaltigen Produktivitätsgewinn für so gut wie alle Unternehmen führen. Das bedeutet aber nicht, dass die Profiteure der Anfangsphase auch am Ende als die größten Gewinner dastehen werden. Das kurzfristig größte Risiko ist eine Art Infektion: wenn nämlich eine Ernüchterung gegenüber der KI den Gesamtmarkt in die Tiefe zieht.
Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft
Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.
Über den RosenCorner:
Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.
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