Druck auf Ölpreis hält trotz Eskalation in Venezuela an! Monika Rosen ordnet ein

Unmittelbar nach der Militäroperation der USA in Venezuela haben viele wohl einen deutlichen Anstieg im Ölpreis erwartet - der blieb aber aus. Mittelfristig geht eher die Angst vor dem Gegenteil um, nämlich einem anhaltenden Druck auf das „schwarze Gold“. Ist der Markt hier zu sorglos oder einfach nur weitsichtig? Und was könnte die Situation doch noch kippen lassen? Antworten wie geschmiert im neuen RosenCorner. Markets | 05.01.2026 12:40 Uhr
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph
Monika Rosen / © e-fundresearch.com / Roland Rudolph

Nur 1% des weltweiten Öls kommt aus Venezuela:

Venezuela produziert rund 1,1 Millionen Fass Öl pro Tag, Hauptabnehmer sind China und Indien. Bei einer weltweiten Fördermenge von 100 Millionen Fass pro Tag entfallen auf Venezuela also nur etwa 1%. Da die USA schon länger de facto ein Embargo auf venezolanisches Öl verhängt haben, war der zusätzliche Effekt ihres Eingreifens zu Jahresbeginn für den Markt vergleichsweise gering.

Dazu kommt die Tatsache, dass wir derzeit insgesamt einen Produktionsüberschuss haben. In diesem Umfeld ist der Ölpreis im Vorjahr um rund 20% gefallen, das war der stärkste Rückgang seit Corona.

Was könnte den Ölpreis doch noch nach oben treiben?

Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: Jede Art der Eskalation. Venezuela zählt den Iran zu seinen Verbündeten. Dort laufen derzeit ebenfalls Proteste, und US Präsident Trump hat schon mit einem Eingreifen gedroht. Derzeit gehen die Marktteilnehmer aber davon aus, dass es beim Öl zu keiner Angebotsverknappung kommt. Die Operation der Amerikaner in Venezuela hat die lokale Ölförderung maximal geschont, das geht aus Insiderberichten hervor. Goldman Sachs beispielsweise lässt seine Ölprognose für 2026 trotz der Ereignisse unverändert: 56 Dollar je Fass für Brent im Jahresschnitt, was einen leichten Rückgang zum aktuellen Preis bedeuten würde.

Und was heißt das alles für den Ölpreis auf Sicht von zwei bis drei Jahren?

Das Eingreifen der Amerikaner in Venezuela könnte mittelfristig zusätzlichen Druck auf den Ölpreis ausüben. Nach dem Willen von Präsident Trump sollen große US Firmen nach Venezuela zurückkehren und die lokale Ölförderung auf Trab bringen. Die haben aber die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit nicht vergessen: 2007 wurden ihre lokalen Tochtergesellschaften von Venezuela de facto verstaatlicht. Insofern ist Rechtssicherheit für die Unternehmen verständlicherweise ein Riesenthema. Sollten hier aber neue Investitionen gelingen, könnte das zu erheblichen Effizienzsteigerungen führen. Venezuela hat in der Vergangenheit rund 3 Millionen Fass Öl pro Tag gefördert, dreimal so viel wie heute. Eine Rückkehr zur alten Produktionsmenge würde zwar mehrere Jahre dauern und massive Investitionen erfordern, aber unterm Strich wäre das Ergebnis: mehr Öl!

Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft

Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.

Über den RosenCorner:

Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.

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