Womit droht Trump den Europäern in der Causa Grönland?
Der US Präsident will Grönland in die USA eingliedern. Um das zu erreichen, setzte er zuletzt wieder das Druckmittel der Zollpolitik ein. Sollten sich die Europäer weiter widersetzen, will er ab 1. Februar Strafzölle in Höhe von 10% auf Importe aus jenen Ländern einheben, die zuletzt Soldaten zu einer „Aufklärungsmission“ nach Grönland geschickt haben. Diese Rate soll per 1. Juni auf 25% steigen. Beide Tarife verstehen sich zusätzlich zu den derzeit geltenden 15%. Die Europäer überlegen jetzt Gegenmaßnahmen, wobei die stärkste Waffe im sogenannten „anti coercion instrument“ besteht. Dieses Instrument würde unter anderem Gegenzölle oder sogar Zugangsbeschränkungen zum europäischen Markt ermöglichen.
Wie reagiert die Börse?
Während in Brüssel noch heftig debattiert wird, hat die Börse schon Fakten geschaffen und mit Kursrückgängen reagiert. Besonders unter Druck waren diese Branchen:
Autos: Der Sektor steht bei den Zoll-Diskussionen regelmäßig in vorderster Front. Die Lieferketten sind international stark verflochten, außerdem befinden sich viele Produktionsstätten in Nordamerika. Die aktuelle Zolldiskussion kommt für die Autobranche zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, da die Importe aus China ohnedies schon für viel Druck sorgen.
Luxusgüter: Dieser Sektor wird oft als die europäische Antwort auf die US Technologie bezeichnet. Lange Zeit galten Luxusartikelhersteller in der Zolldiskussion als relativ immun, da ihre Kunden nicht sehr preissensitiv sind und sie höhere Kosten üblicherweise weitergeben können. Sollte die Zollproblematik allerdings die Konjunktur in Europa insgesamt belasten, dann könnte auch dieses Segment unter Druck geraten.
Pharma: Keine andere europäische Branche exportiert mehr in die USA als Pharma. Über 40% der Wirkstoffe in US Medikamenten kommen aus der EU. Besonders pikant ist hier die Rolle Dänemarks. Das Land ist in der Grönland-Frage nicht nur geographisch betroffen, sondern stellt mit Novo Nordisk auch eines der größten börsennotierten (Pharma-)Unternehmen Europas.
Energie: Auch die europäischen Energieunternehmen könnten indirekt ins Kreuzfeuer geraten, und zwar durch fallende Ölpreise. Goldman Sachs schätzt, dass (zusätzliche) Zölle in Höhe von 10% das Wachstum in der EU um 0,1 bis 0,2% dämpfen könnten. Eine wirtschaftliche Abschwächung würde sich auch negativ auf die Ölnachfrage auswirken und damit den Ölpreis nach unten drücken.
Monika Rosen, e-fundresearch.com Gastautorin & Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft
Über die e-fundresearch.com Gastautorin:
Monika Rosen war über 20 Jahre Chefanalystin einer österreichischen Großbank. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft ist sie weiterhin gefragte Spezialistin zu allen Finanzthemen.
Über den RosenCorner:
Im RosenCorner bietet Monika Rosen ab sofort regelmäßig auf e-fundresearch.com internationale Perspektiven und klare Kante. Als Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und erfahrene Finanzmarkt-Expertin liefert sie ihre Einschätzungen zu Markt, Wirtschaft und globalen Entwicklungen.
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